Die Wirtschaftsglosse Ruf mich an!

Wie in den vergangenen Wochen aus berufener Feder zu lesen war, wollen Frauen ja gar nicht an die Macht. Am Ende des Tages trifft das perfekte Totschlagargument gegen die Frauenquote aber nicht auf alle weiblichen Wesen zu. Bereit für eine Führungsposition - gerne auch als Quotenfrau - meldet sich hiermit ...

Tja, meine Herren, um eine gesetzlich verordnete Frauenquote in Ihren Unternehmen abzuwenden, gibt es wohl nur noch eine einzige Alternative: Frauen in Führungspositionen befördern - und zwar flott. Zwar gelang es den werten Kollegen aus der Corporate Governance -Abteilung noch einmal mit letzter Kraft Kanzlerin Angela Merkel davon zu überzeugen, dass solch staatliche Zwangsmaßnahmen einer christlich-liberalen Koalition gar nicht gut stehen. Aber die Dame ist ernsthaft vergrätzt über den Skandal, dass Sie trotz des zehn Jahre alten Versprechens nun aber wirklich Frauen ganz nach oben zu bringen, so rein gar nichts getan haben.

Also nutzen Sie Ihre letzte Chance - tun sie das Ungeheuere jetzt! Heuern sie Frauen für Top-Positionen an. So schwierig ist das gar nicht. Ich helfe Ihnen gerne mit meinem selbstlosen Angebot und stelle mich zur Verfügung als Spitzenkraft für Ihr Unternehmen.

Sie brauchen eine Aufsichtsrätin. Kein Problem: In der liebevollen Begleitung von DAX-Unternehmen habe ich als Unternehmensberichterstatterin mehr als 15 Jahre Erfahrung - inklusive akribischer Bilanzanalyse und zielführender Strategieberatung. Von dem albernen Vorbehalt, dass es ja wohl nicht angehe, eine Journalistin ohne Führungserfahrung in das gewichtige Gremium zu berufen, hat Sie ja bereits Herr Bergruen erlöst. Garantiert macht Frau Schröder-Köpf eine tollen Job bei Karstadt. Deshalb vielen Dank, liebe Doris, dass Du als Politikjournalistin diese Pionierarbeit für uns Wirtschaftsschreiberinnen leistest.

Sie brauchen eine Frau für den Vorstand. Auch kein Problem: Marketing- und Kommunikation zählen selbstredend zu meiner Expertise. Amerika, Indien, China - kenne ich mich prima aus. Eine perfekte Besetzung bin ich auch als Chief Technology Officer, schließlich beschäftige ich mich seit Jahren mit nichts anderem als den für Unternehmen relevanten Technologieentwicklungen. Selbst zum Finanzchef würde ich mich als Volkswirtin mit Prädikatsexamen - Spezialität Statistik, Ökonometrie und Rechnungswesen - überreden lassen. Locken Sie mich einfach mit einem schicken Cabrio als Dienstwagen.

Und was den inständigen Wunsch von Herrn Ackermann angeht, die grauen Männerriegen in der Beletage aufzuhübschen, auch gar kein Problem. Schließlich schreibe ich diese Kolumne gerade beim Friseur (Als Topfrau nutze ich selbstverständlich jede Sekunde meiner wertvollen Zeit zum Nutzen meines Unternehmens). So können sich die Mitstreiter im AR oder in der C-Suite an goldenem Blond ergötzen und müssen sich nicht angesichts eines herausgewachsenen grau-braunen Mittelstreifens gruseln. Ein schönes buntes Blumenkleid hängt auch noch in meinem Kleiderschrank. Das darf zwar eigentlich nur im Urlaub an meinen Körper - aber wenn's der guten Sache dient hole ich es gerne auch mal zum Meeting heraus. Zumal ja der Urlaub in Zukunft wohl eher flach fallen wird. Aber dieses kleine Opfer bringe ich gerne für eine Position an den Schalthebeln der Wirtschaftsmacht.

Ich spüre schon, wie das Testosteron in mir aufwallt. In knapp zwei Wochen werde ich 50 Jahre alt. Und bekanntlich lässt ja mit den Wechseljahren diese weibliche Urbehinderung des Kinder kriegens schlagartig nach. Dafür schlägt die männliche Komponente voll durch - ich werde also perfekt in Ihre Runde passen. Und die Fortbildung in Sachen "Sprache der Macht" ist auch schon nächste Woche dran.

Also, was hält Sie ab? Auf geht's. Rufen Sie mich an. Schicken Sie mir eine Mail. Ihr Pressesprecher weiß ja, wie ich zu erreichen bin.

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