Mittwoch, 21. August 2019

Betrugsverdacht Ermittlungen gegen Reederei-Gründer

Reederei-Gründer unter Druck: Luftaufnahme eines von Piraten gekaperten Beluga-Schiffes

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Gründer der in Schieflage geratenen Bremer Reederei Beluga. Er soll Umsätze falsch ausgewiesen und Investoren getäuscht haben, heißt es. Die Anzeige kommt ausgerechnet vom Hauptanteilseigner der Reederei, dem US-Investor Oaktree.  

Bremen - Dem Gründer der Bremer Beluga-Reederei, Niels Stolberg, wird schwerer Betrug vorgeworfen. Die Bremer Staatsanwaltschaft hat gegen ihn und weitere leitende Angestellte ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Das teilte die Behörde am Dienstag mit. "Ich werde mich dem Verfahren und den mir gegenüber erhobenen Vorwürfen stellen", sagte Stolberg in einer ersten Reaktion dem Bremer "Weser-Kurier" (Mittwoch).

Der US-Finanzinvestor Oaktree, der mit 49,5 Prozent an Beluga beteiligt ist, hatte Anzeige gegen Stolberg und andere leitende Angestellte erstattet. Der Vorwurf lautet nach Angaben der Staatsanwaltschaft: Falsche Ausweisung von Umsätzen im dreistelligen Millionenbereich, Täuschung von Investoren. Stolberg war vergangene Woche als Geschäftsführer der von ihm gegründeten Reederei ausgeschieden. Bis zum Dienstag war er für keine Stellungnahme zu erreichen.

Laut Staatsanwaltschaft stehen die Beschuldigten im Verdacht, seit 2009 Umsatzerlöse im dreistelligen Millionenbereich falsch ausgewiesen und so die Investoren getäuscht zu haben. Beschuldigt wird neben Stolberg auch ein weiterer früherer Geschäftsführer. Ihnen wird auch "unrichtige Darstellung" nach dem Handelsgesetzbuch vorgeworfen, also das Verschleiern oder das falsche Informieren über Bilanzen oder Abschlüsse. Im Falle eines Gerichtsverfahrens und einer Verurteilung können bei Betrug in besonders schweren Fällen Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren verhängt werden.

Beschuldigter: "Ich laufe nicht weg"

Dem "Weser-Kurier" sagte Stolberg nun, er wolle sich mit Blick auf das laufende Verfahren zu den Vorwürfen nicht weiter äußern. Der Reeder betonte: "Ich laufe nicht weg."

Der Frankfurter Wirtschaftsanwalt Hanns Feigen, der den Unternehmer vertritt, sagte der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag: "Das Hauptziel von Stolberg neben dem Ausräumen der Vorwürfe ist Beluga und sind die Arbeitsplätze. Das ist das A und O." Zu den Vorwürfen gegen seinen Mandanten wollte auch er sich nicht äußern. Zunächst sei für die kommende Woche mit Stolberg zusammen ein Gespräch bei der Staatsanwaltschaft geplant.

Finanzinvestor Oaktree zeichnete in einer Stellungnahme die Schritte nach, wie es zu dem Verfahren bei der Staatsanwaltschaft kam. Der Investor sei im Februar benachrichtigt worden, dass Beluga weitere finanzielle Mittel brauche. Bei Nachforschungen sei man dann auf Unregelmäßigkeiten bei den Umsätzen und der Liquidität aufmerksam geworden. Entsprechende Unterlagen seien der Staatsanwaltschaft übergeben und mehrere leitende Mitarbeiter von ihren Aufgaben bis zum Abschluss der Untersuchungen entbunden worden.

"Oaktree unterstützt das Unternehmen derzeit mit erheblichen finanziellen und operativen Ressourcen. Dabei ist es oberste Priorität, den Geschäftsbetrieb in vollem Umfang fortzuführen", heißt es in einer Mitteilung vom Dienstag.

Stolberg war in der Hansestadt in den vergangenen Jahren Vorzeigeunternehmer. Der 50-Jährige baute von 1995 an aus einer kleinen Firma den Weltmarktführer Beluga auf, der zuletzt meist wegen Piratenangriffen auf seine Schiffe in den Schlagzeilen war. Jetzt ist das Unternehmen in schwere See geraten. Stolberg unterstützte aber auch den Sport, die Kultur und verschiedene Einrichtungen. Was daraus nun wird ist unklar. Eine Beluga-Sprecherin sagte: "Es ist keine Entscheidung gefallen."

cr/dpa

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