Banken-Stresstest Zehn Durchfaller, ein Milliardenloch?

Der Stresstest droht zur aufwendigen Show zu werden. Der schwierige Abstimmungsprozess hat ein Ergebnis hervorgebracht, das Experten als weichgespült und wenig aussagekräftig kritisieren. Dennoch sind die Banker nervös - allein schon, weil angeblich zehn Banken durchfallen.
Drohender Banken-Stresstest: Experten erwarten neue Kapitalspritzen

Drohender Banken-Stresstest: Experten erwarten neue Kapitalspritzen

Foto: Andreas Rentz/ Getty Images

Hamburg - Vor der Veröffentlichung der Banken-Stresstests werden an den Finanzmärkten bereits mögliche Konsequenzen durchgespielt. Nach Einschätzung von Investoren sind zehn der 91 teilnehmenden europäischen Institute durchgefallen und brauchen milliardenschwere Kapitalspritzen, wie aus einer Umfrage der Investmentbank Goldman Sachs hervorgeht.

Zu den schwarzen Schafen gehören einem Bericht der Zeitung "El Pais" zufolge auch mehrere der 18 spanischen Sparkassen - selbst solche, die bereits Staatshilfe erhalten haben. Die Ergebnisse sollten von den Banken in Abstimmung mit den europäischen Bankenregulierern am Freitagabend ab 18 Uhr veröffentlicht werden.

Goldman Sachs hat in seiner Umfrage bis Donnerstagabend 376 Investoren aus Europa, den USA und Asien befragt. Sie erwarten, dass zehn der insgesamt 91 getesteten Banken die Belastungsprobe nicht bestehen. In der Folge müssten die europäischen Geldhäuser knapp 38 Milliarden Euro an frischem Kapital aufnehmen, lautet die durchschnittliche Erwartung der Finanzexperten. Betroffen sind ihrer Einschätzung nach vor allem Banken aus Spanien, Deutschland und Griechenland. Doch selbst im Fall von Kapitalspritzen nach dem Stresstest sehen 37 Prozent der befragten Investoren die europäischen Banken noch als zu schwach kapitalisiert.

Aus Deutschland haben 14 Banken teilgenommen. Finanzkreisen zufolge dürften sie bis auf den Münchener Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) alle bestanden haben. Das negative Testergebnis der HRE ist jedoch bedeutungslos, da das verstaatlichte Institut ohnehin bald alle toxischen Papiere in eine Bad Bank auslagert. Viel spannender ist die Frage, wie einzelne Wackelkandidaten etwa aus dem Landesbankenlager abschneiden und wie ihr Kapital unter Stressbedingungen abschmilzt.

Selbst wenn alle dieser Institute den Test bestehen, schließen Branchenvertreter zusätzliche Kapitalspritzen nicht aus. "Die Bewertung der Ergebnisse müssen wir dem Markt überlassen" sagte ein hochrangiger Banker. Auch an der Börse werden die Einzelergebnisse der Banken mit Spannung erwartet.

Deutsche Banken voller Hoffnung

"Die unmittelbaren Auswirkungen der Ergebnisse sind für die einzelnen Institute größer als für das System an und für sich", erklärten die Analysten der Unicredit. "Der Stresstest wird - sofern es keine faustdicken Überraschungen gibt - im Schatten der Unternehmensergebnisse stehen, da schon vieles in den vergangenen Tagen durchgesickert ist", vermutet Aktienstratege Heino Ruland von Ruland Research.

Schon in der abgelaufenen Woche hatten sich die Börsianer zuversichtlich gezeigt: Der Dax legte gut zwei Prozent auf 6163 Punkte zu. Dabei zählten die Aktien der Deutschen Bank mit einem Plus von über vier Prozent auf 49,755 Euro sogar zu den größten Gewinnern. Die Aktien der Commerzbank und die im MDax notierten Aktien der Postbank, an der Branchenprimus Deutsche Bank beteiligt ist, waren vor Veröffentlichung der Ergebnisse wenig gefragt.

Der deutschen Privatbankenverband BdB erwartet von den Tests ein positives Signal für die Märkte. BdB-Hauptgeschäftsführer Manfred Weber sagte im Deutschlandfunk, er sei zuversichtlich, dass die heimischen Institute bei der Belastungsprobe "insgesamt gut" abschneiden werden. Auch das europäische Bankensystem werde besser abschneiden als von vielen erwartet. "Wir sind auf gutem Weg, die richtigen Lehren aus der Krise zu ziehen", sagte Weber.

In dem Test werden die Auswirkungen eines Konjunktureinbruchs und eines Kursverfalls bei Staatsanleihen auf die Bankbilanzen geprüft. Als bestanden gilt der Test, wenn die Kernkapitalquote als zentrale Kennziffer in diesen Szenarien nicht unter sechs Prozent rutscht. Die Ergebnisse sollen zeigen, welchen Kapitalpuffer die Institute für solche Extrembedingungen haben. Mit der Offenlegung soll das von der Finanzkrise erschütterte Vertrauen der Investoren in die europäischen Banken gestärkt werden - nach dem Vorbild der USA, wo dies im vergangenen Jahr mit einem solchen Test geglückt ist.

kst/ap/ddp/reuters
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