Mittwoch, 19. Juni 2019

Dicke Cashpolster Deutsche Konzerne planen Übernahmewelle

Skyline Frankfurt am Main: Deutschlands Wirtschaft nimmt Fahrt auf

Deutschlands Unternehmen haben Luxusprobleme: Sie schwimmen im Cash. Zeitgleich steigen ihre Aktienkurse derzeit stärker als die der europäischen Konkurrenz. Firmenkäufe stehen auf der Agenda: Eine deutsche Übernahmewelle könnte über Europa schwappen.

Hamburg - Der deutsche Chemieriese BASF Börsen-Chart zeigen hat sich entschieden: für den Kauf des Spezialchemieanbieters Cognis aus Monheim bei Düsseldorf. 700 Millionen Euro zahlen die Ludwigshafener dafür. Nettofinanzschulden und Pensionsverpflichtungen eingeschlossen, ist der Neuerwerb sogar 3,1 Milliarden Euro schwer.

Probleme aber bereitet das der BASF nicht. Nach einem der besten Firmenergebnisse ihrer Geschichte kann das Chemieunternehmen den Preis für den Zukauf locker aus der Portokasse an die bisherigen Eigentümer überweisen, den Private Equity Gesellschaften Permira Fonds, Goldman Sachs Capital Partners und SV Life Sciences.

Solche Kunststückchen kann mittlerweile nicht nur der Ludwigshafener Kraftprotz BASF aufführen. Deutschlands Großkonzerne können derzeit eine deutlich steigende Finanzkraft vorweisen. Selten zuvor sogar hatten deutsche Unternehmen einen so großen Spielraum für Zukäufe wie derzeit. Und selten übertraf der eigene Finanzrahmen für strategische Zukäufe auch noch die finanziellen Möglichkeiten wichtiger europäischer Konkurrenten so deutlich, wie es derzeit der Fall ist.

Dass ein Großteil der deutschen Unternehmen aktuell über einen ungewöhnlich hohen Cashflow verfügt, belegt beispielsweise die Analyse des Finanzdatenspezialisten Factset, der die Neunmonatsergebnisse der 600 größten europäischen Unternehmen samt der Prognosen für die kommenden Monate analysiert hat.

Danach steigerten Deutschlands Firmen ihre Nettogewinne im laufenden Jahr im Schnitt nicht nur um beeindruckende 42 Prozent gegenüber 2009. Sie überflügelten damit auch ihre europäischen Konkurrenten: Frankreichs Unternehmen etwa kamen im Vergleichszeitraum gerade einmal auf ein Gewinnplus von durchschnittlich 18 Prozent. Und griechischen Unternehmen droht aufgrund des harten Sparkurses des südeuropäischen Staates gar ein Gewinneinbruch von 40 Prozent.

2011 könnte ein Jahr der Übernahmen werden

Sicher, solche Daten bedeuten nicht automatisch, dass eine Armada kaufwütiger deutscher Manager sich auf ausländische Firmen stürzt. Und mit Sicherheit werden auch in den kommenden Monaten viele ausländische Firmen versuchen, in Deutschland Unternehmen zu übernehmen - so, wie beispielsweise die spanische ACS den deutschen Baukonzern Hochtief Börsen-Chart zeigen erwerben möchte.

Doch die Gewinnschere zeigt, welche finanziellen Möglichkeiten deutsche Firmen im europäischen Vergleich derzeit haben. Und diese Schere scheint noch weiter aufzugehen: Mindestens 20 der befragten 59 deutschen Unternehmen haben angegeben, dass sie ihre Gewinne in 2010 gegenüber dem Vorjahr sogar mehr als verdoppeln würden. Wohlgemerkt: die Rede ist vom Free Cashflow, also von Gewinnen nach Steuern. Und wer viel hat, der kann damit auch wuchern.

"2011 wird insgesamt das Jahr der Fusionen und Übernahmen, Aktienrückkäufe und Dividendenerhöhungen", sagt etwa Claudia Panseri, Leiterin Aktienstrategie der französischen Großbank Société Générale. Deutschlands Unternehmen allerdings dürften sich insbesondere für die Übernahmevariante entscheiden - wohl kaum zur Freude ihrer Konkurrenten.

Deutsche Konzerne können sich Kurspflege per Aktienrückkauf sparen

Während die Konkurrenz insbesondere in Übersee, aber auch vielfach in den europäischen Nachbarländern, ein Aktienrückkaufprogramm nach dem anderen starten, können sich viele hiesige Unternehmen solche Kurspflege derzeit sparen. Ihr Aktienkurs steigt bei dem bemerkenswerten aktuellen Gewinnwachstum ohnehin. Anleger beobachten das derzeit täglich beim vergleichenden Blick auf die führenden europäischen Aktienindizes: Wohin man auch schaut in Europa, die deutschen Aktien hängen zurzeit so gut wie alle anderen ab.

Während Deutschlands Aktienleitbarometer, der Dax, mehr als 12 Prozent seit Ende August zugelegt hat, kommen die wichtigsten Indizes in den anderen europäischen Börsenmetropolen weit weniger schnell vom Fleck. Der FTSE 100 etwa, Leitindex in London, kam im gleichen Zeitraum auf ein Plus von gut 5 Prozent, der CAC 40 in Paris legte lediglich 1,3 Prozent zu und der EuroStoxx 50 gar nur 0,2 Prozent.

Damit können sich viele hiesige Unternehmen die kostspielige Kurspflegen sparen - und stattdessen Pflöcke für die Zukunft einschlagen. "Aktuell ist es wahrscheinlicher, dass die deutschen Unternehmen ihr Geld für Zukäufe ausgeben", sagt dann auch Markus Wallner, Aktienstratege der Commerzbank.

Die Pläne dafür liegen offenbar schon in den Schubladen der Konzerne - wenn man einer Umfrage von UBS und Boston Consulting Glauben schenkt.

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