Landesbanken BayernLB und WestLB prüfen Fusion

Bayern stößt einen neuen Versuch zum Zusammenschluss von Landesbanken an. Die Bayerische Landesbank und die nordrhein-westfälische WestLB wollen bis zum Jahresende eine mögliche Fusion ausloten. Bundesregierung und Europäische Kommission machen Druck für eine Neuordnung des öffentlich-rechtlichen Lagers.
Neuer Schwung: In die Fusionsgespräche der deutschen Landesbanken kommt Bewegung

Neuer Schwung: In die Fusionsgespräche der deutschen Landesbanken kommt Bewegung

Foto: [m] DPA; mm.de

München/Düsseldorf - Die Bayerische Landesbank (BayernLB) und die WestLB prüfen eine Fusion. Ziel sei die Schaffung einer gemeinsamen Universalbank mit einer starken Verankerung in der Sparkassenorganisation, teilten die beiden Landesbanken am Montag in München und Düsseldorf mit. Ergebnisse sollen bis Jahresende vorliegen.

Die Aufsichtsgremien beider Institute sind damit bereits befasst, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Banken- und Regierungskreisen. Die Initiative geht von den Bayern aus.

Aus Kreisen des BayernLB-Verwaltungsrates verlautete, in Kürze solle es direkte Gespräche geben. Einen Termin gebe es aber noch nicht. Der Anstoß für die Überlegungen komme vom BayernLB-Vorstand. Die Gespräche würden "ergebnisoffen" geführt. Eine Fusion zwischen den beiden Instituten sei "eine der prüfungswürdigen Zukunftsoptionen", hieß es. In Düsseldorf sollte am Montag der Aufsichtsrat der WestLB zusammentreffen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte kürzlich den Druck auf die Länder erhöht, sich nicht länger gegen eine Neuordnung bei den Landesbanken zu sperren. Am Dienstag nächster Woche (28. September) soll es ein Spitzentreffen von Schäuble mit den zuständigen Ministerpräsidenten und den Sparkassen geben.

Nach dpa-Informationen gibt es dabei noch keine Festlegung auf bestimmte Fusionsmodelle. Verschiedene Varianten unter den acht Landesbanken seien denkbar, hieß es. Vier Institute mussten in der Finanzkrise mit milliardenschweren Staatshilfen gestützt werden. Der Handlungsbedarf bei den Landesbanken hat sich auch durch die kürzlich beschlossenen schärferen "Basel III"-Eigenkapitalregeln erhöht.

Verkauf der WestLB startet in wenigen Tagen

In wenigen Tagen startet der Verkauf der WestLB. Das nordrhein-westfälische Institut muss nach den EU-Auflagen mehrheitlich bis Ende 2011 neue Eigentümer bekommen. Alternativ dazu ist eine Fusion der WestLB mit einer anderen Landesbank möglich, wie mit der BayernLB.

Diese Variante hat für die WestLB-Eigentümer Priorität. Das sind das Land Nordrhein-Westfalen und die rund 100 Sparkassen in NRW. Allerdings hatten sie seit längerem vergeblich nach einem Partner für die WestLB unter den Landesbanken Ausschau gehalten. Die Verkaufsanzeige für die WestLB soll unabhängig von den Gesprächen über eine Fusion in den nächsten Tagen geschaltet werden.

Die WestLB ist die erste Bank in Deutschland, die umfangreiche Aktivitäten in eine "Bad Bank" ausgelagert hat. Der Düsseldorfer Bankkonzern hat riskante und nicht mehr zum Kerngeschäft gehörende Papiere im Volumen von 77 Milliarden Euro in eine Abwicklungsanstalt ausgelagert.

Der Bund hat die Aufspaltung und Rettung der WestLB mit einer Kapitalspritze von insgesamt drei Milliarden Euro unterstützt, die als stille Einlage in die verbleibende WestLB-Kernbank geflossen ist. Die WestLB ist die einzige Landesbank, in die der Bund direkt einstieg. Er ist mit zwei Frauen im Kontrollgremium der WestLB AG vertreten.

Die BayernLB gehört zu den deutschen Banken, die am tiefsten in den Strudel der Finanzkrise gerissen wurden. Nach Fehlspekulationen auf dem US-Hypothekenmarkt geriet sie in Schieflage und musste mit zehn Milliarden Euro Steuergeld vom Freistaat gestützt werden. Besonders lastete das Desaster bei der in Österreich übernommenen Hypo Alpe Adria auf der BayernLB.

ak/dapd/dpa-afx
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