Samstag, 19. Oktober 2019

Vorwurf Geheimnisverrat Bankenstreit in Hamburg

Tatort Hamburg: Die Finanzhäuser Wölbern und Berenberg streiten miteinander

Vor Jahresfrist eskalierte mit einer Razzia bei der Hamburger Privatbank Berenberg ein Streit zwischen dem Institut und dem örtlichen Konkurrenten Wölbern. Letzterer erhebt seitdem Vorwürfe des Geheimnisverrats und fordert Schadensersatz in Millionenhöhe. Inzwischen gibt es erste Urteile.

Hamburg - Einen Punktsieg erzielte zum Beispiel Achim von Q. vor dem Arbeitsgericht Hamburg gegen Wölbern Invest. Bei dem Unternehmen war von Q. früher selbst tätig. 2009 wechselte er jedoch gemeinsam mit einem weiteren Manager und anderen Mitarbeitern zur Berenberg Bank, in deren neu gegründeter Tochter Berenberg Invest das Team das Geschäft mit geschlossenen Immobilienfonds aufbauen sollte.

Im Dezember 2009 rückten dann Polizei und Staatsanwaltschaft bei Berenberg an. Wölbern hatte Anzeige erstattet, weil angeblich Kundendateien und Kalkulationsdaten mitgenommen worden waren. Die Ermittlungen dauern bis heute an.

Von Q. jedoch klagte seinerseits gegen Wölbern auf Zahlung ausstehender Gehälter - und bekam jetzt recht. Gleichzeitig entschied das Gericht über eine Widerklage von Wölbern. In der Begründung des Urteils (Gz. 7 Ca 301/09) heißt es, Wölbern habe mit den vorgelegten Beweismitteln nicht darzulegen vermocht, dass der behauptete Geheimnisverrat von Herrn von Q. zu verantworten war oder er zumindest mit dessen Wissen erfolgte. Die von Wölbern gemachten Ansprüche seien daher nicht begründet gewesen.

Wölbern fordert 8,5 Millionen Euro Schadensersatz

Happy End für Berenberg also sowie für die des Geheimnisverrats beschuldigten Manager? Noch nicht. Zum einen ist der Urteilsspruch noch nicht rechtskräftig. Thomas Kühl, Generalbevollmächtigter der Wölbern Invest KG, kündigte gegenüber manager magazin bereits an, umgehend Berufung einlegen zu wollen, da das Urteil falsch sei.

Zum anderen werden laut Kühl nicht weniger als 14 weitere Verfahren in diesem Konflikt geführt, und zwar gegen die beteiligten Manager, gegen die Berenberg Bank sowie gegen die KVG Binnenalster Invest AG, zu der die Berenberg Invest inzwischen umfirmiert wurde.

Insgesamt 8,5 Millionen Euro Schadensersatz fordert Wölbern, für entgangene Gewinne und entstandene Aufwendungen. Bei Berenberg weist man das Ansinnen zurück: Man sehe keinerlei Ansätze für Schadenersatzansprüche, sagt ein Sprecher zu manager magazin. Die KVG Binnenalster Invest AG sei inzwischen so gut wie abgewickelt.

Doch erledigt ist der Fall auch für Berenberg noch lange nicht. Die Bank ihrerseits, so der Sprecher, ist ebenfalls aktiv geworden. Im Sommer wurde eine so genannte negative Feststellungsklage eingereicht. So will das Institut einen Richterspruch erreichen, nach dem die Schadenersatzpflicht nicht besteht.

Diese Entscheidung steht noch aus. Eine weitere gibt es aber bereits: Im Sommer urteilte das Landgericht Hamburg, dass die KVG Binnenalster AG eine Datenbank von Wölbern Invest mit mehreren tausend Datensätzen nicht verwenden darf (Az. 312 O 251/10). Die Datenbank wurde offenbar im Dezember 2009 bei der Razzia sichergestellt.

Einige Richtersprüche also gibt es bereits. Und viele weitere offene Verfahren. Die Justiz wird noch viel zu tun haben im Hamburger Bankenstreit.

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