Donnerstag, 18. Juli 2019

Raffineriesterben Deutsche Spritfabriken vor dem Aus

Raffinerie in Wilhelmshaven: Betriebspause für immer?

Die Milliardengewinne der Ölmultis täuschen über eine Schwäche der Konzerne hinweg: Sie erzeugen weltweit zu viel Benzin. Jetzt stellen sie sich auf eine sparsamere Welt ein. Große Industriekomplexe in Deutschland müssen wohl schließen.

Hamburg - Den Arbeitern der norddeutschen Raffinerien von Shell und ConocoPhillips müssen die Meldungen der vergangenen Woche wie Hohn vorkommen. Die Mutterkonzerne in Den Haag und Houston schrieben, wie alle anderen Ölmultis mit Ausnahme von BP, im zweiten Quartal Milliardengewinne.

Erst eine Woche zuvor hatte ConocoPhillips Börsen-Chart zeigen das faktische Aus für die Wilhelmshavener Raffinerie, die zweitgrößte Spritfabrik Deutschlands, erklärt. Ein lange aufgeschobener Ausbauplan wurde endgültig abgesagt. Nun soll die seit Oktober stillgelegte Anlage als bloßes Umschlagterminal genutzt oder verkauft werden. "Dieser Schritt passt zu unserer erklärten Strategie, Kapitaldisziplin zu wahren und unser Downstream-Portfolio im Lauf der Zeit zu reduzieren", erklärte Spartenchef Willie Chiang.

Für Wilhelmshaven ist das ein schwerer Schlag. Die Nordseestadt schrumpft seit Jahrzehnten, leidet unter dem Abzug von Marinekräften, dem Aus für Werften und für andere Industriebetriebe wie das Schreibmaschinenwerk Olympia. Mit dem Nein aus Texas starb schon die vierte Milliardeninvestition in kurzer Zeit. "Es ist jetzt an der Zeit, die Ziele der Industrialisierung Wilhelmshavens auf den Prüfstand zu stellen", befand Oberbürgermeister Eberhard Menzel (SPD) enttäuscht.

Upstream gewinnen die Ölkonzerne, downstream verlieren sie

Was die Aussicht auf einen Verkauf der Raffinerie bedeutet, können die Kollegen in Hamburg-Harburg und Heide (Holstein) berichten. Shell Börsen-Chart zeigen als größter Betreiber von Raffinerien in Deutschland ist seit langem entschlossen, sich von den beiden kleineren Werken zu trennen. Monatelang galt der indische Essar-Konzern Börsen-Chart zeigen als bevorzugter Käufer.

Im April jedoch platzte der Deal, zu dem auch die britische Raffinerie Stanlow und der schwedische Standort Göteborg gehörten. Jetzt ist die Zukunft der norddeutschen Raffinerien unklar, die Schließung wieder wahrscheinlicher. Ohnehin hatten Branchenkenner vermutet, dass Essar die Produktion mancherorts stoppen und die Anlagen nur als Terminals nutzen würde.

"Die Linie der Konzerne ist klar: große Mengen an Raffineriekapazitäten aufgeben", sagt Rainer Wiek, Chefredakteur des Fachblatts "Energie Informationsdienst". "Mit einem Verkauf an einen anderen Besitzer wäre das Problem nicht gelöst." Im vergangenen Jahr hätten die Raffinerien deutschlandweit "eine rote Null" geschrieben.

Die Milliardengewinne der Multis kommen aus dem Upstream-Geschäft, der Förderung von Öl und Gas also. Im Absatz "downstream" dagegen sorgen die Tankstellen noch für ein mageres Plus, während die Verarbeitung von Rohöl zu Benzin, Diesel, Heizöl oder Chemieprodukten Miese bringt.

Reine Raffineriekonzerne wie Petroplus Börsen-Chart zeigen mit Sitz in der Schweiz oder Valero Energy Börsen-Chart zeigen aus den USA haben zwei schwere Verlustjahre hinter sich.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung