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Chronologie: Die Übernahmeschlacht um Hochtief

Foto: Marcus Brandt/ dpa

Abwehrschlacht Hochtiefs Scheinkampf um die Selbstständigkeit

Die feindliche Übernahme des größten deutschen Baukonzerns durch ACS scheint sich nicht mehr abwenden zu lassen. Öffentlich will Hochtief den Kampf noch nicht aufgeben, doch im Hintergrund stellen sich Management und Belegschaft längst auf die neuen Herren ein.

Hamburg - Offiziell ist für Hochtief noch nichts verloren. Obwohl der spanische Angreifer ACS am Dienstag die Kontrolle über 30 Prozent der Hochtief-Aktien und damit den Erfolg seines Übernahmeangebots meldete, will man in der Essener Konzernzentrale von einer Niederlage nichts wissen.

"Diese Aktien sind nicht im Besitz von ACS , sondern nur zum Umtausch angeboten", betonte ein Hochtief-Sprecher gegenüber manager magazin. Schließlich laufe das Tauschangebot noch zwei Wochen, und anschließend hätten die Aktionäre noch sieben Tage Zeit, von dem Tausch zurückzutreten. Erst Ende Januar wisse man also, ob die Spanier wirklich freie Bahn zur Anteilsmehrheit von Hochtief  haben.

Bis dahin bleibt die Frontstellung also unverändert. Gespräche zwischen den beiden Unternehmen gebe es nach wie vor nicht, erklärt der Firmensprecher. Unversöhnlich gibt sich auch Betriebsratschef Siegfried Müller. "Das Spiel steht jetzt 2:1 für ACS, aber es ist noch nicht abgepfiffen", beharrt er gegenüber manager magazin. Solange die Spanier nicht die Anteilsmehrheit erreichten, kontrollierten sie auch nicht das Unternehmen. Müller räumt, wie schon zu Beginn des Übernahmekampfs, ACS hohe Erfolgschancen ein. "Es sieht viel danach aus, dass ACS gewinnt", gibt er zu. Den Widerstand aufgeben wolle er deshalb aber entgegen den Berichten anderer Medien nicht.

Das Hochtiefhaus am Essener Opernplatz gleicht einer Trutzburg nach viermonatiger Belagerung. Allerdings bröckelt die Bastion. Immer mehr Verteidiger stellen sich pragmatisch auf die neuen Herren ein.

Der im Dezember eingestiegene neue Großaktionär Katar, von manchen in Deutschland als "weißer Ritter" gefeiert, zeigte schnell sein Desinteresse an einer Konfrontation mit ACS. Das Emirat sicherte den Spaniern vertrauensvolle Zusammenarbeit zu und bot an, zwischen den zerstrittenen Parteien zu vermitteln.

Kurz vor Weihnachten scherte auch noch die Gewerkschaft IG Bau aus der Abwehrfront aus und schloss mit ACS ein Abkommen, das im Fall der spanischen Machtübernahme deutsche Arbeitsplätze und Standorte sichern soll. IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel erklärte, "die größte Sorge der Hochtief-Mitarbeiter" sei damit "vom Tisch" - was ihm vom Betriebsrat den Vorwurf des Verrats einbrachte. Doch Wiesehügel meint, viele Hochtiefler wollten ihre Rechte angesichts der neuen Machtverhältnisse lieber durch Kooperation sichern als durch Konfrontation.

Auch der Vorstand richtet sich auf den Erfolg von ACS ein

Selbst der Vorstand unter Herbert Lütkestratkötter, der die Übernahme mit seiner öffentlichen Ablehnung überhaupt erst zu einer feindlichen gemacht hat, nimmt Korrekturen vor. Noch Ende Dezember wurden "alle wichtigen Darlehensverträge der aktuellen Situation angepasst", wie Finanzvorstand Burkhard Lohr der "Börsen-Zeitung" sagte. Die Banken verzichteten auf ihr Sonderkündigungsrecht im Fall eines Kontrollwechsels. Stattdessen sind die Kreditverträge nun daran gebunden, dass Hochtief seine Kasse vor ACS verschließt, beispielsweise keine Sonderdividende ausschüttet.

Vordergründig wirkt das wie eine zusätzliche Schutzmaßnahme, doch bisher hatte der Vorstand gerade mit Verweis auf die alten Change-of-control-Klauseln vor der Übernahme gewarnt: Sobald ACS die Kontrolle übernehme, seien Hochtiefs Kreditlinien in Gefahr. Dieses Argument zieht nun nicht mehr. Genau wie die IG Bau sichert auch der Vorstand ab, dass der Einzug der Spanier über die Bühne gehen kann, ohne das Unternehmen zu gefährden. Den Angriff abzuwehren, ist keine realistische Option mehr.

Nach Ansicht von Experten war er das von vornherein nicht. Wie zu Beginn des Übernahmekampfs vorausgesagt, haben sich alle von Hochtief gezückten Waffen als stumpf erwiesen. Dennoch sehen Aktienrechtler und Analysten diesen aussichtslosen Kampf als sinnvoll an. "Keiner glaubt so richtig, dass der Vorstand wirklich ACS abwehren will", sagt ein Analyst, der nicht genannt werden will. "Damit hätte Hochtief auch nichts gewonnen."

Hochtief habe seine Haut möglichst teuer verkauft - auch im Interesse der Aktionäre. Immerhin besserte ACS sein Tauschangebot von acht auf neun eigene Aktien für einen Hochtief-Anteilsschein auf - nicht viel, aber angesichts der bequemen Ausgangslage für ACS immerhin etwas. Und der Vorstand hat sich für den harten Kampf eine höhere Abfindung verdient.

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