Verlustwarnung unterdrückt Bericht belastet HSH-Vorstände

HSH-Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher und Vorstandskollege Martin van Gemmeren geraten zusätzlich unter Druck. In der Führung der Bank ist nach einem Rundfunkbericht eine Warnung über drohende Millionenverluste möglicherweise wochenlang nicht weitergegeben worden. Nun droht eine Sonderprüfung der Bankenaufsicht Bafin.
Unter Druck: HSH-Chef Nonnenmacher (l.), Aufsichtsratschef Kopper

Unter Druck: HSH-Chef Nonnenmacher (l.), Aufsichtsratschef Kopper

Foto: Maurizio Gambarini/ picture-alliance/ dpa

Hamburg - Ein Londoner Mitarbeiter habe im Herbst 2008 eine E-Mail an die Zentrale in Hamburg geschickt und vor einem der riskanten Omega-Geschäfte, das damals mit 260 Millionen Euro im Minus stand, gewarnt, berichtet der Sender NDR Info. Die Mail endete mit dem Satz: "Was machen wir nun damit? Ich brauche Hilfe."

Es sei unklar, warum der damalige Finanzvorstand und heutige HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher und sein jetziger Vorstandskollege Martin van Gemmeren die Informationen nicht an den damaligen Vorstand weitergeben hätten, so NDR Info. Der damalige HSH-Vorstandsvorsitzende Hans Berger habe davon erst drei Wochen später erfahren, nachdem er auf einer Pressekonferenz deutlich positivere Zahlen präsentiert hatte. Wenige Tage später zog die Bank die Gewinnprognose zurück, Berger räumte seinen Posten.

Van Gemmeren bestritt die Meldung am Montag. Er habe die genannte E-Mail nicht erhalten, sagte er vor dem Untersuchungsausschuss des schleswig-holsteinischen Landtags. Er sagte, er habe erst am 3. November durch ein Memo von den drohenden Wertberichtigungen der Omega-Geschäfte erfahren. "Da haben bei mir alle Alarmglocken geschrillt." Nach Durchlesen des Papiers habe man gewusst, "was die Stunde geschlagen hat". Er habe umgehend um ein Gespräch mit Nonnenmacher gebeten.

Dem NDR zufolge schließen mehrere an dem Geschäft Beteiligte aus, dass Nonnenmacher wochenlang nichts von den Warnungen gewusst habe. Als damaliger Finanzvorstand sei er auch für das sogenannte Group Risk Management zuständig gewesen, das den Notruf ausgesandt habe. Chef dieser Abteilung war damals van Gemmeren.

Eine Sprecherin der HSH Nordbank sagte NDR Info, die verlustreichen Omega-Geschäfte seien zunächst auf der Arbeitsebene diskutiert worden. Es sei lange unklar gewesen, wie die Bank die Transaktionen verbuchen solle. Nach Klärung dieser Frage seien die Gremien umgehend informiert worden.

Die Bank und ihr Chef Nonnenmacher stehen seit Wochen durch Spitzel- und Intrigenvorwürfe unter Druck. Politiker hatten eine rasche Aufklärung gefordert. Wie das "Handelsblatt" am Montag berichtet, hat die Bankenaufsicht Bafin eine Sonderprüfung eingeleitet, um sich selbst ein Bild von den Arbeitsabläufen der Konzernsicherheit zu machen. Zudem wachse in Eignerkreisen der Unmut über Aufsichtsratschef Hilmar Kopper, der einer Beschwerde des entlassenen Vorstands Frank Roth Erfolgschancen einräume aber sich selbst dem Anliegen Roths versperrt habe.

ak/dpa/dapd
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.