Dienstag, 17. September 2019

Munich Re Nach Japan müssen alle neu rechnen

Schäden in Milliardenhöhe: Nach dem Abfließen des Wassers wird das Ausmaß der Zerstörung offensichtlich
AFP/ JIJI PRESS
Schäden in Milliardenhöhe: Nach dem Abfließen des Wassers wird das Ausmaß der Zerstörung offensichtlich

Bei der Bilanzvorlage in der vergangenen Woche hatte der Rückversicherer mitgeteilt, die Schäden aus Naturkatastrophen im ersten Quartal 2011 seien schon so hoch, wie man sie für das ganze Jahr veranschlagt hatte. Nun kommt es durch Japan vielleicht noch schlimmer. Der Konzern versucht zu beruhigen. 

München - Der Rückversicherer Munich Re sitzt in der Klemme. Die Aktie ist seit Freitag in Folge der Katastrophe in Japan massiv unter Druck. Versicherungsanalysten beeilen sich, das Kursziel der Aktie nach unten zu revidieren. Gleichzeitig kann der Rückversicherer das Ausmaß der Schäden insgesamt, den Anteil der versicherten Schäden und vor allem den Anteil der in ihren Büchern stehenden rückversicherten Schäden offenbar noch nicht seriös abschätzen.

In einer Pressemitteilung heute morgen behalf sich der Konzern zunächst mit allgemeinen Feststellungen: "Fest steht, dass bei Erdbebendeckungen im japanischen Privatkundengeschäft nur ein sehr kleiner Teil des Risikos ins Ausland transferiert wird".

Zwar dürfte zumindest bei den Erstversicherern längst ein Stab von wissenschaftlichen Mitarbeitern ausgeschwärmt sein, die an der Seite von Technischem Hilfswerk und Rettungskräften aller Art die Erdbebengebiete in Nord-Ost-Japan besichtigen, um die Schäden zu schätzen und Daten für künftige Katastrophen zu sammeln. Eine Sprecherin der Munich Re Börsen-Chart zeigen sagte aber, sie gehe nicht davon aus, dass aus ihrem Haus schon jemand im Katastrophengebiet sei.

Keine signifikanten Belastungen aus japanischen Atommeilern

Sie sagte weiter, aus einem Unfall in einem Atomkraftwerk seien keine signifikanten Belastungen zu erwarten. Schäden durch Erdbeben und Tsunami seien in den Versicherungsverträgen teilweise ausgenommen, zumindest bei den Verträgen des sogenannten Atom-Pools, in das sich Versicherer zusammengeschlossen hätten, um die Betreiber von Atommeilern in aller Welt abzusichern. Dort gälten zudem Limits; jenseits dieser Limits hafte der jeweilige Staat.

Darüber hinaus gebe es Einzelverträge von Versicherungsunternehmen mit den Betreibergesellschaften der Atomkraftwerke, bei denen Schäden etwa durch einen Tsunami nicht unbedingt ausgeschlossen seien. Bei diesen Verträgen sei die Munich Re als Rückversicherer solcher Risiken aber nicht signifikant betroffen.

Ein Sprecher der Munich Re erläuterte zudem, die am Freitag genannte Zahl von zwei Milliarden Euro Höchstschaden für die Munich Re. Der Vorstandsvorsitzende Nikolaus von Bomhard hatte sie am Freitag vor Analysten in London genannt. Dies sei eine theoretische Zahl, sagte der Sprecher. Danach handelt es sich um die maximale Exponierung des Konzerns im Falle eines Erdbebens in Japan, wie es nur alle 200 Jahre vorkommt, und zwar unter der Annahme, dass ein Ballungs- und Wirtschaftsraum wie Tokio betroffen ist. Dieser angenomme Selbstbehalt sei noch einmal durch einen Risikopuffer im Faktor von 1,75 der Summe abgesichert.

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