Konflikt beigelegt Strenger soll in Tui-Aufsichtsrat einziehen

Der Reisekonzern Tui schließt Frieden mit seinem Großaktionär John Fredriksen. Der Manager verzichtet auf einen eigenen Aufsichtsratskandidaten zur anstehenden Wahl des Gremiums. Mit dem neuen Kandidaten Christian Strenger sei man "glücklich", heißt es. Strenger ist Mitglied der Regierungskommission "Deutscher Corporate Governance Kodex".
Christian Strenger ist neuer Kandidat für den Tui-Aufsichtsrat

Christian Strenger ist neuer Kandidat für den Tui-Aufsichtsrat

Frankfurt am Main - Der jahrelange Streit um die Vertretung von Tui-Großaktionär John Fredriksen im Aufsichtsrat des Tourismuskonzerns ist offenbar beendet. Tui teilte am späten Freitagabend mit, bei der Aufsichtsratswahl auf der Hauptversammlung soll statt der ursprünglich vorgeschlagenen DSW-Vertreterin Christiane Hölz nun Christian Strenger in das Gremium einziehen.

"Dieser Vorschlag wird von allen großen Tui Aktionären unterstützt", hieß es in der Mitteilung. Ziel sei es, damit ein konstruktives Verhältnis zwischen den Aktionärsgruppen und dem Tui-Management herzustellen. Die Hauptversammlung findet am 9. Februar in Hannover statt.

Strenger ist Gründungsmitglied der Regierungskommission "Deutscher Corporate Governance Kodex" und in der Börsensachverständigenkommission des Bundesfinanzministeriums. Er ist bereits in mehreren Aufsichtsräten vertreten - bei der DWS Investment GmbH, bei Evonik und dem Flughafenbetreiber Fraport.

In das Gremium dürfte damit endlich Ruhe einziehen. Seit Jahren gibt es bei der Tui einen Streit zwischen Großaktionär John Fredriksen und dem Management. Fredriksen, der rund 15 Prozent der Anteile hält, hatte wiederholt einen Sitz im Aufsichtsrat gefordert. Dies hatte das Management und die ihm freundlich gesonnenen Aktionäre mit Verweis auf mögliche Interessenskonflikte jedoch stets abgelehnt.

Wie Tui über die Beteiligung an Hapag-Lloyd ist auch Fredriksen im Reedereigeschäft tätig. Der Vertraute des norwegischen Großaktionärs, Tor Olav Troim, sagte zu Reuters: "Wir sind mit der Lösung glücklich. Wir werden keinen eigenen Kandidaten aufstellen. Wir wollen jetzt Frieden".

Tui will offenbar Anteil an Tochter Tui Travel erhöhen

Derweil erwägt der Tui-Konzern offenbar eine baldige Aufstockung seiner Anteile an seiner britischen Reisetochter Tui Travel. Wie Reuters von zwei dem Unternehmen nahestehenden Personen erfuhr, sollen dafür die Erlöse aus dem geplanten Börsengang der Reederei Hapag-Lloyd verwendet werden. Das Unternehmen, das vor allem in der Container-Schifffahrt aktiv ist, soll innerhalb der kommenden drei Monate an die Börse gebracht werden.

Den Kreisen zufolge könnte Tui drei bis vier Monate nach dem IPO seinen Anteil von bislang 55 Prozent erhöhen. Das Management müsse schnell handeln, um eventuellen Forderungen von Aktionären nach einer Sonderdividende entgegenzutreten. Tui Travel ist der größte Reiseveranstalter Europas und wurde 2007 im Zuge der Fusion zwischen der Tui-Reisesparte und dem britischen Unternehmen First Choice gegründet. Tui Travel erwirtschaftet den größten Teil des operativen Gewinnes des Tui-Konzerns. Die Sparte hat einen Marktwert von 3,5 Milliarden Euro. Zuvor hatten Kreise gesagt, die Tui AG wolle sich mit Tui Travel zusammenschließen. Durch Synergien und niedrigere Steuern könnten demnach jährlich insgesamt 700 bis 800 Millionen Euro gespart werden.

Ein Tui-Konzernsprecher sagte am Wochenende, es gebe mehrere Optionen, aber keinen festen Zeitplan. Konzernchef Michael Frenzel hat wiederholt gesagt, dass Erlöse auf dem Verkauf der Hapag-Anteile in das Tourismusgeschäft investiert werden könnten. Tui besitzt bislang knapp die Hälfte an der Reederei und bewertet diesen Anteil mit 2,5 Milliarden Euro.

rei/reuters/dpa
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.