Freitag, 29. Mai 2020

Schmutziges Geschäft Goldman Sachs verbietet das Fluchen

Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein: Die Goldmänner müssen in ihren E-Mails eine gepflegte Sprache wählen

Goldman Sachs wird nie wieder "dreckige Geschäfte" machen. Zumindest werden die Mitarbeiter ihre Abschlüsse nie wieder so nennen. Die über Monate unter Betrugsverdacht stehende US-Investmentbank verbietet Kraftausdrücke in ihren E-Mails.

New York/Frankfurt am Main - Selbst deutsche Fäkalsprache geht nicht mehr durch - dafür sorgen ein elektronischer Filter und menschliche Kontrolleure, die die Mitarbeiter bei einem Ausrutscher auch mal herbeizitieren, wie es aus der Bank heißt.

Die teils rüden Umgangsformen in der Bank waren im Laufe der Kongressanhörungen an die Öffentlichkeit gelangt. So hatte ein Mitarbeiter in einer internen E-Mail eine der ins Zwielicht geratenen Transaktionen als "ein dreckiges Geschäft" bezeichnet ("one shitty deal"). Die Kongressabgeordneten ritten mit Freude auf dieser Entgleisung herum. Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen reagierte und stellte die Kontrollsoftware vor einigen Wochen schärfer ein.

"Natürlich haben wir Richtlinien über die Nutzung von angemessener Sprache", sagte eine Banksprecherin am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. "Und wir suchen immer nach Wegen, die Umsetzung auch sicherzustellen." Wie das "Wall Street Journal" schrieb, findet der Filter sogar verbotene Wörter, die mit Sternchen verschleiert werden - eine durchaus übliche Praxis in den prüden Vereinigten Staaten.

Goldman Sachs hatte erst vor zwei Wochen die Betrugsvorwürfe mit einem Vergleich aus der Welt geschaffen. Die Börsenaufsicht SEC hatte Goldman Sachs unterstellt, Anleger beim Verkauf von Hypothekenpapieren hinters Licht geführt zu haben, indem die Bank ihnen die Rolle eines großen Hedgefonds verheimlichte, der gegen die Wertpapiere wettete. Goldman gab einen Fehler zu und zahlte eine Strafe von 550 Millionen Dollar - von Betrug war aber keine Rede mehr.

Dennoch zählt das Ergebnis zu den teuersten Vergleichen, die Banken in den USA in der Geschichte geschlossen haben. Beobachter werten das als wenn nicht juristisches, so doch faktisches Schuldeingeständnis. Die deutsche IKB Börsen-Chart zeigen als Hauptgeschädigte der Wette mit Kreditderivaten, auf deren anderer Seite der Hedgefondsmilliardär John Paulson stand, erhielt ihren Einsatz als Entschädigung zurück. Die Schweizer UBS Börsen-Chart zeigen hatte sich zuvor mit der Steuerbehörde IRS darauf geeinigt, 780 Millionen Dollar zu zahlen und so einem Verfahren wegen massenhafter Beihilfe zur Steuerhinterziehung zu entgehen.

ak/dpa

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