Freitag, 19. Juli 2019

Hochtief Dr. Lü im Schützengraben

In der Defensive: Hochtief-Chef Lütkestratkötter wehrt sich gegen die Angriffe von ACS

Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter kämpft einen scheinbar aussichtslosen Kampf. Zusammen mit Aufsichtsräten, Beratern und Beschäftigten will er den größten deutschen Baukonzern gegen die Angriffe des spanischen Konkurrenten ACS verteidigen. Gelingt ihm das Wunder, Real-Madrid-Präsident Florentino Pérez auszukontern?

Hamburg - Wenn die Aufsichtsräte des Baukonzerns Hochtief am kommenden Montag in Essen Strategien gegen den Angriff des spanischen Konkurrenten ACS debattieren, ist das Gremium zutiefst gespalten. Die beiden ACS-Vertreter im Kontrollgremium, Ángel García Altozano und Marcelino Fernández Verdes, dürfen bei den entscheidenden Fragen nicht mitreden. Im Ad-hoc-Ausschuss, einer Art schnellen Eingreiftruppe, bleiben die Deutschen unter sich.

Die Schlacht um Hochtief Börsen-Chart zeigen hat begonnen. Zusammen mit Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter, im Unternehmen meist nur "Dr. Lü" genannt, kämpft die Mehrheit der Kontrolleure für die Eigenständigkeit des größten deutschen Bauunternehmens. Heute wurde bekannt, dass sich die Aufsichtsräte des Unternehmens schon am kommenden Montag zu einer außerordentlichen Sitzung treffen, um über das vom Vorstand als nicht willkommen eingestufte Kaufangebot des Großaktionärs ACS zu diskutieren.

Allein, die Chancen stehen nicht eben gut, dass die Lenker des nordrhein-westfälischen Konzerns die Spanier unter der Führung von Real-Madrid-Präsident Florentino Pérez von ihrem Vorhaben abhalten können, die Anteile von gegenwärtig gut 30 auf mehr als 50 Prozent auszubauen.

Hochtief ist niedrig bewertet

Auf den ersten Blick kann das ACS-Angebot in seiner bisher lancierten Form die Hochtief-Aktionäre zwar kaum beeindrucken. Die Aktientausch-Offerte bewertet Hochtief mit 55,68 Euro je Aktie unter seinem gegenwärtigen Kurs.

Interessiert zeigen sich nur einige spanische Aktionäre, vielleicht macht aus strategischen Gründen auch die US-amerikanische Fondsgesellschaft Southeastern Asset Management mit, die sowohl an ACS als auch an Hochtief mit gut 5 Prozent beteiligt ist.

Doch was soll Hochtief dagegen tun, wenn ACS nach Ablauf der Annahmefrist im kommenden Jahr einfach weiter Aktien kauft? In Wahrheit dürfte Hochtief für ACS ohnehin einen wesentlich größeren Wert haben, als es das Angebot ausdrückt. "Preise unter 74 Euro für Hochtief-Aktien sind für ACS Kaufkurse", meint Analyst Marc Gabriel. Zu jenem Preis hatte ACS den Großteil seiner Hochtief-Beteiligung einst erworben. Für gerade einmal 900 Millionen Euro könnte ACS nun seinen Anteil auf über 50 Prozent schrauben. "Das zu stemmen sollte möglich sein", sagt Gabriel.

Offiziell darf Hochtief noch keine wesentlichen Schritte unternehmen, die das Vorhaben der Spanier konterkarieren - sich etwa aktiv um einen ohnehin kaum zu findenden "Weißen Ritter" bemühen oder seinerseits zu Abwehrzwecken auf Firmenschau gehen. Hochtief muss daher vor allem eines tun: Den Kurs der eigenen Aktie in die Höhe treiben. Es ist wohl kaum ein Zufall, dass Lütkestratkötter zahlreiche Großaufträge verkündete, nachdem ACS sich aus der Deckung wagte. Eine Vortragsserie des Vorstandschefs vor Investoren passt dazu ebenfalls.

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