Schleppender Aktienumtausch Hochtief-Aktionäre boykottieren ACS

Das Übernahmeangebot des spanischen Baukonzerns ACS für den Konkurrenten Hochtief hat in der ersten Woche keine Resonanz bei den Aktionären gefunden. Bis zur Wochenmitte hat kein einziger Hochtief-Aktionär das Aktientauschangebot angenommen - es liegt auch unter dem aktuellen Hochtief-Börsenkurs.
Aktionäre verkaufen nicht unter Kurswert: ACS-Übernahmeangebot erscheint offenbar zu gering

Aktionäre verkaufen nicht unter Kurswert: ACS-Übernahmeangebot erscheint offenbar zu gering

Foto: Roland Weihrauch/ dpa

Essen - Die Hochtief-Aktionäre zeigen dem spanischen Baukonzern ACS die kalte Schulter. Eine Woche nach der Vorlage des feindlichen Übernahmeangebots für Deutschlands größten Baukonzern sei die Offerte für "insgesamt 0 Hochtief-Aktien angenommen worden", teilte der spanische Baukonzern in einer Pflichtmitteilung mit.

Tatsächlich ist das Angebot für die Hochtief-Anteilseigner denkbar unattraktiv. ACS bietet acht eigene Aktien im Tausch für fünf Hochtief-Papiere. Gerechnet nach den Schlusskursen vom Mittwoch entspricht dies 57,52 Euro. An der Börse wurde die Hochtief-Aktie aber gleichzeitig für mehr als 63 Euro gehandelt. Noch bis 29. Dezember können Hochtief-Aktionäre auf das Angebot eingehen.

Gleichzeitig sorgte aber die vereinbarte Beteiligung von Katar an dem Essener Baukonzern für Ärger bei einzelnen Hochtief-Aktionären. Die Investmentfirma Southeastern Asset Management Inc kritisierte die Entscheidung, das Kapital um 10 Prozent zu erhöhen und die neuen Aktien mit erheblichem Abschlag an das Emirat zu verkaufen als "wertvernichtend". Die Verantwortlichen für diese Entscheidung in Vorstand und Aufsichtsrat müssten zurücktreten, forderte Southeastern in einem Offenen Brief mit Datum vom Dienstag an den Aufsichtsratsvorsitzenden des MDax-Konzerns, Detlef Bremkamp.

Katar erhält die neuen Aktien zum Preis von gut 57 Euro und damit mehr als sechs Euro unter dem aktuellen Börsenpreis. Zwar erkaufe sich Hochtief mit dem Geschäft den Zugang zu einem langfristig attraktiven Markt, räumte Southeastern ein. Jedoch habe man gedacht, Hochtief sei in der Lage, aus eigener Kraft für Bauprojekte in dem Wüstenstaat zu bieten.

Southeastern hält nach eigenen Angaben mehr als vier Millionen Hochtief-Aktien und sieht sich als zweitgrößter Hochtief-Aktionär nach dem spanischen Baukonzern ACS. Gleichzeitig ist die Investmentgesellschaft aber auch mit gut 5 Prozent an dem spanischen Baukonzern beteiligt.

Hochtief bestätigte am Donnerstag den Eingang des Schreibens, wollte den Inhalt jedoch nicht kommentieren. Eine ACS-Sprecherin wollte sich ebenfalls nicht äußern. Sie bekräftigte, dass die Strategie von ACS bezüglich Hochtief sowie das Angebot unverändert blieben.

kst/apd/rtr
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