Mittelstand Schlecht vorbereitet für den Aufschwung

Eigentlich müsste es dem Mittelstand im wirtschaftlich aufstrebenden Deutschland blendend gehen. Doch es hakt offenbar an einigen Stellen. Das belegt eine aktuelle Umfrage der manager-lounge.
Von Arne Gottschalck
Ausgebremst? Aus einer exklusiven Umfrage des Netzwerks für Führungskräfte, der manager-lounge, geht hervor, dass immerhin 20 Prozent der Befragten befürchten, der Aufschwung laufe am deutschen Mittelstand vorbei. 40 Prozent allerdings glauben, diese Unternehmen würden davon profitieren können.

Ausgebremst? Aus einer exklusiven Umfrage des Netzwerks für Führungskräfte, der manager-lounge, geht hervor, dass immerhin 20 Prozent der Befragten befürchten, der Aufschwung laufe am deutschen Mittelstand vorbei. 40 Prozent allerdings glauben, diese Unternehmen würden davon profitieren können.

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Hamburg - Wenige Dinge sind sicher im Leben. Das stete Lob des deutschen Mittelstands durch die Politik ist es. Mal als Jobmotor, mal als Innovationshochburg bezeichnet - kaum ein Politiker, der nicht den deutschen Mittelstand im besten Licht dastehen lässt. Dennoch es gibt wahrscheinlich kaum eine Gruppe von Unternehmern, die sich selbst so beständig über klagt, wie der deutsche Mittelstand. Offenbar nicht immer zurecht.

Deutschlands Mittelstand habe nicht aktiv auf die Krise reagiert, schreibt zum Beispiel die Unternehmensberatung Quest Consulting dem Mittelstand ins Stammbuch. "Die großen Unternehmen haben vorgemacht, wie es eigentlich geht. Sie haben in der Krise knallhart restrukturiert, waren bis zuletzt in Kurzarbeit und gehen jetzt gestärkt in das Wachstum", sagt Quest-Partner Stephan Derr.

Im Mittelstand habe man vielfach das Gegenteil gemacht und sich zum Beispiel auf den Vertrieb konzentriert. So hätten 64 Prozent der befragten Unternehmen in der Krise versucht, den Verkauf anzukurbeln, jedoch nur 54 Prozent die Sachkosten reduziert. "Ein erhebliches Restrukturierungspotenzial", heißt es daher von Quest. Bereits vor einem halben Jahr hatte die Unternehmensberatungs- und Prüfungsgesellschaft Ernst & Young ähnliches ermittelt. Und vorhergesagt, dass der Mittelstand den Aufschwung verpasse.

Das schlägt mittlerweile voll auf die Zahl der Pleiten in Deutschland durch. Erst im August prognostizierte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform, dass die Zahl der Insolvenzen weiter steigen werde. "Selbst wenn jetzt wieder eine leichte Erholung festzustellen ist", sagt Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young, "ein Produktionseinbruch, wie es ihn 2009 gegeben hat, hinterlässt deutliche Spuren. Es wird noch mindestens zwei Jahre dauern, bis wir beim Produktionsvolumen wieder auf dem Stand vor der Krise sind. Eine solche Unterauslastung beschleunigt die Markbereinigung."

Und die weiteren Aussichten mildern die Sorgen keineswegs. Zwar jubeln die Experten derzeit noch über die aktuellen deutschen Wachstumszahlen - Wirtschaftsminister Rainer Brüderle sprach gar von einem Aufschwung XL. Doch für die Zukunft sind die meisten von ihnen schon wieder skeptisch. So ist zum Beispiel das ZEW-Konjunkturbarometer das fünfte Mal in Folge gesunken. Ein Zeichen, dass "das enorme Wachstum des zweiten Quartals nicht aufrechterhalten werden kann", sagt ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Und weiter: "Auf Grund der deutschen Exportabhängigkeit geht das größte Risiko für die Konjunktur von einer schwachen wirtschaftlichen Entwicklung wichtiger Außenhandelspartner, wie etwa den anderen Euroländern und den USA, aus." Und das träfe auch den deutschen Mittelstand.

Der vermutlich offensichtlichste Stolperstein ist die Finanzierung. Denn solange die Banken damit zu tun haben, ihre Bilanzen aufzuräumen, tun sie sich mit der Finanzierung von Unternehmen schwer. "Wer schon vor der Krise Probleme hatte, kann jetzt kaum noch auf Entgegenkommen von Seiten der Banken hoffen", sagt Berater Englisch. Das sieht man auch in der manager-lounge so. "Die Ergebnisse der Finanzkrise sowie der Vertrauensverlust in die beratende Qualität der Finanzwirtschaft, die stringentere Auslegung der ohnehin schon strengen Basel-II-Auflagen bei der Auslegung von Krediten verschärfen die Finanzierungsmöglichkeiten von Wachstum, Investition und Innovation bei mittelständischen Unternehmen", sagt zum Beispiel Thomas Siepen von T-Systems.

Mehr noch: "Ich glaube zwar nicht, dass der Aufschwung total am Mittelstand vorbei geht, aber er wird von der Finanzwirtschaft, die sich weitgehend vom Staat hat aushalten lassen, in Finanzierungsfragen im Regen stehen gelassen, weil die entsprechenden Mittel nicht, wie von der Politik vorgesehen, weitergeleitet werden", sagt Wolfgang Fricke von der Fricke Unternehmensberatung.

Bei aller Skepsis - Hoffnung machen dem Mittelstand ausgerechnet die Finanzmärkte. "Familienunternehmen sind oft erfolgreicher", sagt Friedrich Diel, Manager des Investmentfonds FT UnternehmerWerte. Familienunternehmen, wie man sie im Mittelstand findet. "Mehrere Studien kommen zum übereinstimmenden Ergebnis, dass Familienunternehmen erfolgreicher sind und höhere Gewinne erzielen als managergeführte Publikumsgesellschaften."

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