Sonntag, 18. August 2019

Compliance Deutsche Firmen überschätzen sich

Frankfurt am Main: Standort bedeutender deutscher Unternehmen

Trotz prominenter Korruptionsfälle wie Siemens, Ferrostaal oder Daimler gehen deutsche Unternehmen mit dem Thema Compliance noch zu leichtfertig um. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung Alvarez & Marsal, die dem manager magazin exklusiv vorliegt.

Hamburg - Die Berater hatten dazu Compliance-Officer von 67 Unternehmen befragt, darunter rund zwei Drittel der Dax-30-Konzerne. Untersucht wurde unter anderem, ob eine Anlaufstelle für Mitarbeiter in Compliance-Fragen existiert, wie viele Aufpasser es im Verhältnis zur Mitarbeiterzahl gibt, wie stark ihr Durchgriff im Unternehmen ist, an wen die Organisation berichtet und wie sie mit Fällen von Fehlverhalten umgeht.

Das Ergebnis der Studie, die das manager magazin in seiner neuen Ausgabe (Erscheinungstermin: 18. März) vorstellt: "Das Thema Compliance genießt zwar zunehmende Aufmerksamkeit. Aber es gibt immer noch zu viele Unternehmen, die zwar seit Jahren einen Beauftragten oder auch eine Abteilung dafür haben, aber sie nicht weiterentwickelt und ausreichend ausgestattet haben", sagt Günter Degitz (47), Geschäftsführer bei Alvarez & Marsal und einer der Autoren der Studie.

So hat etwa ein Drittel der befragten Unternehmen weder ein sogenanntes Whistleblowing-System, bei dem Mitarbeiter anonym Verdachtsmomente mitteilen können, noch eine Ombudsstelle eingerichtet. Hinderlich für eine bessere Compliance scheinen in vielen Unternehmen vor allem die Kosten und die schwierige Messbarkeit der Compliance-Erfolge zu sein.

So beurteilte mehr als die Hälfte der befragten Manager ihre eigenen Compliance-Prozesse allenfalls als mittelmäßig, rund ein Fünftel sogar als "eher schlecht" oder "schlecht". Eine umfassende Compliance fanden die Berater dagegen häufig bei Unternehmen, die bereits große Compliance-Fälle und empfindliche Strafzahlungen hinter sich haben.

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