Hochtief-Übernahme Bafin bemerkt nichts Verbotenes

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat keine illegalen Absprachen zur Übernahme des Baukonzerns Hochtief nachgewiesen. Es habe keine Hinweise auf ein mögliches verdecktes Zusammenspiel zwischen dem spanischen Angreifer ACS und dem US-Fonds Southeastern Asset Management gegeben.
Angestellte des Baukonzerns Hochtief: Trauer über feindliche Übernahme

Angestellte des Baukonzerns Hochtief: Trauer über feindliche Übernahme

Foto: dapd

Bonn - Der spanische Angreifer ACS hat Deutschlands größter Baukonzern Hochtief nicht mit unlauteren Mitteln in die Enge getrieben. So hat zumindest die deutsche Finanzaufsicht Bafin entschieden. Die behörde teilte am Mittwoch mit, sie habe keine unrechtmäßige Abstimmung zwischen ACS und dem Finanzinvestor Southeastern Asset Management nachweisen können, dem in dem Übernahmepoker eine Schlüsselrolle zukommt.

Die Beamten hätten keine Anhaltspunkte für Absprachen zum gemeinsamen Erwerb von Hochtief-Aktien zwischen dem US-Investor und ACS feststellen können. Auch Übereinkünfte zur Nutzung von Stimmrechten konnte die Bafin nicht ermitteln. Southeastern ist sowohl an ACS als auch an Hochtief beteiligt und hatte dem spanischen Konzern geholfen, mit seiner Übernahmeofferte bislang die entscheidende Hürde von 30 Prozent am Hochtief-Kapital zu überspringen.

Dass die Bafin ACS keine Steine in den Weg legen würde, hatte die Finanzaufsicht bereits signalisiert: Es sei nicht davon auszugehen, "dass das ACS-Angebot für Hochtief in Gänze für ungültig erklärt werden könnte", hatte eine Sprecherin der Aufsichtsbehörde bereits Mitte Januar Reuters gesagt. In der Essener Hochtief-Zentrale war spekuliert worden, ob sich ACS und Southeastern rechtswidrig abgesprochen haben könnten.

Hochtief-Finanzvorstand Burkhard Lohr hatte von "Auffälligkeiten" gesprochen und gesagt, es sei Sache der Bafin, sich diese näher anzusehen. Southeastern hatte erklärt, ACS im Rahmen des Übernahmeangebots rund zwei Millionen seiner Hochtief-Aktien zu überlassen.

Die Spanier haben damit fast alle benötigten Aktien in der Tasche. ACS hatte am 21. Januar erklärt, der Konzern kontrolliere mit Ablauf der feindlichen Übernahmeofferte 31,59 Prozent der Hochtief-Aktien. Mit diesem Anteil kann ACS nach deutschem Aktienrecht ohne Zeitdruck weitere Aktien über die Börse kaufen und sich so schließlich die Mehrheit an dem Konzern sichern.

Endgültige Klarheit über den Erfolg der Taktik von ACS wird aber erst Anfang Februar herrschen. Denn derzeit können die Hochtief-Aktionäre noch überlegen, ob sie von der Annahme des ACS-Angebots zurückzutreten. Am 3. Februar wolle ACS schließlich das endgültige Ergebnis des Übernahmeangebots für Hochtief veröffentlichen, hatte eine ACS-Sprecherin angekündigt. ACS hatte zunächst je acht eigene Aktien für jeweils fünf Hochtief-Aktien geboten, das Angebot aber später auf neun eigene Aktien aufpoliert.

Aus Sicht der Bafin verstieß ACS mit der Angebotserhöhung "nicht offensichtlich" gegen das Übernahmerecht. Gutachten spanischer Rechtsgelehrter kämen in der Frage, ob die Kapitalerhöhung, mit der ACS die Offerte stemmen will, ausreiche, zu "unterschiedlichen Ergebnissen". Hochtief hatte seinen Anteilseignern empfohlen, die Offerte nicht anzunehmen.

kst/apd/dpa-afx/rtr
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