Fotostrecke

Gemeinschaftswährung: Warum der Euro deutschen Firmen lieb und teuer ist

Foto: manager magazin online

Währung in Turbulenzen Deutsche Firmen zittern um den Euro

Europa ringt um den Euro, und damit um den Kern seiner wirtschaftlichen Identität. Für deutsche Firmen steht besonders viel auf dem Spiel, weil sie stärker als Unternehmen aus anderen Ländern von der Gemeinschaftswährung profitieren. Doch in der Frage, wie diese zu retten ist, sind sie tief gespalten.

Hamburg - Für manche deutsche Unternehmer ist es zu einer Frage von Ehre und Moral geworden: Griechenland, Portugal und die anderen Schuldenstaaten an den Rändern Europas sollen für ihre Haushaltssünden bluten. "Wer ein derartiges Risiko eingeht, muss haften", sagt der Präsident des Verbands der Familienunternehmer, Patrick Adenauer, gegenüber manager magazin. "Alles andere widerspricht grundlegenden ordnungspolitischen Prinzipien, für die Familienunternehmer stehen."

Mit Grausen sehen viele das Bestreben der Kommission, den 750 Milliarden Euro schweren Rettungsschirm für angeschlagene Euro-Länder auszuweiten. Unverantwortliches Wirtschaften werde dann belohnt, indem die Staatengemeinschaft für die Schulden geradesteht. Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel würde es sogar begrüßen, wenn die Euro-Gemeinschaft stattdessen auseinanderbricht.

Doch die scharfen Töne verdecken, dass Manager und Unternehmer zunehmend darüber verunsichert sind, welches Vorgehen ihnen und der gesamten Wirtschaft tatsächlich am besten hilft. Auf dem Spiel stehen immerhin nicht weniger als Qualität und möglicherweise Existenz der gemeinsamen Währung in Europa.

Breitet sich die Schuldenwelle auf weitere, bisher stabile Länder aus, droht Inflation, und der Euro könnte butterweich werden. Die Folge könnten Steuererhöhungen in Deutschland sein, die auch Firmen treffen. Alternativ dürften drastische Kürzungen im Sozialbereich zu Verwerfungen führen, die das Geschäftsumfeld der Unternehmen heftig durcheinanderbringen.

Stürzen die besonders betroffenen Länder wie Griechenland, Portugal und Irland hingegen ohne weitere Hilfe allein ab, könnte die politische Lage eskalieren und eine Spaltung der Euro-Zone nach sich ziehen. Für viele Firmen würde sich die Geschäftsgrundlage damit erheblich verändern.

Der gemeinsame Währungsraum hat sich gerade für deutsche Unternehmen zu einem Erfolgsmodell entwickelt, auf das die meisten nicht mehr verzichten wollen. "Je internationaler Unternehmen aufgestellt sind, desto wichtiger ist für sie der Euro", sagt Konjunkturexperte Dirk Schlotböller vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Ein Ausscheiden einzelner Länder aus der Euro-Zone käme auch viele deutsche Unternehmen teuer zu stehen."

Rückkehr zur D-Mark ist für die meisten Manager keine Option

In gut jedem zweiten Unternehmen hat der Euro die Geschäftstätigkeit seit seiner Einführung positiv beeinflusst, ergab zuletzt eine Umfrage der Managementberatung Kienbaum. Negative Auswirkungen sahen dagegen nur 4 Prozent. Besonders schätzen die Firmen an der Gemeinschaftswährung, dass sie die Wechselkursrisiken erheblich minimiert.

"Weniger Devisenabsicherungsgeschäfte machten schlankere Prozesse möglich", sagt der Finanzchef von ABB Deutschland, Markus Ochsner, gegenüber manager magazin. "Außerdem unterstützt der Euro unsere Exportgeschäfte und stärkt somit unserere Wettbewerbsposition in Europa."

Der Vorteil gilt auch für Tausende andere Firmen mit Sitz in Deutschland. Gut 40 Prozent der deutschen Ausfuhren gehen in die Euro-Zone - ein Wert, der trotz Globalisierung relativ konstant bleibt. "Im gemeinsamen Währungsraum sind keine strategischen Abwertungen mehr möglich, die ausländischen Wettbewerbern einen künstlichen Preisvorteil verschaffen und deutsche Produkte verteuern", sagt Schlotböller.

Doch auch weltweit schafft der Euro Sicherheit. Manche Exporteure haben den Verlust der D-Mark nie bereut, weil die mitunter stahlharte Währung der Bundesrepublik ihnen einen erheblichen Nachteil auf dem Weltmarkt beschert hatte. Ganze Industrien wie die Textilbranche oder der Schiffbau sind auch aus diesem Grund aus Deutschland nahezu verschwunden.

Harte D-Mark belastete ganze Industrien

Nicht mehr wegzudenken sind für viele Firmen die weiteren Vorteile des Euro. Preise lassen sich besser vergleichen, der Zahlungsverkehr ist einfacher abzuwickeln, außerdem fällt Verwaltungsaufwand weg.

Die Geschäftstätigkeit zahlreicher Firmen ist in den vergangenen Jahren entscheidend von der Existenz des Euro geprägt worden. "Viele Firmen haben nur deshalb Märkte in Mittel- und Osteuropa erschließen können, weil sich diese Länder an die Euro-Zone angenähert und sich den Stabilitätskriterien verpflichtet haben", nennt DIHK-Mann Schlotböller ein Beispiel.

Auch angesichts der gegenwärtigen Turbulenzen steht die Unternehmerschaft mehrheitlich zum Euro. Zwei Drittel der von Kienbaum befragten Manager und Unternehmer wollen die Währung behalten, 30 Prozent würden eine Aufspaltung des Euro in Nord- und Südregion begrüßen, und lediglich 5 Prozent träumen vom Comeback der D-Mark.

"Ein Ausstieg der Staaten aus dem Euro würde zu großen Verwerfungen führen", sagt auch Familienunternehmer Adenauer mit Blick auf Griechenland, Portugal und andere. Schmerzen würde dabei weniger eine jahrelange wirtschaftliche Schwäche in Europas Süden - nur 4,8 Prozent der deutschen Ausfuhren in die Euro-Zone gehen in die Schuldenländer Griechenland, Irland und Portugal. Deren schwache Währung und die mit einem Ausscheiden verbundene Aufwertung des Rest-Euro würde allerdings die Exportchancen der deutschen Firmen schmälern.

Über die Frage, wie der Euro zu retten ist, bleiben Manager und Unternehmer aber tief gespalten. Viele sind angesichts des großen Nutzens, den die Unternehmen aus der Gemeinschaftswährung ziehen, sogar bereit, den Schuldenstaaten entgegenzukommen. Knapp 60 Prozent fordern in der Umfrage eine Ausweitung des Rettungsschirms, nur gut 40 Prozent sind dagegen.

Über die mögliche Alternative wird aus Sicht der Rettungsschirmkritiker allerdings viel zu wenig geredet: Eine Umschuldung, bei der die Gläubiger auf etwa 10 bis 20 Prozent ihrer Gelder verzichten. Die Folge wäre eine Rosskur in den betroffenen Ländern, die dadurch verschärft würde, dass sie - als Pleitestaat gebrandmarkt - am Markt kaum noch neue Schulden aufnehmen könnten. Gefragt wäre dann vermutlich doch wieder die Hilfe der übrigen Euro-Zonen-Länder.

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.