Dienstag, 24. September 2019

Fachkräftemangel Zwei von drei Firmen finden kaum noch gute Leute

Gefragte Leute: Vielen Jobangeboten stehen wenige qualifizierte Mitarbeiter gegenüber

Der Fachkräftemangel verschärft sich offenbar zusehends. Etwa 70 Prozent der vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag befragten Firmen haben Probleme bei der Rekrutierung qualifizierter Mitarbeiter. In den kommenden fünf Jahren dürfte sich die Lage weiter zuspitzen.

Berlin - Der Fachkräftemangel erweist sich zunehmend als Belastung für die wirtschaftliche Erholung. Derzeit hätten 70 Prozent der Unternehmen Probleme, offene Stellen zu besetzen, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Hans Heinrich Driftmann am Dienstag in Berlin. Dabei träten die Schwierigkeiten über alle Qualifikationsniveaus hinweg auf. Zudem rechne rund die Hälfte der befragten Unternehmen mit einer Verschärfung des Problems.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kündigte zur besseren Bedarfsermittlung ein regelmäßiges Arbeitskräfte-Monitoring an. Darin soll in Zusammenarbeit mit dem DIHK der regionale Bedarf nach Arbeitskräften dargestellt werden.

Angesichts der demografischen Entwicklung kommt Driftmann zufolge auch dem Ausbildungspakt eine "sehr wichtige Funktion" zu. Vor allem müsse es besser gelingen, leistungsschwache Kinder und Jugendliche mitzunehmen. "Wir dürfen niemanden verloren geben", sagte der DIHK-Präsident. Die Jugendlichen müssten nach der Schule "fit für eine Ausbildung sein". Dazu seien Verbesserungen in allen Stufen des Bildungssystems nötig.

Zugleich warb Driftmann für einen Ausbau der Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen in den Betrieben. Zudem müssten sie verstärkt zur Teilnahme motivieren. Laut der Umfrage will die Mehrheit der vom Fachkräftemangel betroffenen Unternehmen ihr Weiterbildungsangebot erweitern.

Zugleich appellierte Driftmann an die Wirtschaft, Erfahrung und Wissen älterer Mitarbeiter möglichst lange zu erhalten. "Die Erfahrungen eines Berufslebens dürfen nicht zur Seite gedrängt werden", sagte er. Dabei zeige die Umfrage, dass jedes fünfte Unternehmen bewusst auf die Ausweitung der Beschäftigung Älterer setze. Das Umdenken habe also längst begonnen.

nis/ddp

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