Quartalsverlust Bayer schafft Schering ab

Bei seiner ersten Bilanzvorlage musste Bayer-Chef Marijn Dekkers einen Quartalsverlust verkünden. Schuld war vor allem der Verzicht auf die Arzneimarke Schering. Doch auch mit seinen Prognosen für 2010 enttäuschte Dekkers.
Bayer ohne Schering: Der Verzicht auf die Marke Schering und Sonderlasten durch Rechtsstreitigkeiten sorgte im vierten Quartal für Belastungen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro

Bayer ohne Schering: Der Verzicht auf die Marke Schering und Sonderlasten durch Rechtsstreitigkeiten sorgte im vierten Quartal für Belastungen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro

Foto: ddp

Leverkusen - Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer ist trotz eines überraschenden Gewinnrückgangs 2010 für das laufende Jahr optimistisch. "Wir schauen zuversichtlich auf das laufende Jahr, in das wir erfolgreich gestartet sind", sagte Konzernchef Marijn Dekkers. Bayer sei operativ auf Kurs.

Das vergangene Jahr war allerdings durch hohe Sonderlasten von 1,7 Milliarden Euro geprägt - unter anderem für Rechtsstreitigkeiten, den Verzicht auf die Marke Schering sowie Abschreibungen auf Pharmaprojekte. Der Gewinn von Bayer  sank im vergangenen Jahr um 4,3 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro, während der Umsatz mit einem Plus von 12,6 Prozent auf 35,1 Milliarden Euro einen Rekordwert erreichte. Im vierten Quartal rutschten die Leverkusener gar in die Verlustzone.

Händler und Analysten zeigten sich in ersten Reaktionen enttäuscht. Die Aktien machten in einem etwas schwächeren Marktumfeld einen Teil ihrer anfangs deutlichen Verluste wett und büßten gegen Mittag noch 0,31 Prozent auf 54,63 Euro ein.

Händler reagierten enttäuscht

Ein Händler bezeichnete den Ausblick als enttäuschend. Die Bilanz-Zahlen hätten indes insgesamt im Rahmen der Erwartungen gelegen. Der Verlust im vierten Quartal dürfte sich mit Belastungen durch den Verzicht auf die Marke Schering begründen lassen, sagte der Börsianer. Insgesamt dürfte der Bericht nicht reichen, den zuletzt negativen Kurstrend umzukehren. Commerzbank-Analyst Daniel Wendorff zeigt sich über den Gewinn im Gesamtjahr ebenfalls enttäuscht. Auch der Ausblick für das laufende Jahr sei schwach ausgefallen. Insbesondere die Sonderlasten waren 2010 unerwartet hoch.

Im laufenden Jahr dürfte das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sonderposten in Richtung 7,5 Milliarden Euro steigen, sagte Dekkers. Im Vorjahr war der entsprechende Wert um knapp 10 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro geklettert. Der Umsatz dürfte währungs- und portfoliobereinigt 2011 um 4 bis 6 Prozent zulegen. Für das bereinigte Ergebnis je Aktie sei ein Anstieg um etwa 10 Prozent zu erwarten.

Die Ziele für 2012 bekräftigte Dekkers. Der Umsatz dürfte demnach bereinigt um etwa 5 Prozent zulegen, während beim operativen Ergebnis weiter eine Größenordnung von acht Milliarden Euro angestrebt werde. Das bereinigte Ergebnis pro Aktie dürfte dann etwa fünf Euro betragen.

"Für uns war 2010 insgesamt ein gutes Jahr", sagte Dekkers. Die Entwicklung in den drei Teilkonzernen verlief allerdings sehr unterschiedlich: Während sich 2010 das Kunststoffgeschäft (MaterialScience) schneller als erwartet von der Krise erholte, blieben das Gesundheits- (HealthCare) und Agrochemiegeschäft (CropScience) hinter den Erwartungen zurück.

Gesundheitsgeschäft verhalten, Kunststoffgeschäft boomt

Das Gesundheitsgeschäft sei von wachsender Konkurrenz durch Nachahmerpräparate bei den Yaz-Verhütungsmitteln und die Gesundheitsreformen belastet worden. Auch das Agrochemiegeschäft verlief verhalten. Im klassischen Pflanzenschutzgeschäft sei der Markt rückläufig.

Im Gegensatz dazu boomte das Kunststoffgeschäft. Insbesondere Asien verzeichnete hohe Wachstumsraten. Insgesamt verdreifachte sich 2010 bei MS das Ergebnis. Auch die Währungsentwicklung sorgte im Konzern insgesamt für Rückenwind. Die Zahl der Mitarbeiter erhöhte sich im vergangenen Jahr leicht auf 111.400.

In allen drei Teilkonzernen sollen Umsatz und operatives Ergebnis 2011 zulegen. Bei MaterialScience rechnet Bayer  im laufenden Jahr mit einer weiteren konjunkturellen Erholung. Der Umsatz dürfte bereinigt im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen, während das Ebitda vor Sondereinflüssen im Vergleich dazu überproportional steigen sollte.

Im ersten Quartal dürfte der Umsatz bereinigt in der Größenordnung des vierten Quartals 2010 liegen. Trotz höherer Rohstoffkosten dürfte das Ebitda vor Sondereinflüssen in den ersten drei Monaten über dem Wert des vierten Quartals liegen.

Dekkers: Spartenverkauf bleibt "extreme Option"

Bei CropScience sei im laufenden Jahr ein bereinigtes Umsatzwachstum zumindest im mittleren einstelligen Prozentbereich zu erwarten. Das Ebitda vor Sondereinflüssen dürfte überproportional zulegen.

Im Gesundheitsgeschäft werden unterdessen ein bereinigtes Umsatzplus im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich und eine leichte Verbesserung des operativen Ergebnisses erwartet. Im kommenden Jahr dürfte das Pharmageschäft durch neue Produkte an Wachstumsdynamik gewinnen.

Mit Blick auf die Konglomeratsstruktur, Zukäufe und das Sparprogramm machte Dekkers keine entscheidenden neuen Aussagen. Aus seiner Sicht sind alle drei Teilkonzerne wichtig. Ein Verkauf käme nur als "extreme Option" bei einem großen Zukauf in Frage. Dies sei aber "ein theoretischer Kontext". Grundsätzlich will der Konzern auch weiter durch Zukäufe und Partnerschaften wachsen.

Bayer ist einer der wenigen Konzerne, der Pharma, Agrochemie und Chemie noch unter einem Dach vereint. Die meisten Konkurrenten hatten sich im Laufe der Zeit auf einen Bereich konzentriert, weil insbesondere die Erforschung neuer Medikamente viel Geld verschlingt.

Angesichts der jüngsten Schwächen im Gesundheits- und Agrochemiegeschäft hatte Dekkers im November ein umfangreiches weltweites Sparprogramm aufgelegt. Dieses sieht den Abbau von 4500 Stellen bis Ende 2012 vor. Die Verteilung auf die Standorte steht dabei aber noch nicht fest. Zugleich hatte Dekkers die Schaffung von 2500 neuen Arbeitsplätzen insbesondere in den Schwellenländern angekündigt.

mg/dpa-afx