Übernahme Bertelsmann baut Musiksparte aus

Bertelsmann setzt seine Einkaufstour im Musikgeschäft fort. Mit dem Kauf des US-Unternehmens Evergreen Copyright Acquisitions sicherte sich der Gütersloher Medienriese nach eigenen Angaben die Rechte an weiteren 65.000 Musiktiteln.
Eric Clapton: Auch die Rechte an seinem Song "Cocaine" gehen nun an Bertelsmann

Eric Clapton: Auch die Rechte an seinem Song "Cocaine" gehen nun an Bertelsmann

Foto: Uwe Anspach/ picture-alliance/ dpa

Gütersloh - Deutschlands größter Medienkonzern Bertelsmann will im Musikgeschäft wieder zum Global Player werden. Mit dem Kauf des US-Unternehmens Evergreen Copyright Acquisitions sicherte sich der Gütersloher Medienriese nach eigenen Angaben die Rechte an weiteren 65.000 Musiktiteln, darunter Welthits wie der durch Eric Clapton berühmt gewordene JJ-Cale-Song "Cocaine" und Joe Cockers "You Are So Beautiful".

Für das vom Finanzinvestor KKR  und Bertelsmann gemeinsam betriebene Joint Venture BMG Rights Management ist es bereits die vierte größere Akquisition in diesem Jahr. BMG-Chef Hartwig Masuch betonte: "Mit diesem Zukauf erreicht BMG erneut einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg, ein führender Spieler im internationalen Musikrechtemarkt zu werden." Insgesamt halte BMG nunmehr die Rechte an über 200.000 Kompositionen und Aufnahmen. Das Portfolio der vertretenen Künstler reicht von Elvis Presley über Take That bis zu den Black Eyed Peas, und auch deutsche Künstler wie die Scorpions oder 2raumwohnung sind dabei.

Mit BMG drängt Bertelsman seit einiger Zeit zurück ins globale Musikgeschäft. Erst im Juli hatte sich das Unternehmen das Sagen beim britischen Musikverlag Stage Three Music gesichert, der unter anderem die Rechte an zahlreichen Kompositionen von Künstlern wie Aerosmith, The Eagles, Eminem, Eric Clapton und Mike Oldfield hält. Zuvor hatte BMG bereits den US-amerikanischen Musikverlag Cherry Lane übernommen, der unter anderem die Rechte an Elvis-Songs und an den Filmmusiken zu Erfolgsstreifen wie "Shrek" oder "Inglourious Basterds" hält. Außerdem sicherte sich sich das Unternehmen den Musikkatalog Adage IV mit Rechten an 500 Titeln von Musikern wie Ray Charles, Joni Mitchell, Joe Cocker und den Beach Boys.

Neuanfang mit Rückenwind

Die Musiksparte von Bertelsmann erlebt damit so etwas wie eine Wiedergeburt. Der Medienriese hatte sich in den vergangenen Jahren zunächst weitgehend von seinen Musikbereichen getrennt. Erst verkaufte das Familienunternehmen 2006 für mehr als 1,6 Milliarden Euro seinen Musikverlag BMG Music Publishing an den Konkurrenten Vivendi. Danach trennte es sich auch von seiner 50-prozentigen Beteiligung am zweitgrößten Musikkonzern der Welt, Sony BMG.

Bei dem Neustart macht der Konzern nun einen Bogen um das kriselnde Geschäft mit dem CD-Verkauf und konzentriert sich ganz auf den Handel mit Musikrechten. Während das klassische Geschäft mit CDs derzeit massiv unter der Konkurrenz von Musik-Downloads im Internet leidet, gilt der Rechtehandel bislang als krisenfest. Hier geht es etwa um Einnahmen aus der Ausstrahlung von Musikstücken oder ihrer Aufführung bei Live-Konzerten sowie deren Verwendung in Filmen, Fernsehstücken oder Werbeproduktionen.

Bei seinem Comeback profitiert der Konzern davon, dass nach der Finanzkrise die Preise für Musikrechte spürbar gefallen sind. Da Bertelsmann selbst zuletzt bei den Investitionen knausern musste, holte sich das Familienunternehmen im vergangenen Jahr den Finanzinvestor KKR mit an Bord. Als dritter Partner gesellt sich nun der bisherige Evergreen-Miteigentümer Trilantic Capital Parnters zu den beiden bisherigen BMG-Gesellschaftern. Trilantic werde einen Teil des Kaufpreises in den Erwerb eine einstelligen Anteils an BMG reinvestieren, teilte BMG mit.

sk/ddp
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