Sonntag, 26. Januar 2020

Munich Re Katastrophen rücken Gewinnziel in die Ferne

Schlechter Start ins Jahr: Katastrophen in Australien und Neuseeland verhageln Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard das Geschäft

Die Überschwemmungen in Australien und das Erdbeben in Neuseeland setzen dem weltgrößten Rückversicherer Munich Re zu. Kommt es in diesem Jahr zu weiteren Katastrophen, für die die Münchener einstehen müssen, dürfte das Gewinnziel nicht zu halten sein.

München - Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re muss um sein Gewinnziel für 2011 fürchten. Bereits die schweren Naturkatastrophen gleich zu Beginn des Jahres in Australien und Neuseeland schlugen nach ersten Schadenschätzungen mit rund 1,5 Milliarden australischen Dollar (rund 1,1 Milliarden Euro) zu Buche.

Das sind bereits gut zwei Drittel der Summe, die Munich Re Börsen-Chart zeigen im gesamten Jahr 2010 für Naturkatastrophen aufwenden musste. Das Gewinnziel von 2,4 Milliarden Dollar sei deshalb nur noch erreichbar, wenn im weiteren Jahresverlauf die Großschäden unterhalb der Erwartungen blieben, teilte das Unternehmen in München mit.

Allein das Erdbeben im Februar in der zweitgrößten neuseeländischen Stadt Christchurch beziffert Munich Re mit einer Milliarde australischer Dollar (rund 725 Millionen Euro). Damit trifft das Beben, bei dem 150 Menschen starben, die Münchener härter als die Konkurrenz. Es dürfte für die Assekuranz eines der teuersten Erdbeben der vergangenen Jahrzehnte werden.

Nur ein halbes Jahr zuvor hatte die Erde dort schon einmal gebebt. Die Schäden aus den Überschwemmungen in Brisbane in Australien beziffert das Unternehmen mit rund 350 Millionen australischen Dollar. Der Zyklon Yasi, der Anfang Februar an der Nordküste Australiens eine Spur der Verwüstung gezogen hatte, belastet das Unternehmen nach eigenen Angaben in einer Größenordnung von 135 Millionen australischen Dollar.

Der Konzern übernimmt für Versicherungen Risiken, die diesen zu groß sind. Indirekt sind so rund zwei Milliarden Menschen, etwa ein Drittel der Weltbevölkerung bei den Münchnern versichert. Als weltgrößter Rückversicherer ist Munich Re von Großschäden auch am stärksten betroffen. Der zweitgrößte Rückversicherer Swiss Re Börsen-Chart zeigen rechnet für das Erdbeben in Neuseeland mit Belastungen von 800 Millionen Dollar (rund 575 Millionen Euro), die Hannover Rück Börsen-Chart zeigen mit umgerechnet 150 Millionen Euro.

Konzern hält am mittelfristigen Renditeziel fest

Ebenfalls belastet durch Naturkatastrophen war der Gewinn der Munich Re im vergangenen Jahr - wie bereits Anfang Februar mitgeteilt wurde - um 5 Prozent auf 2,43 Milliarden Euro zurück gegangen. 2012 will der Konzern weiter Gewinne in dieser Größenordnung erreichen.

Auch am mittelfristigen Renditeziel von 15 Prozent hält das Unternehmen fest. Allerdings wird zumindest in diesem Jahr auch dieses Ziel schwer zu erreichen sein, wie man in München selbst einräumt. Grund dafür sind die niedrigen Zinsen auf dem Kapitalmarkt, wo Munich Re die Beiträge seiner Versicherten anlegt. 2010 hatte die Rendite bei 13,5 Prozent gelegen.

Das Unternehmen geht davon aus, dass die Kapitalmarktzinsen in diesem Jahr weiter auf niedrigem Niveau bleiben werden. Mittelfristig sei mit einer Verzinsung von unter 4 Prozent zu rechen. Es sei daher mit niedrigen laufenden Erträgen aus Anlagen in festverzinslichen Wertpapieren und Darlehen zu rechnen. Zudem gebe es nur moderate Chancen auf Veräußerungsgewinne. "Deshalb geht die Munich Re von einem mittelfristig niedrigeren Kapitalanlageergebnis aus, bei dem die Verzinsung auf den Bestand unter 4 Prozent liegen sollte", hieß es.

2010 stieg das Kapitalanlageergebnis um 10 Prozent auf 8,6 Milliarden Euro. Damit glich die Munich Re den Rückgang beim operativen Ergebnis aus. Dieses sank wegen der hohen Kosten für Erdbeben, Überschwemmungen und der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko um 16 Prozent auf knapp vier Milliarden Euro.

Die Beitragseinnahmen des Branchenführers legten im vergangenen Jahr um 10 Prozent auf 45,5 Milliarden Euro zu. Die Aktionäre erhalten für 2010 mit 6,25 Euro je Aktie eine um 50 Cent erhöhte Dividende. Die im Dax notierte Aktie gab in den ersten Handelsminuten um mehr als ein Prozent nach. Händler führten dies auf die vorsichtigen Aussagen zum Gewinnziel zurück.

nis/dpa-afx/rtr

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