Luxusboom Schlange stehen fürs Louis-Vuitton-Täschchen

Von beschaulicher Ruhe und individueller Beratung kann zurzeit in den Läden der Luxusmarke Louis Vuitton keine Rede sein. Im Gegenteil, die Kunden warten Stunden, um ihr Objekt der Begierde erstehen zu können. Um fürs Weihnachtsgeschäft noch genügend Ware zu haben, verkürzt das Unternehmen jetzt die Geschäftszeiten.

Paris - Die Manager der Luxusmarke Louis Vuitton wissen im Moment wahrscheinlich nicht, ob sie sich eher die Haare raufen oder freuen sollen. Die Kunden drängen sich in den Vuitton-Geschäften in Frankreich und kaufen so viele Handtaschen, Lederkoffer und Gürtel wie nie - doch jetzt kommt die Produktion nicht mehr hinterher und die Lager der Kultmarke leeren sich beängstigend. In einem einmaligen Schritt hat der Konzern nun die Notbremse gezogen: "Wir schließen hier um 19 Uhr statt um 20 Uhr, in den anderen Pariser Läden um 18 Uhr statt um 19 Uhr", erzählt eine Verkäuferin im weltweit größten Vuitton-Geschäft auf der Pariser Prachtmeile Champs-Elysées. Denn für das Weihnachtsgeschäft soll noch genug übrig bleiben.

Die Arbeit in den elf französischen Werkstätten von Vuitton, die praktisch die gesamte Kollektion herstellen, läuft zwar auf Hochtouren. Binnen eines Jahres wurden 320 Lederwarenhersteller zusätzlich eingestellt und 2011 soll eine zwölfte Produktionsstätte eröffnet werden. Aber dass der Verkauf der Luxusartikel so boomen würde, damit hatte die Geschäftsleitung doch nicht gerechnet. Allein im ersten Halbjahr explodierte der Gewinn des weltweit agierenden Luxuskonzerns LVMH um 53 Prozent, vor allem wegen des Erfolgs der Vuitton-Markentaschen. Neben Vuitton gehören zu LVMH rund 60 Marken wie die Modelabels Kenzo und Givenchy oder die Champagnermarke Moët & Chandon.

"Ich liebe Vuitton seit 30 Jahren, das sind Produkte, die nie veralten. Und da der Euro im Vergleich zum Yen schwach ist, lohnt sich der Kauf", sagte Yukie, eine Japanerin aus Yokohama, die mit ihrer Tochter und zwei Freunden zu dem Luxus-Geschäft auf den Champs-Elysées gekommen ist. Viele Asiaten kaufen dort ein, aber auch Touristen aus arabischen Ländern, den USA oder Osteuropa. Einen "Heißhunger" bei Paris-Besuchern nach Shoppingtouren nach den mageren Krisenjahren stellt Thomas Deschamps von der Wirtschaftsstelle für Tourismus in der französischen Hauptstadt fest. Der schwierige Krisensommer 2009 ist überwunden, ausländische Touristen insbesondere aus aufstrebenden Ländern wie China kommen wieder in Scharen nach Paris.

Rationierung soll Lagerbestände sichern

Die Preise für Vuitton-Produkte sind im Ursprungsland oft niedriger als im Ausland, dazu kommt der Wunsch nach einem Souvenir aus Paris und die Steuererleichterung für Nicht-EU-Bürger bei Einkäufen über 175 Euro. "Zwei Geldbeutel für 900 Euro: Das ist viel billiger hier!", freut sich ein 30-Jähriger aus Singapur. "Ich habe eine Tasche für 800 Euro gekauft, in China hätte ich bestimmt das Doppelte bezahlt", lächelt eine junge Chinesin. Und eine ägyptische Touristin fügt hinzu: "Die Taschen sind der letzte Schrei in Kairo, aber vor Ort bekommt man keine mehr."

Dabei hatte für Louis Vuitton alles ganz bescheiden angefangen: Der Koffermacher suchte 1854 in Paris sein Glück und gründete ein kleines Geschäft. Innerhalb weniger Jahre wurde daraus eine Erfolgsgeschichte: Die Entwürfe der Schachbrettmuster und des Monogrammdesigns, die die heiß begehrten Handtaschen oder Reisekoffer noch heute zieren, stammen von 1886 und 1896. Dennoch ist Vuitton alles andere als altbacken. Prominente und trendige Designer gestalten die Kollektion mit. Seit den 90er Jahren gibt es auch Prêt-à-porter und Schuhe, seit 2002 werden Uhren entworfen und seit 2004 gibt es auch Vuitton-Schmuck. Rückgrat des Geschäfts bleiben allerdings die Lederwaren.

Wegen der übergroßen Nachfrage werden die Vuitton-Geschäfte in Frankreich nun aber bis Ende November eine Stunde früher geschlossen - außer in den großen Kaufhäusern. Die Kunden wird dies nicht schockieren, gibt es für die Luxusprodukte doch schon längst eine Art "Rationierung", um die Lagerbestände zu sichern und Wiederverkäufer zu stoppen. Manche Touristen auf den Champs-Elysée sprechen deshalb Passanten an, ob sie nicht für sie noch rasch eine oder zwei Taschen kaufen könnten - natürlich gegen Entgelt.

sk/afp
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