Ausschreibung Alstom klagt gegen Siemens-Züge für Eurotunnel

Nächste Runde im Kampf um den lukrativen Auftrag für zehn Eurostar-Züge: Der französische Siemens-Rivale Alstom verklagt den Eurotunnel-Betreiber vor dem britischen Gerichtshof. Die Ausschreibung sei rechtswidrig gewesen, die Sicherheit gefährdet.
ICE-3-Zug in London: Bizarre Begründung für die Klage

ICE-3-Zug in London: Bizarre Begründung für die Klage

Foto: BEN STANSALL/ AFP

Paris/München - Für die französische Industrie geht es nicht nur um einen Millionenauftrag, sondern auch um die Ehre: Seit der Eurotunnel-Betreiber Eurostar angekündigt hatte, zehn neue Züge im Wert von rund 600 Millionen Euro bei Siemens bestellen zu wollen, herrscht in der Regierung in Paris und beim ehemals staatlichen Alstom-Konzern helle Aufregung. Nun hat Alstom bei einem britischen Gerichtshof Klage eingereicht, um zu verhindern, dass der Münchner Erzrivale das Geschäft an Land zieht.

Alstom zieht mit der gleichen Argumentation vor Gericht, mit der der französische Verkehrsstaatssekretär Dominique Bussereau gegen die Eurostar-Entscheidung zu Felde zieht: Angesichts der derzeitigen Sicherheitsregeln für den Kanaltunnel zwischen Frankreich und England sei der Vertrag "null und nichtig", schimpfte Bussereau. Bereits die Ausschreibung sei rechtswidrig gewesen, argumentiert der Konzern. In ihr sei es um Züge gegangen, die nach geltenden Bestimmungen gar nicht durch die 50 Kilometer langen Röhren fahren dürften.

Bizarre Begründung der Klage

Dagegen erklärte ein Sprecher des Münchner Konzerns: "Die Klage richtet sich nicht gegen Siemens." Man habe in einem transparenten Ausschreibungsverfahren nach europäischem Recht ein Angebot abgegeben, das vom Kunden als das bessere bewertet worden sei und habe daher den Zuschlag erhalten. "Die zuständigen Gerichte werden nun bewerten, ob das Verfahren und die Entscheidung zugunsten von Siemens  fehlerfrei waren. Wir sind zuversichtlich, dass dies der Fall ist", hieß es seitens Siemens.

Das Unternehmen Alstom ist dafür bekannt, dass es nach verlorenen Ausschreibungen gern seine Hausjuristen einschaltet. In diesem Fall ist der Gang auf dem Rechtsweg allerdings besonders bizarr, da Alstom  sich selbst mit einem Zug an der Ausschreibung beteiligte, der einen Teil der derzeitigen Sicherheitsbestimmungen für den Kanaltunnel nicht erfüllt. Die Züge für je 900 Passagiere sollen die bestehende Flotte ergänzen und bis zu 320 Kilometer pro Stunde schnell sein.

Erste Probefahrten geglückt

Dass Alstom das Verfahren gewinnen kann, ist nach Ansicht der Bahngesellschaft Eurostar höchst unwahrscheinlich. Die Sicherheitsbestimmungen für den Tunnel werden derzeit überarbeitet. Danach soll nichts mehr gegen den Einsatz neuer Hochgeschwindigkeitszüge stehen.

Derzeit fahren für den Personenverkehr nur TGV-Züge von Alstom durch den Tunnel. Die ICE-3-Züge sind im Unterschied zu den TGV-Zügen aus zwei Zugteilen zusammengesetzt. Sie haben eine Spitzengeschwindigkeit von 320 Kilometern pro Stunde und sind damit etwas schneller als die TGVs. Am Dienstag war ein ICE 3 zum ersten Mal bis nach London gefahren. Die Deutsche Bahn will von 2013 an eine regelmäßige Verbindung nach London anbieten, möglicherweise auf der Strecke Köln-Brüssel-London.

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