Medien Witwe des WAZ-Mitgründers Brost gestorben

Die Witwe des WAZ-Mitbegründers Erich Brost ist nur vier Tage nach ihrem 90. Geburtstag gestorben. Der Tod von Anneliese Brost gilt nicht nur als Verlust für die WAZ-Gruppe. Anneliese Brost hatte sich in den vergangenen Jahren auch einen Namen als Stifterin gemacht.
Geehrt: Die WAZ-Verlegerin Anneliese Brost bei der Verleihung des Staatspreises des Landes Nordrhein-Westfalen 2004

Geehrt: Die WAZ-Verlegerin Anneliese Brost bei der Verleihung des Staatspreises des Landes Nordrhein-Westfalen 2004

Foto: dapd

Hamburg - Anneliese Brost ist tot. Die Witwe von Erich Brost, des Mitgründers der Essener WAZ-Gruppe (unter anderem "Westdeutsche Allgemeine", "Westfälische Rundschau"), starb am 8. September, nur vier Tage nach ihrem 90. Geburtstag. Für das Haus und seine Mitarbeiter ist es ein tragischer Verlust, denn die äußerst beliebte und agile Anneliese Brost verkörperte das soziale Gewissen des Unternehmens.

Die Tochter des Pferdehändlers Brinkmann aus Bochum hatte ursprünglich Betriebswirtschaft studieren wollen. Doch die aus einer sozialdemokratischen Familie stammende Schülerin - ihre Mutter war überdies eine engagierte Frauenrechtlerin - erhielt unter den Nazis keinen Studienplatz.

Nach dem Krieg ging Anneliese Brinkmann als Sekretärin zur "Westfälischen Rundschau" und lernte kurz darauf auch Erich Brost kennen, den damaligen Chefredakteur der "Neuen Rhein/Ruhr Zeitung". Die junge Frau kündigte ihren Arbeitsplatz und wurde, wie die "Westdeutsche Allgemeine" jüngst notierte, Brosts "rechte Hand", als der 1948 mit Jakob Funke die WAZ-Gruppe gründete, die heute mehr als 300 Titel in neun Ländern verlegt und über eine Milliarde Euro umsetzt.

1975 heiratete Anneliese Brinkmann den 18 Jahre älteren und verwitweten Erich Brost, dessen erste Frau 1966 gestorben war. Zehn Jahre später adoptierten die beiden Erich Schumann (1930-2007), den Geschäftsführer ihres Unternehmens. Erich Brosts leiblicher Sohn, Martin Brost, war 1978 ausbezahlt worden. Nach dem Tod von Erich Brost, der 91-jährig im Jahre 1995 gestorben war, übernahm Anneliese Brost viele seiner Aufgaben, engagierte sich aber vor allem außerhalb des Unternehmens: Die "Erich und Anneliese Brost Stiftung" förderte städtische Kinderheime, unterstützte die Jugend- und Altenhilfe ebenso wie die Arbeiterwohlfahrt oder das Anneliese-Brost-Zentrum, ein Altersheim.

Sie setzte sich für die deutsch-polnische Versöhnung ein, förderte das Essener Folkwang-Museum, die Zeche Zollverein sowie in vielerlei Hinsicht die TU Dortmund, unter anderem durch eine Stiftungsprofessur und das Erich-Brost-Haus, ein Wissenschaftszentrum.

Im Jahr 2004 wurde sie für ihr Engagement mit dem Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet, 2008 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz I. Klasse.

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