Die Wirtschaftsglosse Airlines schaffen Flugangst ab

Große Aufklärungsoffensive der Luftfahrtindustrie: Die weit verbreitete Angst vorm Fliegen, so die Experten, ist neuen Erkenntnissen zufolge völlig unbegründet. Sie wird deshalb am Ende des Tages abgeschafft.
"Mit der Technik an Bord vertraut machen": Luftfahrtexperten halten Flugangst für unbegründet

"Mit der Technik an Bord vertraut machen": Luftfahrtexperten halten Flugangst für unbegründet

Foto: Corbis

Die Luftfahrtindustrie versucht mit einer konzertierten Kampagne Menschen mit Flugangst als Kunden (zurück) zu gewinnen. Zum Auftakt informiert in dieser Woche die zentrale Onlineplattform Cheapflug.de ausführlich über Strategien gegen Flugangst.

Fluggäste mit Flugangst, so die Mitteilung der Fachleute, haben an Bord oft das (Anm. d. Red.: gemeinsam mit 150 Leuten im gut belüfteten, großzügig bemessenen Rumpf einer modernen Verkehrsmaschine selbstverständlich völlig irrige) Gefühl eingesperrt zu sein und nicht entkommen zu können. Manche Passagiere bewege auch die (Anm. d. Red.: zusammen mit lauter Topmanagern und Unternehmensberatern 10.000 m über dem Pazifik natürlich ganz und gar unbegründete) Sorge, "einen Herztod oder Schlaganfall zu erleiden und hilflos im Flugzeug zu sterben, weil eine medizinische Versorgung ausgeschlossen ist".

Auslöser solcher Phobien, schreibt Cheapflug.de, sei häufig ein beunruhigendes Flugerlebnis ( Lächerlich! Was sollte das denn wohl sein? ), etwa eine Beinahekollision ( Ha! Bei der Sicherheitstechnik heutzutage? ), ein Durchstartmanöver ( reine Routine! ) oder eine Notlandung ( kommt doch heute nicht mehr vor! ). Die Experten raten Betroffenen zu Atem- und Entspannungsübungen . Reisende sollten sich zur Beruhigung über das Flugzeug, seine Technik und die Vorgänge an Bord informieren . Keine Lösung und daher Tabu seien Alkohol und Drogen , in schweren Fällen helfe aber ein Flugangstseminar, wie es von verschiedenen Airlines angeboten werde.

Häufig, so Cheapflug.de, begegneten die Passagiere der Technik oder den Piloten mit Misstrauen. Zwar gelten solche Vorbehalte unter Fachleuten als völlig unbegründet - auch gegenüber der Cockpitbesatzung  ... insbesondere gegenüber der Cockpitbesatzung .

Im Rahmen ihrer jetzt gestarteten Initiative gehen die Luftfahrtfirmen jedoch gerade das Pilotenproblem energisch an. Branchenvordenker und Ryanair-Chef Michael O'Leary schlug vor einigen Tagen schon mal vor, dem Argwohn der Menschen mit Kulanz zu begegnen und die Co-Piloten abzuschaffen .

Unterstützt wird O'Leary von verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen, die die Airlines im Vorfeld ihrer Aktion wider die Flugangst in Auftrag gegeben hatten.

Demnach werden sich zum Beispiel die Piloten auf lange Sicht ohnehin selber abschaffen. Der Grund: Demografen  zufolge zählen sie zur Bildungselite, ihre Geburtenrate liege daher deutlich unter jener minderbemittelter Schichten (Stewardessen, Gepäckträger, Passagiere).

Und Statistiker vom internationalen Luftfahrtverband IATA haben noch etwas Interessantes entdeckt: Der Flugangst könnte begegnet werden, indem die Strecken zwischen den Flughäfen verlängert werden. Denn da die meisten Flugunfälle bei Starts- und Landungen passieren, so die Erklärung, muss eine Verlängerung der reinen Flugzeiten zwangsläufig die Unfallquote senken.

Die Experten raten daher zum Abschied von der Luftlinie ("Warum nicht auf dem Weg von Hamburg nach München eine Runde über Paris?"). Auch eine Reduzierung der Fluggeschwindigkeiten könnte helfen, heißt es. Reedereien weltweit ließen ihre Frachter derzeit - auch um Sprit zu sparen - sehr erfolgreich mit halber Kraft fahren. Die Luftfahrt sollte sich das zum Vorbild nehmen.

Apropos Statistik: Eine andere Studie hat ergeben, dass Flugangst rein rechnerisch ohnehin völlig unbegründet ist. Denn gerade unter den Menschen mit panischer Phobie vorm Fliegen, jenen also, die nie ein Flugzeug besteigen würden, ist die Zahl der Opfer von Flugunfällen - extrem gering.

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