Pharmaindustrie Merck schraubt Gewinnziel hoch

Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck zeigt sich nach einem kräftigen Gewinnanstieg im vergangenen Jahr äußerst optimistisch für das laufende Geschäftsjahr. Nach 70 Prozent in 2010 könnte das Ergebnis jetzt um weitere 45 Prozent klettern, stellt Vorstandschef Karl-Ludwig Kley in Aussicht. Die Aktie zieht kräftig an.
Hat Grund zum Lachen: Vorstandschef Karl-Ludwig Kley legt sehr gute Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vor und stellt einen weiteren kräftigen Gewinnanstieg in Aussicht

Hat Grund zum Lachen: Vorstandschef Karl-Ludwig Kley legt sehr gute Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vor und stellt einen weiteren kräftigen Gewinnanstieg in Aussicht

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture-alliance/ dpa

Darmstadt - Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck versprüht dank der Übernahme des US-Laborausrüsters Millipore Zuversicht. Konzernchef Karl-Ludwig Kley stellte am Montag in Darmstadt bei Vorlage der Bilanz 2010 für das laufende Jahr einen Anstieg des operativen Gewinns zwischen 35 und 45 Prozent in Aussicht. An der Dax-Spitze notierten die Aktien von Merck  mit einem Plus von 3,72 Prozent auf 65,03 Euro.

Auch 2012 soll das Ergebnis zulegen. Den Umsatz will das Unternehmen in diesem Jahr um 13 bis 18 Prozent steigern und im Jahr 2012 weiter ausbauen. Merck hatte Millipore im vergangenen Jahr für rund 5,1 Milliarden Euro übernommen und sich damit neben dem Geschäft mit Flüssigkristallen und dem Arzneimittelbereich ein drittes großes Standbein geschaffen. "Das Jahr 2010 war für Merck ein Jahr mit großen strategischen Veränderungen", bilanzierte Konzernchef Kley. Millipore habe Merck mit neuen Fähigkeiten versehen und für zusätzliche Größe gesorgt. In finanzieller Hinsicht habe 2010 die Erwartungen übertroffen.

Merck erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen operativen Gewinn von 1,114 Milliarden Euro - ein Sprung von 71,6 Prozent binnen Jahresfrist. Für das vierte Quartal standen 129,1 Millionen Euro zu Buche, was allerdings deutlich weniger war als die von Analysten erwarteten 193 Millionen Euro. Gleichwohl legte die Aktie von Merck vorbörslich drei Prozent zu.

Dividende soll um rund ein Viertel steigen

Der auf eine 1668 gegründete Apotheke zurückgehende Traditionskonzern setzte im vergangenen Jahr 9,291 Milliarden Euro um und damit knapp 20 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Nach Steuern blieb ein Gewinn von 641,5 Millionen Euro in der Kasse - ein sattes Plus von 70,3 Prozent. Die Aktionäre sollen davon profitieren: Ihnen stellte Kley eine um 25 Cent auf 1,25 Euro je Aktie angehobene Dividende in Aussicht.

Vergütung von Kley steigt kräftig an

Auch für Vorstandschef Karl-Ludwig Kley hat sich das vergangene Jahr im Portemonnaie deutlich gelohnt. Kley kam 2010 auf eine Gesamtvergütung von 3,144 Millionen Euro nach 2,282 Millionen Euro vor Jahresfrist, wie Merck am Montag in Darmstadt mitteilte. Die Summe setzte sich zusammen aus einer fixen Vergütung von einer Million Euro plus einer variablen Vergütung von 2,144 Millionen Euro. Mit der Offenlegung der Zahlen auch der anderen Top-Manager wies das im Dax gelistete Unternehmen zum ersten Mal die Gehälter seiner Geschäftsleitungsmitglieder individuell aus. Merck hatte dies zuvor nicht getan und war dafür vielfach kritisiert worden.

Im Pharmageschäft hatte Merck zuletzt einige Rückschläge zu verkraften. So fiel mit der Tablette Cladribin gegen Multiple Sklerose die größte Medikamentenhoffnung des Konzerns bei der EU-Arzneimittelbehörde durch. Ihr trauten Analysten Umsätze in Milliardenhöhe zu. Für das Krebsmittel Erbitux bekam Merck keine Zulassung für die Behandlung von Lungenkrebs und Tests mit dem Krebsimpfstoff Stimuvax mussten wegen der Erkrankungen eines Patienten zeitweise unterbrochen werden.

Rebif erneut das umsatzstärkste Medikament

Ende 2010 trennte sich Merck dann von Pharmachef Elmar Schnee. Inzwischen leitet der vom US-Namensvetter Merck & Co kommende Stefan Oschmann den Arzneibereich des Konzerns. Im vergangenen Jahr steigerte Merck den operativen Gewinn im Arzneimittelgeschäft um 59 Prozent auf 565 Millionen Euro, wobei das Unternehmen unter anderem von guten Geschäften mit Erbitux und Rebif gegen Multiple Sklerose profitierte. Rebif war erneut umsatzstärkstes Medikament mit einem Anstieg der Erlöse um 8,6 Prozent auf 1,668 Milliarden Euro.

In der Chemiesparte stach vor allem das Flüssigkristallgeschäft heraus, in dem der operative Gewinn mit 527 Millionen Euro mehr als verdoppelt wurde. Merck ist Weltmarktführer bei den Kristallen, die etwa in Flachbildfernsehern, Laptops und Handy-Displays zum Einsatz kommen. Der Konzern erzielte im vergangenen Jahr eine Umsatzrendite von 52 Prozent in dem Geschäft. Damit lag die Rendite wieder auf dem Niveau vor der Wirtschaftskrise.

Rei/reuters

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