Sonntag, 15. Dezember 2019

Bezahlfernsehen Deutsche TV-Zukunft von Tiefrot bis Magenta

Objekt der Begierde: Telekom und Sky kämpfen um die Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga (im Bild: Spieler von Borussia Dortmund)

Der deutsche Pay-TV-Markt wird geprägt von zwei Anbietern: Während der Bezahlsender Sky Deutschland seit Jahren auf schwarze Zahlen hofft, träumt die Deutsche Telekom von einer Fernsehzukunft in Magenta. Jetzt dehnt sich der Zweikampf auf die Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga aus.

Hamburg - Der Wettbewerb um deutsche Pay-TV-Kunden ist vor allem eins: unübersichtlich. Knapp sechs Millionen Bezahlfernsehkunden gibt es in der Bundesrepublik - je nach Definition. Sie verteilen sich im Wesentlichen auf den Premiere-Nachfolger Sky Deutschland Börsen-Chart zeigen, die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen und einige Kabelnetz- und Satellitenbetreiber.

Doch die Strategien der zwei wichtigsten Spieler im Markt, von Sky und Telekom, könnten kaum unterschiedlicher sein. Während Sky bislang vor allem auf das klassische Fernsehen als Plattform seiner Film- und Sportprogramme setzt, dominiert die Telekom mit den Produkten "Entertain" und "Liga Total" das Onlinegeschäft.

Kooperation bei der "Grundversorgung"

Zuletzt machten die Wettbewerber zwar durch eine Kooperation auf sich aufmerksam: Der Bonner Konzern wird künftig die Angebote des Münchener Senders verbreiten. Doch der Deal hat einen Haken: Er gilt nur für das neue lokale Kabelfernsehangebot der Telekom, das sie unter dem Namen "TV-Grundversorgung" vertreibt.

Dieses Geschäft mit Wohnungsgesellschaften und Hausgemeinschaften bauen die Bonner derzeit neu auf. Denn die EU-Kommission hatte den Konzern 2003 zu einer Abspaltung seines Fernsehkabelgeschäfts gezwungen.

Unternehmen wie Kabel Deutschland, Kabel BW und Unitymedia gingen aus dieser Abspaltung hervor. Auch sie bieten heute Bezahlfernsehen an. Auch sie haben die Sky-Sender seit Kurzem im Programm.

Beim Pay-TV Partner, vor Gericht Gegner

Jahrelang hatte sich der einst als Premiere firmierende Bezahlsender vor solchen Kooperationen gesträubt. Und auch die Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom ist insofern bemerkenswert, da Sky und die Telekom bis 2009 bereits miteinander kooperiert hatten. Damals beendete Sky allerdings die Partnerschaft, nachdem die Bonner damit begonnen hatten, die Fußball-Bundesliga im Internet zu übertragen.

Das via Internet empfangbare IPTV-Angebot der Telekom, über das der Konzern seine Entertain-Angebote in die deutschen Wohnzimmer überträgt, ist von der aktuellen Kooperation ausgenommen. Sky-Spielfilme in HD-Bildqualität wird es auf den Onlinekanälen der Telekom somit vorerst nicht geben.

Im Gegenteil, im Streit um die Vermarktung ihrer konkurrierenden Plattformen trafen sich die Kontrahenten zuletzt vor Gericht. Das Landgericht Hamburg gab Ende Januar einer einstweiligen Verfügung statt, die Sky gegen die Deutsche Telekom im August 2010 angestrengt hatte. Sky bemängelte, dass die Werbung für die Fußball-Bundesliga-Berichterstattung der Telekom den Anschein erwecke, das mobile Angebot sei mit jedem Handy verfügbar.

Künftig muss die Telekom deutlich machen, dass ein Smartphone nötig ist, um das Fußballprogramm der Bonner zu empfangen.

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