Mittwoch, 27. Mai 2020

Investor Berggruen "Deutsche Bank behandelt Karstadt wie Spielzeug"

Zoff in letzter Minute: Berggruen sieht sich vor dem Ziel - nur die Deutsche Bank stehe quer

Im Ringen um die Zukunft der Kaufhauskette Karstadt hat Investor Nicolas Berggruen die Deutsche Bank scharf angegriffen. Er kritisierte den Flirt der Bank mit dem verspäteten Mitbieter Maurizio Borletti. Als Teil des Vermieterkonsortiums könnte das Finanzhaus Berggruens Karstadt-Pläne torpedieren.

Frankfurt am Main - Im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Donnerstag) kritisierte Berggruen, wie die Frankfurter Großbank den lange nach Abschluss des eigentlichen Bieterprozesses als Interessent aufgetretenen italienischen Warenhausbetreiber Maurizio Borletti unterstütze.

"Ich kann nicht überblicken, welche kommerziellen Interessen Borletti und die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen verfolgen. Ich kann nur sagen, die spielen mit dem Feuer und der Zukunft von Karstadt", sagte Berggruen. Karstadt sei kein Spielzeug. "Aber die Deutsche Bank behandelt Karstadt wie ein Spielzeug."

Die Gespräche mit Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen als dem zweiten großen Partner hinter dem Vermieterkonsortium Highstreet funktionieren nach Berggruens Worten inzwischen etwas besser. Auch hinsichtlich der Verhandlungen mit der Essener Valovis-Bank sieht er sich so gut wie am Ziel.

Berggruen macht deutlich, dass die Zeit für die Rettung von Karstadt sehr knapp wird. Am 2. September wollen sich die Highstreet-Gläubiger in London treffen, um über die neuen Mietkonditionen abzustimmen. Einen Tag später will das Amtsgericht Essen über die Annahme des Insolvenzplans entscheiden.

Zwar liegt nach den Worten Berggruens ein fertig verhandelter Mietvertrag schriftlich vor. Es seien aber noch einige technische Details zu klären. Um nicht das Risiko einzugehen, erst am letzten Tag auf den Punkt zu kommen, habe er die Vertreter Highstreets frühzeitig für den 31. August zu einem Treffen einladen wollen. Diesem Wunsch wurde aber nicht entsprochen.

Der Milliardär fürchtet, dass Karstadt in die Liquidation geht, wenn nicht bis Ende kommender Woche alle Fragen geklärt sind. "Es wird dann keinen fortzuführenden Geschäftsbetrieb mehr geben." Denn man könne eine solche lebendige Organisation mit vielen Mitarbeitern, Geschäftspartnern, Kunden und Lieferanten nicht ewig nur verwalten. Sollte die Übernahme gelingen, werde er an Tag eins 70 Millionen Euro eigenes Kapital in das Unternehmen stecken.

ak/dpa-afx

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