Testszenarien "Es fehlt eine Staatspleite"

Wirtschaftsforscher bemängeln die Kriterien des Bankenstresstests. So sei es zum Beispiel vermieden worden, die Folgen einer Staatspleite für die Banken durchzuspielen. Das sei aber beileibe kein unwahrscheinlicher Fall.
Stressturm: In diesem Londoner Hochhaus sitzt das Committee of European Banking Supervisors (CEBS), das den Stresstest durchgeführt hat

Stressturm: In diesem Londoner Hochhaus sitzt das Committee of European Banking Supervisors (CEBS), das den Stresstest durchgeführt hat

Foto: Jonathan Brady/ dpa

Berlin - Der Stresstest für die europäischen Banken greift nach Ansicht des Ifo-Forschers Klaus Abberger zu kurz. "Leider wurde das Szenario eines staatlichen Zahlungsausfalls nicht durchgespielt", sagte Abberger am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Der Test sei keine Prognose. Daher dürfe auch eine Staatspleite kein tabu für die Gestaltung einer solchen Prüfung sein.

Das Beispiel Argentiniens zeige, dass ein staatlicher Zahlungsausfall nach schweren Krisen kein ungewöhnliches Ereignis sei, so Abberger weiter. Zudem hätten die in den Szenarien simulierten kräftigen Abschläge auf Staatsanleihen auch im Bankbuch berücksichtigt werden müssen, forderte Abberger.

Wie die europäischen Regulierer (CEBS) vor Veröffentlichung der Testergebnisse mitteilten, werden die Abschläge nur auf Papiere vorgenommen, die sich im Handelsbuch der Institute befinden. Hier müssen die Wertpapiere verbucht werden, die zum Verkauf bestimmt sind und daher zu Marktpreisen bewertet werden. Die meisten Staatsanleihen liegen aber im Bankbuch, sprich sie sind nicht für den Verkauf bestimmt, sondern werden bis zur Fälligkeit gehalten. Diese wurden in dem Test verschont.

Finanzexperte Gerke zweifelt am gesamten Stresstest

Diese Ausklammerung ließ an den Märkten Zweifel an der Aussagekraft der Stresstests aufkommen. Der Bankenbereich sei noch immer ein großer Risikofaktor für die Konjunkturentwicklung, da eine künftige Kreditklemme noch nicht vom Tisch sei, warnte Abberger. Dennoch sei der Stresstest insgesamt positiv zu bewerten: "Wir brauchen, mehr Transparenz im Bankenbereich. Es ist ein richtiger Schritt, diesen Weg zu gehen."

Dagegen hält der Finanzwissenschaftler Wolfgang Gerke den europäischen Stresstest für wenig aussagekräftig. Zum einen würden Äpfel mit Birnen verglichen: "Hier werden in den einzelnen Ländern unterschiedliche Bilanzierungskriterien angewendet, die im Test keine Berücksichtigung finden", sagte der Nürnberger Professor am Freitag im ARD-Mittagsmagazin. Zum anderen seien die Hürden so niedrig, "dass wir Beruhigungspillen in den Markt geben". Sinnvoller wäre eine harte Prüfung: "Dazu gehört auch die Einbeziehung eines Marktversagens, wie es erst jüngst in der Finanzkrise geschehen ist."

Das Bundesfinanzministerium geht nicht davon aus, nach der Veröffentlichung der Ergebnisse aktiv werden zu müssen. "Wir rechnen nicht damit, dass wir dort einen Handlungsbedarf für uns feststellen", sagte Ministeriumssprecher Michael Offer am Freitag in Berlin. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass die Erwartung, die wir mit den Zielen des Stresstests verbunden haben, also ein Vertrauen und eine Beruhigung in den Märkten, einkehren wird und insofern das Vertrauen auch zurückkehren kann", erklärte Offer weiter.

Zu Gerüchten, dass einzelne Landesbanken den Stresstest bestanden haben, wollte sich Offer mit Verweis auf die Veröffentlichung der Ergebnisse des Stresstests durch die europäischen Bankenaufseher, die BaFin und die Bundesbank am frühen Freitagabend nicht äußern. In erster Linie werde die Kommunikation von der CEBS, der Marktseite und durch die betroffenen Banken selbst erfolgen, sagte Offer.

Die Resultate der Bankenbelastungstests sollen um 18.00 Uhr durch die europäischen Bankenaufseher (CEBS) bekannt gegeben haben. Auch 14 deutsche Geldinstitute mussten sich den Tests stellen, die Aufschluss über ihre Krisentauglichkeit geben sollen.

mak/reuters/ap/ddp
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