Ex-Parmalat-Chef 18 Jahre Haft für Europas größte Pleite

Der ehemalige Chef des italienischen Lebensmittelkonzerns Parmalat, Calisto Tanzi, ist wegen betrügerischen Bankrotts zu 18 Jahren Haft verurteilt worden. Bei Europas größter Insolvenz waren Ende 2003 Schulden von 14 Milliarden Euro zurückgeblieben.
Calisto Tanzi: Der frühere Parmalat-Chef ist für die Insolvenz verantwortlich, bei der 32.000 Kleinanleger und Investoren geschädigt wurden

Calisto Tanzi: Der frühere Parmalat-Chef ist für die Insolvenz verantwortlich, bei der 32.000 Kleinanleger und Investoren geschädigt wurden

Foto: DANIELE LA MONACA/ REUTERS

Parma - Sieben Jahre nach dem spektakulären Zusammenbruch des Parmalat-Konzerns ist der damalige Chef Calisto Tanzi wegen betrügerischen Bankrotts zu 18 Jahren Haft verurteilt worden. Auch anderen führenden Köpfen des norditalienischen Milchkonzerns hat ein Gericht in Parma Gefängnisstrafen auferlegt. Bei der betrügerischen Insolvenz war 2003 ein Schuldenberg von 14 Milliarden Euro zurückgeblieben, geschädigt wurden 32.000 betrogene Kleinanleger sowie Investoren. Das Gericht hat den Parmalat-Zusammenbruch, einen der größten Finanzskandale weltweit, über 32 Monate lang verhandelt.

"Eine so schwere Strafe habe ich nicht erwartet", so Tanzis erste Reaktion. Die Verurteilten müssen dem erstinstanzlichen Richterspruch zufolge dem neuen Konzern, der nach dem Crash aufgebaut worden ist, zwei Milliarden Euro an Entschädigung zahlen. Den Anlegern sollen sie 5 Prozent des Nominalwerts der Obligationen zahlen, etwa 30 Millionen.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von 20 Jahren für Tanzi verlangt, der die "größte Schuldenfabrik des europäischen Kapitalismus" aufgebaut habe. In dem Verfahren standen insgesamt 17 Angeklagte wegen Bilanzfälschung und des Bankrotts vor Gericht. Es bleiben ihnen wie auch der Staatsanwaltschaft dem italienischen Recht zufolge nach dem Urteil in erster Instanz noch zwei Berufungsetappen.

Für den früheren Großunternehmer und Milchmogul Tanzi ist dies die zweite Verurteilung wegen des Parmalat-Zusammenbruchs, und weitere könnten folgen. Im Mai erst hatte ein Mailänder Berufungsgericht eine zehnjährige Haftstrafe gegen ihn wegen Börsenspekulation bestätigt, sodass dem umtriebigen Geschäftsmann nun noch das Kassationsgericht bleibt, um eine endgültige Gefängnisstrafe in dem Fall abzuwenden. Der findige Unternehmer hatte eine kleine Molkerei zu einem Weltkonzern aufgebaut, und das offensichtlich nicht zuletzt mithilfe eines Korruptionsnetzes.

sk/dpa-afx
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