Donnerstag, 22. August 2019

Insolvenzantrag Beluga-Reederei am Abgrund

Beluga Felicity: Bremer Reederei unter Druck

Die Bremer Reederei Beluga rutscht tiefer in die Krise. Jetzt hat das Unternehmen Insolvenz für sein Kerngeschäft mit mehr als 100 Mitarbeitern beantragt - wegen "erheblicher Unregelmäßigkeiten beim Umsatz und der Liquidität".

Bremen - Die angeschlagene Bremer Schwergutreederei Beluga hat für ihr Kerngeschäft Insolvenz angemeldet. Der Antrag sei am Mittwoch eingegangen, teilte das Amtsgericht Bremen mit. Der Schritt betreffe die Tochtergesellschaft Beluga Chartering GmbH, bestätigte die Muttergesellschaft. Der Insolvenzantrag sei "eine Folge der Aufdeckung von erheblichen Unregelmäßigkeiten im Hinblick auf Umsatz und Liquidität", sagte ein Beluga-Sprecher. Als vorläufigen Insolvenzverwalter setzte das Amtsgericht den Bremer Rechtsanwalt Edgar Grönda ein.

Wenige Stunden vor der Insolvenz hatten einem Zeitungsbericht zufolge bereits alle Eigner der an Beluga vermieteten Schiffen die Charterverträge gekündigt. Es handele sich um etwa 50 Frachter, berichtete die "Financial Times Deutschland" vorab. Damit stehe Beluga nahezu ohne Flotte da. Das Unternehmen wollte sich nicht dazu äußern.

Die Interessengemeinschaft Charterschiffe Beluga, die die Eigner vertrete, habe ihren Mitgliedern empfohlen, die Verträge noch vor einem Insolvenzantrag zu beenden, berichtete die Zeitung. Dem seien mehrere Anbieter von Schiffsfonds gefolgt. Die Frachter und damit ihre Verträge sollten damit dem Zugriff durch den Insolvenzverwalter entzogen werden. Bereits am Dienstag hatte der Hamburger Fondsanbieter HCI Capital alle Charterverträge mit dem Schwergutspezialisten gekündigt und auf die mit ihm verbundene Hammonia-Reederei übertragen. Damit fehlten Beluga bereits mindestens 20 seiner insgesamt 72 Schiffe. Das Überleben des Bremer Unternehmens stand zu dem Zeitpunkt schon infrage.

Dem US-Investor Oaktree, der nach eigenen Angaben knapp die Hälfte der Anteile an Beluga hält, hatte von finanziellen Unregelmäßigkeiten bei Beluga gesprochen und daraufhin die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Firmengründer Niels Stolberg wurde dazu am Mittwoch von der Bremer Staatsanwaltschaft vernommen. Gegen ihn und weitere suspendierte Manager ermittelt die Justiz wegen des Verdachts des Betruges und der "unrichtigen Darstellung" nach dem Handelsgesetzbuch.

Der Firmensprecher betonte, der Insolvenzantrag betreffe nicht die Muttergesellschaft Beluga Group oder andere wesentliche Tochtergesellschaften. Derzeit würden mit den wichtigsten Anteilseignern "weiterhin konstruktive Gespräche" geführt, um eine gemeinsame Lösung für Beluga zu erreichen. Angaben zur Zukunft des Unternehmens wollte der Firmensprecher nicht machen, dies sei Sache des vorläufigen Insolvenzverwalters.

kst/dpa/rtr

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