Samstag, 21. September 2019

Fachkräftemangel Frustrierte Firmen wenden sich von Deutschland ab

Branchenüberblick: Wo die meisten Ingenieure fehlen
DPA

3. Teil: Goldene Zeiten für deutsche Fachkräfte nicht in Sicht

Große Firmen sind bei einer solchen Strategie naturgemäß im Vorteil - wie der Münchener Technologiekonzern Siemens. "Wenn es Engpässe in speziellen Bereichen geben sollte, ist Siemens in der Lage damit umzugehen", sagt eine Unternehmenssprecherin, "denn wir können bei der Rekrutierung notfalls auch ins Ausland ausweichen - schließlich sind wir in 190 Ländern der Erde geschäftlich aktiv".

"Vor allem große, global agierende Firmen werden ihre Unternehmensteile verstärkt so anordnen, dass die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte gegeben ist", sagt IW-Ökonomin Erdmann. In der Zwickmühle sind dagegen kleine und mittelgroße Unternehmen. Sie haben es schon besonders schwer, in Deutschland beim Kampf um die besten Köpfe gegen die Großen mitzuhalten. Im Ausland stehen ihre Chancen oft noch schlechter.

"Gerade für den klassischen Mittelstand dürfte es schwierig sein, im Ausland Fach- und Führungskräfte anzuwerben oder sogar Standorte in Länder zu verlegen, in denen es genügend qualifizierte Mitarbeiter gibt", sagt Personalexperte Tiemo Kracht von der Beratungsfirma Kienbaum gegenüber manager magazin. "Firmen, die bereits über ein internationales Netzwerk verfügen, könnten zusätzliches Personal jedoch im Ausland gewinnen und auch dort einsetzen."

Das warnende Beispiel Pharma

Wie schwerwiegend die Folgen einer verstärkten Verlagerung von Forschung und Entwicklung ins Ausland wären, ist umstritten. Hat der Exodus ersteinmal begonnen, könnten ganze Branchen in Schwierigkeiten kommen, wie das warnende Beispiel Pharma zeigt, wo Deutschland seine Rolle als Apotheke der Welt längst verloren hat.

Für ein realistisches Szenario hält IAB-Forscher Brücker eine Entwicklung, in der die Industrie entsprechend dem Rückgang der Arbeitskräfte schrumpft. Problematisch sei daran vor allem, dass es dann kaum noch möglich sei, die Sozialversicherungen in heutigem Maße aufrecht zu erhalten, weil den Alten weniger Beitragszahlern gegenüberstehen.

Dauerhaft goldene Zeiten am Jobmarkt für Ingenieure und andere Fachkräfte samt hohen Löhnen und sicheren Arbeitsplätzen wird es dank des gegenwärtigen Personalengpasses vermutlich nicht geben, erwartet auch DIHK-Volkswirt Treier: "Das Ventil, ins Ausland zu gehen, ist für die Unternehmen immer da."

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