Montag, 23. September 2019

Commerzbank Böses Blut wegen Boni

Commerzbank: Wie geht es weiter mit dem Institut? Bankchef Martin Blessing, links, daneben Klaus-Peter Müller, Aufsichtsratschef

Die teilverstaatlichte Commerzbank wird wegen offenbar geplanter Bonus-Zahlungen an ihre Mitarbeiter kritisiert. Möglich macht das angeblich ein Besonderheit des deutschen Handelsrechts. Am Mittwoch dürfte es nähere Informationen zu diesem Thema geben, wenn die Bank ihre Zahlen vorlegt.

Frankfurt am Main - Die am Tropf des Staates hängende Commerzbank Börsen-Chart zeigen will ihren Mitarbeitern für 2010 Erfolgsprämien zahlen. Mit Blick auf die Mühen der Integration der Dresdner Bank sowie "außergewöhnliche Leistungen" sei das Institut verpflichtet, Beschäftigte "leistungsbezogen und fair zu vergüten", sagte Vorstandsmitglied Ulrich Sieber der "Wirtschaftswoche". Dem Magazin zufolge summierten sich die Bonuszahlungen auf einen kleinen dreistelligen Millionenbetrag. Ein Sprecher der Bank wollte zu dem Betrag keine Stellung nehmen und verwies auf die Bilanzpressekonferenz am Mittwoch.

Grundlage für die Boni ist das vor gut einem Jahr beschlossene neue Vergütungsmodell der Commerzbank, das damals auch von dem staatlichen Bankenrettungsfonds SoFFin abgesegnet worden war, wie ein Sprecher erläuterte. Darin sind auch Boni vorgesehen, die allerdings teilweise verzögert ausgezahlt und später sogar zurückgefordert werden können, wenn sich herausstellt, dass der belohnte Erfolg nicht von Dauer war. Die Gehälter der Vorstandsmitglieder sind auf 500.000 Euro gedeckelt, solange die Bank dem Bund für die Hilfen keine Zinsen zahlt.

Der haushaltspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Alexander Bonde, sieht die Pläne trotzdem kritisch: "Es ist völlig unverständlich, wenn der Vorstand der Commerzbank Millionen an Boni an seine Leute ausschüttet." Die Bank habe bisher keinen Cent an Zinsen und auch keine Hilfen an den Bund zurückgezahlt. "Diese Bank existiert nur noch, weil der Steuerzahler sie mit 18 Milliarden Euro gestützt hat." Daher gelte auch nicht das Argument, dass anderswo in der Branche besser gezahlt werde, sagte Bonde.

Der FDP-Finanzpolitiker Frank Schäffler sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", die Commerzbank habe "auch unter Herrn Blessing kein richtiges Geschäftsmodell gefunden". Die Bank müsse die stille Einlage des Staates bedienen: "Es ist zumindest grenzwertig, wenn nicht skandalös, dass die Commerzbank trotz Milliardengewinns nichts bezahlt wegen der Verluste nach HGB. Es ist naiv zu glauben, da hätte der Vorstand keinen Bewertungsspielraum. Das nehme ich Herrn Blessing und seinen Managern nicht ab", betonte Schäffler.

Die Commerzbank ihrerseits will laut "Focus" trotz Störfeuers aus der Politik nicht so schnell klein bei geben. Ein Commerzbanker sagte dem Blatt, "wir werden unser Vergütungssystem mit Löwenklauen gegen staatliche Eingriffe verteidigen".

Die Bank hatte für die Verlustjahre 2008 und 2009 nach eigenen Angaben alle Boni gestrichen. Allerdings hatte sie "Sonderprämien" für Mitarbeiter gezahlt, die besonders wichtig waren oder wegen der Fusion mit der Dresdner Bank besondere Aufgaben zu bewältigen hatten.

Die in der Finanzkrise mit 18,2 Milliarden frischem Kapital vom Staat gerettete Bank hat ihr Gewinnziel im vergangenen Jahr nach Schätzungen von Analysten übertroffen. Von Reuters befragte Experten rechnen im Schnitt mit einem IFRS-Vorsteuergewinn von 1,25 Milliarden Euro. Die Bank hat mehr als eine Milliarde Euro in Aussicht gestellt. Zinsen auf die Stille Einlage des SoFFin muss die Bank wohl dennoch nicht zahlen: Wegen einer Milliardenabschreibung auf den Immobilienfinanzierer Eurohypo Börsen-Chart zeigen dürfte sie nach dem deutschen Bilanzstandard (HGB) einen Verlust ausweisen.

Bonde erklärte, es sei abstrus, dass die Bundesregierung der Bank eine Ausflucht aus der Bedienung der Einlage durch die HGB-Rechnungslegung eröffnet habe.

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