Hypo Real Estate 40 Milliarden Euro - "zur Beruhigung"

Das Volumen ist atemberaubend: Die HRE braucht weitere Garantien von 40 Milliarden Euro - für einige Wochen zumindest. Der Rettungsfonds Soffin beteuert, mit den neuen Staatsbürgschaften sollen der Neustart abgesichert und die Märkte beruhigt werden. Aber selbst in der Koalition wächst der Unmut.
Fass ohne Boden: Die HRE braucht weitere Milliardengarantien - das Ausmaß überrascht auch die Politik

Fass ohne Boden: Die HRE braucht weitere Milliardengarantien - das Ausmaß überrascht auch die Politik

Foto: dapd

Berlin - Viele Gelegenheiten, gute Nachrichten zu verkünden, hatte Manuela Better bisher nicht. Die Chefin des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) sprang nach dem Abgang ihres Vorgängers Axel Wieandt im März ein, und muss nun das deutsche Symbol der weltweiten Finanzkrise wieder auf die Füße stellen.

Am vergangenen Mittwoch hatte Better dann auf einer Bankentagung in Frankfurt - gewohnt umsichtig - diesen Satz gesagt: "Bezüglich der Gewinnzone für 2011 denken wir schon intensiv nach, und ich bin zuversichtlich, dass wir sie erreichen werden." Dabei hatte die Risikoexpertin "schwarze Zahlen" für die neue, von Altlasten bereinigte Bank ursprünglich erst wieder 2012 angepeilt.

Bei den Zuhörern klangen Betters Worte nach Zuversicht und Optimismus. Doch die Wirkung war rasch verfolgen - Gerüchte über weitere Staatsgarantien gab es noch am gleichen Tag. Denn Better musste kurzfristig nach Berlin reisen, um mit dem staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin und dem Bund zu beraten.

Am späten Freitagabend war es offiziell: Die längst verstaatlichte Krisenbank benötigt weitere 40 Milliarden Euro Rückendeckung vom Staat. Vorübergehend zwar nur, um Markt- und Transaktionsrisiken abzusichern. Aber das Volumen der Staatsbürgschaften für die HRE klettert damit zeitweise auf bis zu 142 Milliarden Euro.

Die jüngsten HRE-Schlagzeilen sind aber längst nicht so dramatisch, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Von einer Zahlungsunfähigkeit noch im September - wie teils spekuliert wurde - ist die HRE nach Aussage aus Bankenkreisen schon gar nicht bedroht.

Drastische Verkleinerung des Bankgeschäfts gefordert

Eine Hälfte der Garantie war eigentlich absehbar: Denn die HRE will sich von Altlasten in einem Umfang von 180 Milliarden befreien. Risikopapiere und ganze Geschäftsbereiche werden auf eine Abwicklungsbank ("Bad Bank") der HRE ausgelagert - ein in diesem Umfang in der deutschen Bankenlandschaft einmaliger Vorgang.

Die drastische Verkleinerung des Bankgeschäfts wird auch von Brüssel gefordert. Das dann sehr viel kleinere Kerninstitut - die Deutsche Pfandbriefbank - soll sich mit Gewerbeimmobilien und als Staatsfinanzierer am Markt behaupten. Vor allem aber soll die Bank bis 2015 auf Profit getrimmt werden, um für Käufer attraktiv zu sein. Für das "neue" Institut gibt es auch keine Staatsgarantien mehr.

Die Abspaltung des Vermögens in eine "Bad Bank" unter Soffin-Regie steht nun unmittelbar bevor. Die Transaktion soll am 28. September beginnen, erster Buchungstag ist der 30. September. Es geht aber nicht nur um gigantische 180 Milliarden Euro, sondern auch um mehr als 1000 Vertrags- und Geschäftspartner in zahlreichen Ländern.

Da kann es zu technischen Pannen oder Verzögerungen von ein, zwei Tagen kommen, auch wenn sich alle Beteiligten seit Monaten auf die Transaktion einstellen. Für diese kritische Phase geht die HRE auf Nummer sicher, auch wenn die Transferrisiken in HRE-Kreisen als gering eingeschätzt werden. "Nur im allerschlimmsten Fall würde das Geld tatsächlich gebraucht werden", wird betont. Ist die Transaktion abgeschlossen - vermutlich Mitte Oktober - verfallen die Garantien.

Aufsichtsrat tagt Ende September

Auch die zweite Hälfte aus dem 40-Milliarden-Garantierahmen ist nur vorübergehend und soll die teils schon wieder nervös werdenden Märkte beruhigen. Auf mögliche operative Liquiditätsprobleme in den nächsten drei Wochen bis zur Auslagerung soll reagiert werden können. Zuletzt nahmen Risikoaufschläge auf Staatsanleihen kriselnder Euro- Staaten wieder zu - Stichwort Griechenland und Irland. Hinzu kommt eine für die HRE ungünstige Zins- und Dollarentwicklung.

Selbst in Bankkreisen ist man nicht glücklich über die Art und Weise, wie die neuen Garantien bekannt wurden. Ein wenig aktiver hätte die HRE Märkte und Öffentlichkeit schon vorbereiten können, heißt es. Auch CDU-Finanzexperte Leo Dautzenberg fragt sich, warum solche Nacht- und Nebelaktionen nötig sind.

Am 21. September will der HRE-Aufsichtsrat tagen. Bis dann könnte auch die EU-Kommission Garantien und "Bad Bank" abgesegnet haben. Die Soffin- und HRE-Manager wollen jedenfalls einen doppelten Boden einziehen, um jegliche Markterschütterungen zu vermeiden. Ob das gelungen ist, wird sich mit Marktöffnung an diesem Montag zeigen.

la/dpa-afx
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