Dienstag, 17. September 2019

Kreditausfälle Bankensterben in den USA

Zurück zu altem Glanz? An der Wall Street laufen die Geschäfte wieder gut

Die Zahl der Bankpleiten in den USA hat in diesem Jahr deutlich früher als 2009 die 100 übersprungen. Während kleine und mittlere Institute landesweit die Waffen strecken, laufen die Geschäfte an der Wall Street allerdings wieder ordentlich. Die Finanzmarktreform soll neue Exzesse verhindern. 

New York - Fast zwei Jahre nach dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise sind die Erschütterungen im US-Bankensektor immer noch deutlich zu spüren. Die Zahl der Bankenpleiten überschritt in diesem Jahr bereits die 100er-Marke, wie der US-Einlagensicherungsfonds FDIC am Freitag (Ortszeit) in Washington mitteilte. Mit der Schließung von sieben weiteren Banken machten demnach seit Jahresbeginn 103 Finanzinstitute dicht.

Bei den jüngst geschlossenen US-Banken handelte es sich laut FDIC um regional oder lokal agierende Geldinstitute in den Bundesstaaten Oregon, Nevada, Minnesota, Kansas, South Carolina, Georgia und Florida. Ihre Vermögenswerte beliefen sich laut Stand vom 31. März zusammengenommen auf knapp 2,2 Milliarden Dollar (1,7 Milliarden Euro), die Einlagen ihrer Kunden auf insgesamt gut zwei Milliarden Dollar. Den privatwirtschaftlichen Einlagensicherungsfonds DIF kosten die Pleiten laut FDIC-Schätzungen zusammen 431 Millionen Dollar.

Im Vorjahreszeitraum waren mit 64 Banken deutlich weniger Finanzinstitute in den USA geschlossen worden. Die Zahl der Banken in Schwierigkeiten stieg laut FDIC-Zahlen vom Mai im ersten Quartal dieses Jahres im Vergleich zu Ende 2009 um gut 10 Prozent. Ende März kämpften demnach 775 US-Banken um ihr Überleben. So hoch war ihre Zahl seit 1993 nicht mehr.

Sorgen um Gewerbeimmobilien

Dem zuständigen Kontrollausschuss des US-Kongresses machen vor allem die vielen Kredite für Gewerbeimmobilien Sorgen, die die Banken gewährt haben. Mancherorts stehen ganze Büro- und Geschäftskomplexe leer. Bei den Kreditkarten und Hypotheken für Einfamilienhäuser entspannt sich die Lage dagegen zusehends.

Bei den großen Banken an der Wall Street laufen die Geschäfte dagegen offenbar bereits wieder ordentlich. Die börsennotierten Institute hatten zuletzt reihum sinkende Ausfälle gemeldet. Entwarnung wollten allerdings die wenigsten Bankchefs geben.

Die Zahlen sprechen jedoch eine deutliche Sprache: In New York stieg die Zahl der Banker von März bis Mai um satte 6800. Etwa 429.000 Menschen arbeiten damit nach den neuesten Zahlen des örtlichen Arbeitsamtes an der Wall Street. Bis zum Höchststand von 473.800 aus dem August 2007 ist es zwar noch ein Stück, doch das Tief ist klar überwunden.

Dass sie wieder gefragt sind, wissen auch die Profis in New York. Und sie haben entsprechende Gehaltsvorstellungen. Die auf die Suche von Führungskräften für die Finanzbranche spezialisierte Options Group nennt als Hausmarke für einen leitenden Angestellten 400.000 Dollar Jahresgehalt.

Hoffen auf die Reformgesetze

Je nach Profession ist durchaus mehr drin. Die Investmentbanker von Goldman Sachs, die Spitzenverdiener an der Wall Street, sackten im vergangenen Jahr im Schnitt knapp 500.000 Dollar ein. Ein einfacher Kassierer am Schalter kann von solchen Summen natürlich nur träumen.

Die weltweite Finanzkrise war mit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 ausgebrochen. Um eine derartige Krise in Zukunft zu verhindern, hatte der US-Kongress vor kurzem die umfassendste Finanzmarktreform seit mehr als 80 Jahren verabschiedet. US-Präsident Barack Obama setzte die Neuregelungen am Mittwoch in Kraft.

Das mehr als 2300 Seiten umfassende Reformgesetz sieht unter anderem die Einrichtung einer Verbraucherschutzbehörde unter dem Dach der US-Notenbank Fed vor und ein Frühwarnsystem. Vorgeschrieben wird auch eine bessere Kontrolle des Derivate-Handels und eine größere Transparenz und Haftung für Hedgefonds und Hypothekenhändler. Die vollständige Umsetzung der Reform könnte nach Einschätzung von Experten allerdings noch Monate oder sogar Jahre dauern, weil zahlreiche komplexe Regelungen ausformuliert werden müssen.

Die Finanzkrise hatte auch heftige Kritik an den hohen Bezügen von Bankmanagern ausgelöst. Der US-Sonderbeauftragte für Managergehälter, Kenneth Feinberg, kritisierte am Freitag die Bonuszahlungen führender Finanzinstitute auf dem Höhepunkt der Finanzkrise. Zwischen Oktober 2008 und Februar 2009 zahlten demnach siebzehn US-Institute ihren Top-Managern insgesamt 1,7 Milliarden Dollar an "unklugen" Boni. Gleichzeitig hätten sie von der Regierung Hilfsgelder zur Bewältigung der Finanzkrise eingestrichen. Gerügt wurden unter anderem die Branchengrößen Goldman Sachs, J.P. Morgen Chase und die Citigroup sowie der Versicherungsgigant AIG.

cr/ddp/dpa/afp/reuters

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