Onlinehändler Amazon muss auf Weihnachtsgeschäft hoffen

Kurz vorm großen Fest gibt Amazon Gas: Mit satten Rabatten und viel Werbung treibt der weltgrößte Onlinehändler seinen Umsatz in die Höhe. Der Gewinn allerdings lässt zu wünschen übrig. Enttäuscht das Weihnachtsgeschäft, droht sogar der Absturz in die roten Zahlen.    
Reizvolle Präsentation: Mit viel Werbung und Rabatten versucht Amazon den Umsatz zu steigern

Reizvolle Präsentation: Mit viel Werbung und Rabatten versucht Amazon den Umsatz zu steigern

Foto: OBS

Hamburg - Onlinehändler Amazon puscht sein Geschäft. Um die Menschen zum Einkaufen zu bewegen, räumt der weltgrößte Einzelhändler satte Rabatte ein, gibt Millionen für Werbung aus und investiert kräftig in seine Auslieferungszentren. Das sorgt zwar für ein enormes Wachstum, aber nagt an den Gewinnen. Am Donnerstag, nach Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal, rutschte der Kurs der Aktie um fast 4 Prozent ab.

Der Umsatz legte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 39 Prozent auf 7,6 Milliarden Dollar zu, der Gewinn hinkte dem hinterher mit einem Plus von 16 Prozent auf unterm Strich 231 Millionen Dollar. Am Ende des laufenden Quartals, in das das wichtige Weihnachtsgeschäft fällt, könnte, wenn es ganz schlimm kommt, sogar ein Gewinnrückgang stehen.

"Wir haben dieses Jahr zu Weihnachten die besten Preise, die größte Auswahl, die vollsten Lager und die schnellste Belieferung in unserer Geschichte", brüstete sich Gründer und Unternehmenschef Jeff Bezos. Dabei hätte er wissen müssen, dass derlei Sätze bei den Anlegern schlecht ankommen, wenngleich die Kunden sich sicherlich freuen werden.

Aktionäre strafen Amazon ab

Bereits im vorangegangenen Quartal hatten die Aktionäre Amazon  dafür abgestraft, dass der Händler in seinem Wachstumsdrang die Kosten aus den Augen verloren hatte. Die Aktie war am Tag der Zahlenvorlage noch drastischer als jetzt eingebrochen; Beobachter sprachen damals von einem "Schlachtfest".

Unter anderem bietet Amazon die neueste Variante seines Verkaufsschlagers "Kindle" je nach Ausführung um rund ein Viertel billiger an als den Vorgänger, obwohl das Gerät leistungsfähiger ist. Der "Kindle" ist Amazons Lesegerät für elektronische Bücher und ab 139 Dollar plus Steuern zu haben. Die sogenannten E-Books wachsen weiter rasant.

Der Grund für den agressiven Preis liegt in der starken Konkurrenz durch Apples Tablet-Computer "iPad" und das Lesegerät "nook" der führenden US-Buchhandelskette Barnes & Noble. Erst am Donnerstag wurde bekannt, dass sich der Buchhändler mit dem Discountriesen Wal- Mart verbündet hat und dieser auch bald den "nook" anbietet. Die zweite große US-Buchhandelskette Borders greift zusätzlich mit dem "Kobo" zum Kampfpreis von 129,99 Dollar an.

Auch bei Elektronikartikeln vom Fernseher bis zum Staubsauger dreht Amazon an der Preisschraube. Damit macht Amazon mittlerweile mehr Geld als mit Büchern, CDs und DVDs. Schärfster Rivale ist hier der Online-Marktplatz Ebay . Nicht zuletzt durch die satten Rabatte war Amazon dem Konkurrenten ein ums andere Mal davongezogen. Um magere 3 Prozent war Ebays Marktplatz im vergangenen Quartal gewachsen./

cr/dpa-afx
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