Eon-Bilanz Die große Fastenzeit

Die Bilanz für 2010 mit guten Zahlen ist schon Geschichte. Von nun an geht's bergab. Eon-Chef Johannes Teyssen muss Anlegern eine überzeugende Wachstumsperspektive bieten. Dabei ruhen die Hoffnungen vor allem auf zwei Männern.
Eon-Chef Johannes Teyssen: Der Konzern muss dünner werden, um wachsen zu können

Eon-Chef Johannes Teyssen: Der Konzern muss dünner werden, um wachsen zu können

Foto: Federico Gambarini/ dpa

Wie haben sich die Zeiten in der hiesigen Energiebranche gewandelt: Dass Eon-Chef Johannes Teyssen (51), ein vorwärts drängender Dynamiker, sich damit beschäftigen muss, Schrumpfen als Erfolg zu verkaufen. Die jüngste, vielfach gepriesene Abgabe des britischen Stromnetzes wird dem Düsseldorfer Konzern rund fünf Milliarden Euro einbringen. Das kann man durchaus als Leistungsnachweis werten. Oder als Symbol betrachten für eine unternehmerische Depression, unter der die ganze Branche derzeit leidet.

Das triste Motto ist ja allerorten: Man muss dünner werden um wachsen zu können. Insgesamt 15 Milliarden Euro will Teyssen bis 2013 durch Verkäufe hereinholen, neun Milliarden hat er schon geschafft.

Es gibt kaum eine Alternative zu diesem Kurs. Knüppeldick kommt es in den kommenden Jahren: hohe finanzielle Belastungen durch Brennelementesteuer und CO2-Lizenzen, niedrige Margen bei Strom und Gas, alles im Angesicht immer noch beträchtlicher Schulden.

Schon in diesem Jahr geraten die Eon-Ergebnisse kräftig ins Rutschen, auf bis zu 22 Prozent schätzt Teyssen das Minus beim bereinigten Konzernüberschuss. 2012 geht es wohl noch einmal runter, erst danach könnte wieder das alte Niveau erreicht sein. Sprich: Dann wäre man dort angelangt, wo man jetzt schon ist - im besten Falle, wohlgemerkt.

Was Teyssen braucht, um Mitarbeiter und Aktionäre bei Laune zu halten, sind operative Erfolge und viele neue Wachstumsprojekte. Damit hängt Wohl und Wehe des Konzerns im Wesentlichen an zwei Männern: an Klaus Schäfer (43) und Frank Mastiaux (46).

Eon-Ruhrgas-Chef Schäfer muss ein neues Geschäftsmodell für die kränkelnde Gassparte entwickeln und die oft Jahrzehnte laufenden Lieferverträge zu Eons Gunsten zügig neu verhandeln. Weil der Konzern sein Gas derzeit unter Einstandspreisen verkaufen muss, verbrennt er Geld, dass es nur so raucht.

Frank Mastiaux, der früher das Geschäft mit Erneuerbaren Energien leitete, soll neue Wachstumsfelder außerhalb Europas erschließen, etwa in Asien oder Lateinamerika. Bis 2015 soll ein Viertel des Konzerngewinns aus fernen Regionen kommen. Das kann klappen, muss aber nicht. Wie schwer sich Eon jenseits der Grenzen tut, zeigen die Abschreibungen aus früheren Akquisitionen, die immer noch die Bilanz verunzieren.

Dass der Rahmen nicht stimme, damit kann sich Teyssen nicht herausreden. Den Holdingvorstand hat er zum großen Teil ausgewechselt, die neue Konzernstruktur steht. Und als neuer Aufsichtsratsvorsitzender wird nach der Hauptversammlung im Mai der frühere Bayer-Chef Werner Wenning (64) bestellt. Kontrolleur und Kontrollierter kennen sich, unter anderem aus dem Deutsche-Bank-Aufsichtsrat, und schätzen einander.

Das sind passable Voraussetzungen. Jetzt sind die kleinen, konkreten Dinge des Managerlebens gefragt. Die darüber entscheiden, ob Eon auch künftig in der Champions League der Energiekonzerne mitspielt oder in die Dax-Beliebigkeit absteigt.

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