Montag, 21. Oktober 2019

Mögliches Lastminute-Gebot CME könnte NYSE-Fusion mit Deutscher Börse beeinflussen

Derivate-Börse CME in Chicago: Angeblich zum Gebot für NYSE Euronext bereit
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Derivate-Börse CME in Chicago: Angeblich zum Gebot für NYSE Euronext bereit

Der geplante Zusammenschluss der Börsen in Frankfurt und New York könnte sich laut einem Medienbericht zumindest verzögern. Die US-Derivatebörse CME erwägt angeblich eine feindliche Übernahme der NYSE Euronext. Damit sind Börsenmanager weltweit endgültig dem Fusionsfieber verfallen.

Frankfurt am Main/New York - Die Deutsche Börse und Nyse Euronext stehen kurz davor, womöglich schon heute eine weitreichende Fusionsvereinbarung zu präsentieren; das manager magazin hat am vergangenen Samstag über erste Personalentscheidungen berichtet. Jetzt allerdings könnte ein weiterer Fusionspartner der NYSE den möglichen Zusammenschluss zwischen der Deutschen Börse und Nyse Euronext zumindest verzögern.

Der amerikanische Nachrichtenkanal Fox Business Network hat unter Berufung auf US-Bankenkreise berichtet, dass die gegenwärtig weltgrößte Derivate-Börse CME aus Chicago eine feindliche Übernahmeofferte für die NYSE abgeben könnte. Laut der Website flyonthewall.com könnte sich CME dafür mit der US-Börse Nasdaq OMX zusammentun. Angesichts dieser Spekulationen hatten NYSE-Titel am Vortag an der Wall Street bereits 2,98 Prozent auf 39,45 Dollar an Wert gewonnen.

Ein Sprecher des Unternehmens mit Sitz in Chicago lehnte eine Stellungnahme ab. Ob die Börsenaufsicht einer Fusion von CME und NYSE zustimmen würde, ist ebenso offen. Anleger haben dennoch auf die mögliche Entwicklung reagiert. Der Aktienkurs der Deutschen Börse sinkt am Morgen. Die Titel des Frankfurter verloren bis 9.45 Uhr 1,15 Prozent ihres vorherigen Wertes auf rund 61,35 Euro und sind damit heute das Schlusslicht unter den 30 Aktien jener hiesigen Unternehmen, deren Anteilsscheine im Frankfurter Börsenleitindex Dax Börsen-Chart zeigen zusammengefasst sind.

Seit die Pläne von Deutscher Börse und Nyse Euronext bekannt wurden das Fusionsfieber ausgebrochen. So machte der brasilianische Börsenbetreiber BM&FBovespa am Montag auf sich aufmerksam, als sein Chef Edemir Pinto der Nachrichtenagentur Reuters sagte, sein Unternehmen halte nach möglichen Geschäftsverbindungen Ausschau. Im Fokus lägen China und Indien, aber auch eine Partnerschaft mit CME "habe Raum zum wachsen", sagte er ohne ins Detail zu gehen.

Gleichzeitig versuchen der australische Börsenbetreiber ASX und die Singapore Exchange, mit Zugeständnissen politische Bedenken gegen ihren Zusammenschluss zu entkräften. Im Führungsgremium des neuen Unternehmens sollten beide Unternehmen in gleicher Zahl vertreten sein, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung am Dienstag.

Im vorherigen Angebot der SGX waren der ASX weniger als die Hälfte der Posten angeboten worden. Durch den Schritt bleibe Australien eine größere Souveränität erhalten, sagte Portfolio-Manager Mark Nathan von Arnhem Investments. "Jetzt sollte es deutlich weniger Widerstand geben." Der Zusammenschluss muss vom australischen Parlament abgesegnet werden.

kst/apd/rtr/dpa-afx

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