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Duni: Buntes für den gedeckten Tisch

Foto: Duni AB

Duni Der Kreml als Trophäe

Die schwedische Firma Duni ist Europas Marktführer für Einweg-Tischaccessoires und Takeaway-Verpackungen. Im Interview erklärt CEO Fredrik von Oelreich, wie der demografische Wandel sein Geschäft beflügelt, wie Duni umweltfreundlicher werden will und welche Märkte er im Visier hat.

mm: Sie führen ein Unternehmen, das bunt bedruckte Einwegprodukte herstellt. Im Zeitalter der Nachhaltigkeit eine schwierige Aufgabe, oder?

von Oelreich: Das sehe ich nicht so. Wir befriedigen eine Nachfrage und versuchen, das auf die bestmögliche Weise zu tun. 70 Prozent unserer Produkte stellen wir mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz her. Außerdem haben wir uns konkrete Ziele gesetzt, wie wir unsere Ökobilanz verbessern wollen. Wir wollen unsere CO2-Emissionen um 25 Prozent senken, im Transport um 15 Prozent, und unseren Energieverbrauch wollen wir um 15 Prozent reduzieren. Unsere Ökobilanz verbessert sich stetig in allen Bereichen.

Am Ende des Tages treffen die Verbraucher die Entscheidungen. Unsere Rolle dabei ist es, ihnen die Wahl zu lassen. Wir setzen auf Stärke basierende Kunststoffe ein, die man kompostieren kann. Wir arbeiten mit recycelten Materialien, etwa, indem wir Serviertabletts aus PET-Flaschen herstellen. Und wir setzen auf grüne Energie. In unserer schwedischen Papiermühle läuft seit einigen Monaten eine sechs Millionen Euro teure Bio-Heizkesselanlage, die unseren CO2-Ausstoß drastisch mindert. Diese Ziele wollen wir bis Ende 2012 erreichen.

mm: Diese Ziele sind selbstgesteckt. Was passiert denn, wenn Sie sie nicht erreichen?

von Oelreich: Das Leben geht weiter. Aber wir wollen eine klare Richtung aufzeigen, und das tun wir auch. Selbst wenn es bis Ende 2012 nicht klappt, werden wir weiter daran arbeiten. Wir definieren, was uns wichtig ist, und wir richten uns danach.

mm: Die Holzpreise sind im vergangenen Jahr extrem gestiegen. Wie gehen Sie damit um?

von Oelreich: Unglücklicherweise muss das letztlich der Verbraucher bezahlen. Wir haben im dritten Quartal des vergangenen Jahres unsere Preise erhöhen müssen. Die Zellstoffpreise sind enorm gestiegen. 2009, im Jahr der Finanzkrise, langen sie noch bei 450 Euro pro Tonne. Im vergangenen Jahr waren es 780 Euro. In nur zwölf Monaten ist der Preis von einem absoluten Rekordtief auf ein absolute Rekordhöhe gestiegen. Mittlerweile hat sich der Preis auf 700 Euro pro Tonne eingependelt. Wir hatten keine andere Wahl, als die Preise zu erhöhen, und unsere Kunden haben das verstanden.

Wir steuern auf eine andere Art von Ökonomie zu. Wir hatten uns an relativ stabile Preise gewöhnt, aber im Moment steigen die Rohstoffpreise stetig, vor allem wegen des riesigen Bedarfs in Asien. Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass die Wirtschaft dauerhaft anders funktionieren wird.

"Wir sind stolz auf den Kreml als Kunden"

mm: Sie machen zwei Drittel Ihres Umsatzes mit dem Horeca-Geschäft, also Hotels, Restaurants und Caterern. Der Rest verteilt sich auf Produkte für den Einzelhandel, Servietten und Accessoires für den gedeckten Tisch daheim. Bleibt das so, oder wird sich das ändern?

von Oelreich: Wir wachsen im Horeca-Sektor stärker als im Einzelhandel. Es gibt da keine großen Sprünge, aber eine langfristige Entwicklung. Danach richtet sich auch unsere Strategie. 90 Prozent unseres Gewinns vor Zinsen und Steuern erzielen wir in diesem Sektor.

mm: Warum ist das ein Wachstumsmarkt?

von Oelreich: Wir essen und leben anders als in der Vergangenheit. Es gibt mehr Singlehaushalte, der Trend zur Urbanisation weitet sich aus, und immer mehr Leute gehen immer öfter auswärts essen. Wir wollen es eben bequem haben, und das ist der Schlüssel zu unserem Geschäft. Die durchschnittliche Zeit für die Essenszubereitung in Privathaushalten sinkt kontinuierlich und liegt in Westeuropa bei etwa acht Minuten. Es gibt Zuwächse im Imbissbereich, in Kaffeebars und bei Kettenrestaurants wie Vapiano und Nordsee, für die wir eigene Mitnehmboxen gestaltet haben. Wir versuchen, diese wachsenden Nischen zu finden und zu besetzen.

mm: Setzen Sie auch auf geografische Expansion?

von Oelreich: Duni macht ein Drittel des Umsatzes in Deutschland. Wir wollen von diesem Zentrum her wachsen. Zunächst in den osteuropäischen Markt, wo es eine wachsende Mittelschicht mit wachsender Kaufkraft gibt, etwa in Polen, in Tschechien und in Russland. Überall dort haben wir viel investiert; in Russland sind wir zunächst nach Sankt Petersburg gegangen, haben aber mittlerweile eine eigene Vertriebsfirma in Moskau. Es ist wichtig für uns, als Erste dort unsere Marke aufzubauen. Allein in Moskau gibt es um die 3500 Restaurants. Und wir sind stolz darauf, die Verwaltung im Kreml als Kunden gewonnen zu haben. Das ist eine nette Trophäe für uns.

Auch in Südeuropa wollen wir wachsen. Wir sind in Italien und Spanien schon vor Ort, wollen dort aber noch mehr investieren. Dort gibt es freilich schon eine große Tradition des auswärtigen Essens. Wir haben also weniger damit zu tun, einen Kampf gegen günstigere Einwegprodukte anzuzetteln, als vielmehr damit, Restaurants und Hotels überzeugen, bei der Tischdekoration von Leinen auf unsere Produkte umzustellen.

Wir wollen bei unseren Premiumprodukten der Leinenhaptik immer näher kommen. Es gibt immer noch viel Leinen in der Gastronomie. Weniger bei den Servietten als bei der übrigen Tischwäsche. Wenn es uns gelingt, unsere Materialien noch weiter zu verbessern, öffnen sich neue Märkte von selbst. Das war immer unser Ehrgeiz, näher und näher ans Leinen zu kommen und so Restaurants dazu zu bewegen, auf unsere Produkte umzustellen.

mm: Im niedersächsischen Bramsche haben Sie einen Produktions- und Logistikstandort mit 950 Beschäftigten. Vergangenes Jahr hieß es, sie wollten dort noch noch einmal 15 Millionen Euro investieren, weil die Kapazitäten des Werks an ihre Grenzen stoßen.

von Oelreich: Da wissen Sie mehr als ich. In Bramsche sitzen unser Vertrieb, unser Produktionsschwerpunkt für Servietten und Tischdecken und das Logistikzentrum für Europa. Der Vorteil ist, dass Bramsche für unsere Märkte so zentral liegt - der Transport unserer Produkte ist teuer, weil sie so voluminös sind. Im Logistikzentrum erreichen wir allmählich unsere Kapazitätsgrenze, und wir arbeiten daran, dieses Problem zu lösen. Aber konkrete Zahlen kann ich dazu heute noch nicht nennen.

mm: Im vergangenen Jahr hat der Gewinn etwas abgenommen, aber die Dividende soll steigen. Wie passt das zusammen?

von Oelreich: Wir weisen unsere Zahlen in schwedischen Kronen aus: Sie sind so schon gut, aber wenn wir in Euro berichten würden, sähen sie noch besser aus. 2010 war die Krone eine sehr starke Währung, und unsere Einkünfte in Euro wurden durch den starken Wechselkurs belastet. Seit unserem Börsengang im Jahr 2007 haben wir unsere Schulden halbiert. Wir machen ordentlich Gewinn, wir können ordentlich investieren, und wir haben noch Geld für unsere Aktionäre. Wir haben ein definiertes Ziel von einer Dividende von mindestens 40 Prozent unseres Nettogewinns, und diese Quote erfüllen wir.

mm: Wie oft müssen Sie das Design Ihrer Produkte ändern?

von Oelreich: Wir tauschen jedes Jahr ein Viertel des Sortiments aus, zum Teil durch völlig neue Produkte, zum Teil durch neue Farben und Designs. Unser Katalog ist die Referenzgröße für den Markt.

mm: Wohin geht denn der aktuelle Trend der Tischkultur?

von Oelreich: Zum Glück bin ich kein Trendscout. Wir holen uns Inspirationen von Inneneinrichtungsmessen und Modenschauen, um am Puls der Zeit zu bleiben. Generell gibt es einen Trend zur Schlichtheit, der in Skandinavien stärker ausgeprägt ist als in Deutschland, wo man auch traditionelle Dessins mag.

mm: Aber ein Sternerestaurant werden Sie nie vom Leinen wegbringen.

von Oelreich: Klar gibt es Restaurants, die sich nie umstellen werden. Mit drei Michelin-Sternen werden sie vielleicht immer beim Leinen bleiben. Aber vielleicht nur fürs Abendessen. Vielleicht können sie zum Brunch oder zum Mittagessen eine unsere Premiumlösungen einsetzen. Unsere Produkte bieten eine Menge Vorteile: Leinen haben Sie drei oder vier Jahre lang, aber wenn Sie jahreszeitlich und immer auf der Höhe des Zeitgeists dekorieren wollen, hat eine Einweglösung auf hohem Niveau einen eigenen Charme. Sie bietet mehr Flexibilität, und sie macht weniger Arbeit.

Und es gibt den hygienischen Aspekt: Unsere Servietten werden nur einmal benutzt. Als Europa von der Grippewelle betroffen war, haben wir in manchen Segmenten schon eine stärkere Nachfrage bemerkt. Aber das ist natürlich nur ein Nebenaspekt.

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