Samstag, 7. Dezember 2019

Gehaltspoker "Wer laut schreit, bekommt auch etwas"

Sie hoffen heimlich auf eine Gehaltserhöhung? Vergebens, denn Ihre Leistung steht im Hintergrund - viel mehr bringt die Eigenwerbung vor den Vorgesetzten

Woran liegt es, dass manche mehr verdienen als ihre Kollegen - obwohl sie das Gleiche tun? Und wie kann man das ändern? Mit Gehaltscoach Martin Wehrle sprach manager magazin Online über antizyklisches Verhandeln und die Bedeutung von PR in eigener Sache.

mm: Herr Wehrle, wie bekomme ich mehr Geld?

Wehrle: Vor allem dadurch, dass Sie im Gespräch bleiben. Eine Studie von IBM hat gezeigt, dass die Leistung bei Gehaltserhöhungen nur 10 Prozent zählt, die anderen 90 machen Eigen-PR und das Verhältnis zum Vorgesetzten aus. Viele Manager hassen etwa Meetings und schicken lieber ihren Stellvertreter. Ein Riesenfehler, denn im Meeting kann man gezielt die Arbeit der eigenen Abteilung herausstreichen.

mm: Warum verdienen Frauen noch immer weniger als Männer, auch in ähnlichen Positionen?

Wehrle: Frauen machen sich oft zu viele Gedanken und trauen sich seltener als Männer, eine konkrete Forderung zu stellen. Stattdessen formulieren sie vorsichtige Bitten wie "Es wäre schön, etwas mehr zu haben ...". Dabei ist es nur konsequent, dass das Gehalt nachverhandelt wird, wenn die Leistung steigt.

mm: Laut dem mm-Gehaltsreport tauschen sich nur 18 Prozent der Befragten mit Kollegen über Gehälter aus. Woran liegt das?

Wehrle: Das Thema ist immer noch tabu, mehr noch als Eheprobleme oder schwere Krankheiten. Wer über dem Schnitt verdient, fürchtet den Neid der anderen; wer darunter liegt, schämt sich. Dazu kommt, dass die Gehaltsstrukturen sehr ungerecht sind: Nur wer laut genug schreit, bekommt auch etwas. Und Untreue wird belohnt. Bei freiwilligen Wechseln steigt das Gehalt, obwohl es in der neuen Firma vielleicht langjährige Mitarbeiter gibt, die eher ein höheres Gehalt verdient hätten als der Abgeworbene.

mm: Um auf die nächste Krise vorbereitet zu sein: Wie bittet man in schlechten Zeiten um mehr Geld?

Wehrle: Das hängt vom einzelnen Mitarbeiter ab. Eine Krise wirkt wie eine Lupe, die Stärken und Schwächen besonders hervortreten lässt. Gerade dann brauchen die Firmen Leistungsträger. Wer von denen antizyklisch vorgeht und in Krisenzeiten mehr Gehalt fordert, da nur wenige den Mut dazu haben, hat gar nicht so schlechte Chancen.

mm: Aber wenn doch einfach kein Geld zu verteilen ist?

Wehrle: Es gibt immer Abstufungen. Keine Firma trennt sich von Topleuten und stellt lieber Durchschnitt ein, weil der billiger ist. Nach außen und bezogen auf die Masse der Mitarbeiter allerdings nutzen Unternehmen Krisen auch, um gezielt Gehaltsforderungen abzuschmettern. Vor der Krise heißt es: Da braut sich was zusammen. In der Krise müssen sie sparen. Und nach der Krise müssen sie sich erst mal erholen.

mm: Welche Gegenstrategie empfehlen Sie?

Wehrle: Leichter haben es Mitarbeiter mit Leitungsfunktionen, deren Leistung sich in Zahlen messen lässt. Sie sollten sich gekürzte Boni schnell zurückerobern, indem sie für das Unternehmen attraktive Ziele definieren und natürlich auch erreichen. Fast so wichtig wie die Ergebnisse selbst ist es aber, diese auch publik zu machen.

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