Donnerstag, 18. Juli 2019

Hochtief-Angreifer Florentino Pérez Der Galaktische

Spaniens Bauherr: Die spektakulärsten Projekte von Florentino Pérez
Corbis

Der Angriff auf Deutschlands größten Baukonzern Hochtief ist gewagt. Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter schließt Abwehrmaßnahmen nicht aus. Doch harte Auseinandersetzungen sind keine Hindernisse für den spanischen Baulöwen Florentino Pérez. Als Unternehmer und Vereinspräsident von Real Madrid jagt er Rekorde - meist mit Erfolg.

Hamburg - Florentino Pérez versucht zu beweisen, dass er seine beste Zeit noch nicht hinter sich hat. Das ist eine schwere Aufgabe für den 63-Jährigen, denn mit seinem Namen verbinden sich zwei der größenwahnsinnigsten Projekte des vergangenen Jahrzehnts: der spanische Bauboom, weil Pérez den Marktführer ACS leitet, und die "Ära der Galaktischen" von Real Madrid, die in Pérez' erste Amtszeit als Vereinspräsident fällt.

Er war es, der dem überschuldeten Fußballclub frisch gewählt die bis dato teuersten Spielertransfers der Geschichte bescherte: Luis Figo, Zinédine Zidane, Ronaldo, David Beckham. Nur "die Besten der Welt" wollte er haben, und versprach, "die teuersten Spieler sind am Ende die rentabelsten". Das stimmte sogar. Finanziell lohnte sich das Projekt, nur sportlich lief es nicht gut. Deshalb trat Pérez schließlich zurück und bezeichnete sich selbst als "lästigen Pfropfen", den man "endlich rausziehen muss".

Doch das bedeutet keineswegs, dass er ein Scheitern seines galaktischen Geschäftsmodells eingestehen würde. "Das Modell hat funktioniert", beharrt der Milliardär - und will es mit einer Neuauflage beweisen. Vor einem Jahr kehrte er an die Vereinsspitze zurück und übertraf mit der Verpflichtung von Cristiano Ronaldo, Kaká und Co. die Einkaufstour von 2000 sogar noch.

Klar, dass Joan Laporta, der Ex-Präsident des Rivalen FC Barcelona, Pérez als "imperialistisch" und "herrschsüchtig" geißelt. Und dass Arsenal-London-Trainer Arsène Wenger über "finanzielles Doping" schimpft. Doch wegen Pérez will nun sogar der Fußballverband Uefa gegen "Erfolg auf Kredit" aktiv werden. Kritik an dieser Spendiersucht in Zeiten der Wirtschaftskrise weist Pérez zurück. "Wir geben den Leuten Hoffnung und Erwartung", sagt Pérez. "Real Madrid ist für manche das einzige, worauf sie sich freuen können" - auch wenn es wieder nichts mit einem Titel wurde.

Dass gerade die Betonklotzerei der vergangenen Jahre, verbunden mit einer gewaltigen Immobilienpreisblase, Spanien in die Krise und die Arbeitslosenquote auf 20 Prozent getrieben hat, ficht Pérez nicht an. Seine ACS Börsen-Chart zeigen ist ja hochprofitabel, verdiente im vergangenen Jahr sogar den Rekordbetrag von 1,9 Milliarden Euro. Pérez hat die Firma eben nicht von Wohn- und Ferienimmobilien abhängig gemacht, sondern im großen Stil auf Bürotürme und Staatsaufträge für Bahnlinien, Flughäfen oder Straßen gesetzt.

Freilich bedroht der Sparkurs nun auch dieses Geschäft, doch Pérez hält mit dem Einstieg in den größten spanischen Energieversorger Iberdrola Börsen-Chart zeigen - den einst der deutsche Energieriese Eon Börsen-Chart zeigen weitgehend vergeblich zu übernehmen versuchte - und mit Internationalisierung dagegen. Und so jagt Pérez wie im Fußball auch im Hauptberuf weiter Superlative.

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