Sonntag, 25. August 2019

Erdbebenschäden Munich Re streicht Gewinnziel

Katastrophenschäden in Japan: Hohe Belastungen auch für Rückversicherer

Das Erdbeben und der Tsunami in Japan drücken stark auf die Gewinne der Rückversicherer. Der Branchenprimus Munich Re rechnet mit Kosten von rund 1,5 Milliarden Euro, die Hannover Rück derzeit mit einer Belastung in Höhe von 250 Millionen Euro. Die Aktienkurse der Versicherer geraten unter Druck.

München - Das Erdbeben und der Tsunami in Japan haben dem weltgrößten Rückversicherer Munich Re Börsen-Chart zeigen das Gewinnziel zerschlagen. Der Vorstand schätzt, dass das Unternehmen für die Schäden mit 1,5 Milliarden Euro vor Steuern geradestehen muss. Das Ziel, in diesem Jahr einen Konzerngewinn von 2,4 Milliarden Euro zu erreichen, sei daher nicht mehr zu halten, teilte der Münchner Konzern am Dienstagabend mit.

Die Schadenprognose für Japan sei noch sehr unsicher. Wegen der starken Zerstörung, möglicher weiterer Nachbeben und schwieriger Aufräumarbeiten werde es noch viele Wochen dauern, bis die Schäden erfasst seien. Die Atomunfälle dürften die Versicherungsbranche allerdings kaum belasten.

Die Kette der Katastrophen in Japan trifft den Dax-Konzern Munich Re deutlich schwerer als seinen Schweizer Mitbewerber Swiss Re und den inländischen Rivalen Hannover Rück. Der weltweit zweitgrößte Rückversicherer aus Zürich hat seine Belastung auf 1,2 Milliarden US-Dollar geschätzt. Das Swiss-Re-Management schloss am Montag jedoch nicht nicht aus, dass es seine Prognose im Nachhinein "erheblich" anpassen muss.

Erdbeben in Christchurch, Tsunami in Japan

Der Rückversicherer Hannover Rück dagegen rechnet derzeit mit einer Belastung aus dem Erdbeben in Japan in Höhe von 250 Millionen Euro. Eine verlässliche Aussage für einen Gesamtmarktschaden für die Versicherungswirtschaft liege aufgrund der Komplexität des Ereignisses allerdings noch nicht vor, teilte das MDax-Unternehmen am Mittwoch mit. Daher sei eine Bewertung der Schadenshöhe noch mit viel Unsicherheit behaftet. Bei der Munich Re schlägt vor allem durch, dass der Rückversicherer in Japan Anlagen und Gebäude von Industrie- und Geschäftskunden versichert hat. Aus diesem Bereich stamme der Großteil der Schäden, hieß es. Die Schadensprognose stammt allerdings alleine aus Modellrechnungen, weil die konkreten Schadensmeldungen bislang fehlen.

Der Kurs der Munich-Re-Aktie gab die Aktien von Munich Re am Dax-Ende um 1,64 Prozent auf 108,25 Euro nach. Die Titel der Hannover Rück Börsen-Chart zeigenRück hielten sich am Vormittag noch knapp auf Vortagsniveau.

In vielen Versicherungsfällen muss die Munich Re den Angaben zufolge erst dann einspringen, wenn bei einem versicherten Kunden hohe Schadensummen erreicht sind. Die tatsächliche Belastung stelle sich daher erst später heraus. Zudem ist noch offen, wie sich Produktionsausfälle in japanischen Unternehmen auf die internationalen Warenströme und Lieferketten auswirken. So klagen Handyhersteller und Autobauer in Europa bereits über fehlenden Nachschub. Auch für solche Fälle haben Unternehmen Versicherungen abgeschlossen. Für Wohngebäude gibt es in Japan ein staatliches Versicherungsprogramm, das durch einheimische Erstversicherer gedeckt wird.

Für die Rückversicherungsbranche kommt es seit Jahresbeginn knüppeldick. Schon das Erdbeben in der neuseeländischen Stadt Christchurch im Februar, die Überschwemmungen in Brisbane in Australien und der Zyklon Yasi, der Anfang Februar an Australiens Nordküste eine Spur der Verwüstung hinterlassen hatte, dürften die Munich Re nach bisherigen Angaben 1,1 Milliarden Euro kosten.

kst/dpa-afx/apd

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