Fotostrecke

Spaniens Bauherr: Die spektakulärsten Projekte von Florentino Pérez

Foto: ? Sergio Perez / Reuters/ REUTERS

Hochtief-Angreifer Florentino Pérez Der Galaktische

Der Angriff auf Deutschlands größten Baukonzern Hochtief ist gewagt. Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter schließt Abwehrmaßnahmen nicht aus. Doch harte Auseinandersetzungen sind keine Hindernisse für den spanischen Baulöwen Florentino Pérez. Als Unternehmer und Vereinspräsident von Real Madrid jagt er Rekorde - meist mit Erfolg.

Hamburg - Florentino Pérez versucht zu beweisen, dass er seine beste Zeit noch nicht hinter sich hat. Das ist eine schwere Aufgabe für den 63-Jährigen, denn mit seinem Namen verbinden sich zwei der größenwahnsinnigsten Projekte des vergangenen Jahrzehnts: der spanische Bauboom, weil Pérez den Marktführer ACS leitet, und die "Ära der Galaktischen" von Real Madrid, die in Pérez' erste Amtszeit als Vereinspräsident fällt.

Er war es, der dem überschuldeten Fußballclub frisch gewählt die bis dato teuersten Spielertransfers der Geschichte bescherte: Luis Figo, Zinédine Zidane, Ronaldo, David Beckham. Nur "die Besten der Welt" wollte er haben, und versprach, "die teuersten Spieler sind am Ende die rentabelsten". Das stimmte sogar. Finanziell lohnte sich das Projekt, nur sportlich lief es nicht gut. Deshalb trat Pérez schließlich zurück und bezeichnete sich selbst als "lästigen Pfropfen", den man "endlich rausziehen muss".

Doch das bedeutet keineswegs, dass er ein Scheitern seines galaktischen Geschäftsmodells eingestehen würde. "Das Modell hat funktioniert", beharrt der Milliardär - und will es mit einer Neuauflage beweisen. Vor einem Jahr kehrte er an die Vereinsspitze zurück und übertraf mit der Verpflichtung von Cristiano Ronaldo, Kaká und Co. die Einkaufstour von 2000 sogar noch.

Klar, dass Joan Laporta, der Ex-Präsident des Rivalen FC Barcelona, Pérez als "imperialistisch" und "herrschsüchtig" geißelt. Und dass Arsenal-London-Trainer Arsène Wenger über "finanzielles Doping" schimpft. Doch wegen Pérez will nun sogar der Fußballverband Uefa gegen "Erfolg auf Kredit" aktiv werden. Kritik an dieser Spendiersucht in Zeiten der Wirtschaftskrise weist Pérez zurück. "Wir geben den Leuten Hoffnung und Erwartung", sagt Pérez. "Real Madrid ist für manche das einzige, worauf sie sich freuen können" - auch wenn es wieder nichts mit einem Titel wurde.

Dass gerade die Betonklotzerei der vergangenen Jahre, verbunden mit einer gewaltigen Immobilienpreisblase, Spanien in die Krise und die Arbeitslosenquote auf 20 Prozent getrieben hat, ficht Pérez nicht an. Seine ACS  ist ja hochprofitabel, verdiente im vergangenen Jahr sogar den Rekordbetrag von 1,9 Milliarden Euro. Pérez hat die Firma eben nicht von Wohn- und Ferienimmobilien abhängig gemacht, sondern im großen Stil auf Bürotürme und Staatsaufträge für Bahnlinien, Flughäfen oder Straßen gesetzt.

Freilich bedroht der Sparkurs nun auch dieses Geschäft, doch Pérez hält mit dem Einstieg in den größten spanischen Energieversorger Iberdrola  - den einst der deutsche Energieriese Eon  weitgehend vergeblich zu übernehmen versuchte - und mit Internationalisierung dagegen. Und so jagt Pérez wie im Fußball auch im Hauptberuf weiter Superlative.

Baukonzern hochprofitabel trotz der Immobilienkrise

Mit dem Übernahmeangebot für den deutschen Baukonzern Hochtief  geht es ihm darum, "gemeinsam der führende Infrastrukturkonzern der westlichen Welt" zu werden. Darunter macht es Pérez nicht. Nur Hochtief möchte das nicht unbedingt mit Pérez machen - im Moment jedenfalls.

Der größte deutsche Baukonzern Hochtief sieht die Übernahmepläne seines Großaktionärs ACS deshalb als feindliches Angebot an. "Ja, so müssen wir es auffassen", sagte Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Offenbar prüft Hochtief nun, wie es sich dem Zugriff des nach eigenen Maßstäben galaktischen Pérez noch entziehen kann: "Wir sitzen mit unseren Beratern zusammen und diskutieren alle Aspekte dieser für uns neuen Situation", sagte Lütkestratkötter.

ACS und Hochtief zusammen würden mehr als 200.000 Menschen beschäftigen und gut 33 Milliarden Euro umsetzen. Damit läge der Konzern knapp vor dem französischen Marktführer Vinci . Nur die chinesische Bahn ist im Baugeschäft noch größer. Noch bremst die Nettoverschuldung von mehr als zehn Milliarden Euro die Expansion von ACS - den Hochtief-Aktionären wird nur der Mindestpreis angeboten und ACS erwartet offiziell nicht, im ersten Schritt von 30 auf 50 Prozent der Anteile zu kommen -, doch Pérez verfolgt einen langfristigen Plan.

Hochtief ist international gut in allen wichtigen Wachstumsmärkten vertreten, betonte der Hochtief-Chef heute selbst. Dies habe der Konzern aus eigener Kraft geschafft. "Davon möchte ACS jetzt profitieren", sagte Hochtief-Chef Lütkestratkötter. "Wo da für Hochtief und vor allem seine Aktionäre die Vorteile der Übernahmeofferte liegen sollen, erkennen wir nicht, und dies hat auch ACS noch nicht dargelegt", sagte der deutsche Manager. Für ACS-Chef Pérez dürfte das auch nicht die größte Rolle spielen.

Anders als bei Real Madrid, wo er in große Fußstapfen trat, hat Pérez sein Unternehmen ACS praktisch aus dem Nichts erschaffen und immer wieder durch Übernahme ausgebaut. Nach einer gescheiterten Karriere als Politiker führte er 1983 eine Gruppe von Ingenieuren an, die für eine Peseta die insolvente mittelständische Baufirma Padros aus Badalona übernahm und sanierte. Drei Jahre später wurde das Kunststück mit der größeren Ocisa wiederholt, mit mehreren weiteren Übernahmen entstand daraus 1997 ACS. 2002 kaufte Pérez in einer Anschleichaktion den größeren Mischkonzern Dragados und machte ACS so zum Marktführer.

Einträgliche Netzwerke und Seilschaften

Sicher half dabei das Netzwerk, das Pérez in Jahrzehnten geknüpft hatte. Er nutzte das Wohlwollen der Großbank Santander  und die Freundschaft der Mallorquiner Bankiersfamilie March, die bis heute das größte Aktienpaket an ACS hält. Vor allem aber seine Vergangenheit in zwei konservativen Parteien half. Schon in den 70er Jahren war Pérez Direktor des spanischen Straßenbauverbands, anschließend Stadtrat in Madrid und Generaldirektor für Transportinfrastruktur im Verkehrsministerium.

2001 gelang sein größter Coup als Real-Präsident, der Verkauf des Trainingsgeländes an die Stadt für satte 480 Millionen Euro. Das war nur möglich, weil die Fläche zuvor als Bauland ausgewiesen wurde - eine Praxis, die im Immobilienboom quer durch Spanien Schule machte und etliche Korruptionsskandale hervorrief. In Madrid lief es glatt, anschließend wurden noch die Flugrouten zum Flughafen Barajas geändert, damit dort vier Hochhäuser - die höchsten Spaniens - genehmigt werden konnten. Eines davon baute ACS.

Doch Kontakte allein erklären den sagenhaften Aufstieg nicht. Pérez zeigte auch Mut zum Risiko. Genau wie er im Wettstreit mit FC-Chelsea-Eigner Roman Abramowitsch um die teuersten Spielerkäufe die Nase vorn behielt, pokerte er im Kampf um Hochtief höher als der russische Oligarch Oleg Deripaska. So bekam er 2007 den Zuschlag für das Aktienpaket des deutschen Milliardärs August von Finck. Deripaska, der trotzdem als zweiter Großaktionär einstieg, musste sich in der Krise zurückziehen. Pérez hielt die Schuldenlast einfach aus. "Wer mehr einnehmen will, muss investieren", predigt er.

Als unscheinbar und zurückhaltend wird Florentino Pérez jetzt wohl niemand mehr beschreiben. In seinem ersten gescheiterten Anlauf zur Präsidentschaft von Real Madrid hatte ihm der damalige Amtsinhaber Ramon Mendoza noch vorgehalten: "Señor Pérez, Sie sind ein trauriger grauer Typ mit einer Aura von Mehltau." Heute steht der Mann anders da.

Spaniens Bauherr: Die spektakulärsten Projekte des Florentino Pérez

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.