Daimler-Ausstieg Berlin sorgt sich um EADS-Gleichgewicht

Daimler und andere Großaktionäre wollen offenbar ihre Anteile an EADS abgeben. Damit würde das deutsch-französische Gleichgewicht empfindlich berührt. Jetzt bastelt die Bundesregierung an einer neuen Aktionärsstruktur, heißt es.
Deutsch-französischer Stolz: Die EADS-Tochter Airbus hat in 2010 ihren Platz als Weltmarktführer vor Boeing festigen könnten. Die gemeinsame deutsch-französische Mehrheit an dem Airbus-Mutterkonzern könnte jetzt aus dem Gleichgewicht geraten, weil EADS-Großaktionäre sich von ihren Anteilen trennen wollen.

Deutsch-französischer Stolz: Die EADS-Tochter Airbus hat in 2010 ihren Platz als Weltmarktführer vor Boeing festigen könnten. Die gemeinsame deutsch-französische Mehrheit an dem Airbus-Mutterkonzern könnte jetzt aus dem Gleichgewicht geraten, weil EADS-Großaktionäre sich von ihren Anteilen trennen wollen.

Foto: DPA/ EADS

Düsseldorf - Die Bundesregierung bastelt Presseberichten zufolge an der künftigen Aktionärsstruktur des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS  . Es würden mehrere Szenarien durchgespielt, wie die deutsch-französische Balance und die gemeinsame Mehrheit an dem Airbus-Mutterkonzern gehalten werden könne, berichten das "Handelsblatt" und die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Regierungs- und Branchenkreise.

Diskutiert werde, ob die staatliche Förderbank KfW anstelle des Bundes EADS-Aktien übernehmen solle. Anlass ist der Wunsch des Autobauers Daimler , seine EADS-Anteile auf lange Sicht abzustoßen. Die Regierung wolle Ende Februar über das Thema beraten, heißt es.

Offiziell geben sich die Ministerien und das Bundeskanzleramt bedeckt. Bodo Uebber, Daimler-Finanzchef und Verwaltungsratschef bei EADS, hatte bereits früher gesagt, dass sich die Frage der Aktionärsstruktur irgendwann stellen werde. Einem Daimler-Sprecher zufolge gibt es keinen neuen Sachstand.

Die Süddeutsche Zeitung hatte am Samstag berichtet, dass der Autobauer Daimler seine Anteile an EADS abgeben wolle. Auch die anderen Großaktionäre - die französische Lagardère-Gruppe und ein vorwiegend deutsches Bankenkonsortium - planten einen Ausstieg. Die Bundesregierung sei informiert, es gebe bereits Gespräche. Der Prozess solle nach Informationen aus Branchenkreisen bis spätestens Ende 2012 abgeschlossen sein, womöglich aber deutlich früher, berichtete die SZ.

Sollte auch der Medienkonzern Lagardere  seine Anteile veräußern, wird laut "Handelsblatt" voraussichtlich der französische Staat die Aktien übernehmen - möglicherweise über den Staatsfonds FSI. Für die Bundesregierung geht es nun darum, die Machtbalance mit der französischen Seite zu erhalten.

Bundesregierung will die Machtbalance halten

Derzeit wird EADS über einen Aktionärsverbund kontrolliert. Von deutscher Seite hält der Daimler-Konzern 15 Prozent direkt. Weitere 7,5 Prozent sind größtenteils bei einem Bankenkonsortium geparkt, die Stimmrechte verbleiben allerdings bei Daimler. Auf französischer Seite gehören dem Lagardere-Konzern 7,5 Prozent und dem Staat 15 Prozent. Anstelle der deutschen Bundesregierung könne die Staatsbank KfW bei der Übernahme des Daimler-Pakets einspringen. Die "FTD" nennt als weitere Kandidaten die Investmentgesellschaft Mubadala aus Abu Dhabi und die Beteiligungsfirma Aabar Investments, die 2009 bei Daimler eingestiegen war.

Die deutschen Banken wollen die bei ihnen geparkten Anteile voraussichtlich nicht ewig behalten - die Parklösung läuft bis Ende 2012. Für die Zeit danach muss die Bundesregierung eine Lösung finden. Die Variante einer "Goldenen Aktie", bei der die beteiligten Staaten Vetorechte bekämen, gilt als unwahrscheinlich. EADS-Chef Louis Gallois hatte eine solche Lösung zuletzt als sehr schwierig bezeichnet. Die beteiligten Staaten wollen mit ihrer Stimmrechtsmehrheit bei EADS wichtige Rüstungsprogramme schützen.

rei/dpa-afx
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