Managergesundheit Stress-Herzinfarkt nur Mythos

Manager schlampen oft bei ihrer eigenen Gesundheit. Daher bieten viele Kliniken und Praxen zeiteffektive Check-ups für sie an. Arzt Gunter Frank betreut seit Jahren Führungskräfte. Er sagt im Gespräch mit dem manager magazin, was sinnvoll ist - und was nicht.
Von Nicole Basel
Gesundheitscheck für Manager: Dazu gehört in jedem Fall eine gründliche kardiologische Untersuchung

Gesundheitscheck für Manager: Dazu gehört in jedem Fall eine gründliche kardiologische Untersuchung

Foto: Corbis

mm: Herr Frank, Sie selbst bieten in Ihrer Praxis einen Gesundheitschecks für Führungskräfte an. Sind Manager denn kränker als andere Menschen?

Frank: Nein, sie sind sogar organisch gesünder als andere Berufsgruppen. Dass der Manager von Termin zu Termin hetzt und dann mit Anfang 50 seinen ersten Herzinfarkt bekommt, das ist ein Mythos.

mm: Warum brauchen Führungskräfte dann überhaupt eine besondere Vorsorge?

Frank: Führungskräfte brauchen keine anderen Untersuchungen als jeder andere Mensch auch. Aber sie brauchen einen Arztbesuch, der in ihren Terminkalender passt. Es muss alles an einem Tag abgeklärt werden. Dafür braucht der Arzt ein Netz von Spezialisten im Umkreis und ein sorgfältiges Vorgespräch, damit klar ist, was der Patient benötigt. Bei einem Standard-Check-Up, der einen gesunden Menschen nur in verschiedene Röhren steckt, um anschließend zu sagen: sie sollten ihr Knie noch vom Orthopäden untersuchen lassen, ist der Nutzen für diese Zielgruppe nur schwer darstellbar.

mm: Zahlreiche Kliniken und Privatpraxen bieten spezielle Untersuchungen für Führungskräfte an. Woran erkennt man ein gutes Angebot?

Frank: Es gibt tatsächlich einen ziemlichen Wildwuchs und keine allgemein anerkannten Qualitätskriterien. Ich würde Managern raten, auf ihre geschäftliche Erfahrung zu bauen: Ist das eine Praxis, die businessplangetrieben versucht, so viele Untersuchungen wie möglich durchzuführen, weil teure Geräte abbezahlt werden müssen? Ist das ein Professor, der seine Privatsprechstunde vergoldet bekommt? Oder spürt man, dass der Arzt mit den besonderen Belastungen von Führungskräften vertraut ist und sich in seiner Beratung darauf einstellt.

mm: Und wenn man sich nicht auf seinen Instinkt verlassen möchte?

Frank: Ein seriöser Gesundheitscheck ist individuell abgestimmt und führt nur die Untersuchungen durch, die für den speziellen Patienten mit seinen Vorerkrankungen, seinem Alter, seiner speziellen Situation sinnvoll sind.

mm: Was darf ein Gesundheitscheck kosten?

Frank: Das ist sehr unterschiedlich. Ich mache bei meinen Patienten einmal eine High-Tech-Untersuchung. Das kostet dann allein beim Kardiologen 700 Euro. Wenn da aber gesunde Werte rauskommen, dann weiß ich, dass ich das mindestens fünf Jahre nicht mehr machen muss. Das heißt, ich kann dann in den folgenden Jahren für 400 bis 500 Euro einen guten Check-Up machen. Am Ende muss eine ganz normale Arztrechnung stehen, die alle Leistungen auflistet und keine Phantasiepauschale. Im Einzelfall kann ein Checkup aber auch 5000 Euro kosten, wenn es darum geht einen besonderen Erkrankungsfall fachgerecht abzuklären. Aber das ist die große Ausnahme.

mm: Was gehört zu einem Manager-Check-Up auf jeden Fall dazu?

Frank: Zunächst eine gründliche kardiologische Untersuchung. Dann kennt man die Ausgangslage von Herz und Gefäßen. Dazu kommt eine Anamnese, die Vorgeschichte des Patienten: Welche Krankheiten haben Eltern und Geschwister? Gehört der Patient zu einer Risikogruppe? Unerlässlich ist eine ganz klassische körperliche Untersuchung. Eine Routineblut - und Ultraschalluntersuchung macht Sinn, Impfungen gehören auch dazu. Gerade die jungen Führungskräfte sollten eine Impfung gegen Hepatitis B haben. Alle weiteren Untersuchungen sind dann sehr individuell.

Kein Feierabend ohne E-Mails

mm: An welchen Beschwerden leiden Manager ihrer Erfahrung nach besonders oft?

Frank: Sie haben definitiv vegetative Stresssymptome, etwa Erschöpfung, Schlafstörungen. Bei den allermeisten sage ich im Abschlussgespräch: Organisch sind sie gesund, sie haben dennoch Beschwerden. Jetzt erläutere ich ihnen, wie moderne Stressmodelle diese Beschwerden erklären und was sie ganz persönlich verbessern können.

mm: Was kann man gegen solche Stresssymptome tun?

Frank: Bei Führungskräften wird der Stressnerv oft unentwegt aktiviert. Es gibt keinen Feierabend mehr, keinen Gottesdienst, keinen Urlaub. Führungskräfte müssen daher lernen, den Parasympatikus, den Ruhenerv, selber zu aktivieren. Nicht den Drang zu haben, irgendwo anzurufen, Emails zu checken, Pläne zu schmieden. Das ist eine Kompetenz, die man heute als Manager haben muss. Sonst kann es sein, dass man alle seine Ziele erreicht, aber mit 45 dennoch depressiv ist.

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