Klagen in den USA Front gegen Porsche bröckelt

Einige der Kläger, die von Porsche in den USA Schadenersatz im Zusammenhang mit der gescheiterten VW-Übernahme gefordert hatten, sind abgesprungen. Andere haben ihre Forderungen modifiziert. Das operative Geschäft es Autobauers läuft indes wieder rund - vor allem in China, Südamerika und dem Mittleren Osten.
"Ein Markt, in dem man, wenn man Geld hat, ein großes Fahrzeug kauft, den Luxus zeigt und sich fahren lässt": Der Porsche Panamera verkauft sich nach Angaben von Porsche-Chef Macht vor allem in Schwellenländern gut

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Stuttgart - Nach einem höchstrichterlichen Urteil in den USA zur Verfolgung von Kapitalmarktvergehen sinkt die Zahl der Investoren, die Porsche im Zusammenhang mit der missglückten VW-Übernahme auf Schadenersatz verklagen. Sechs der bisher 41 Kläger ließen ihre Schadenersatzforderungen fallen, wie aus Reuters vorliegenden US-Gerichtsunterlagen hervorgeht.

Amerikanische Gerichte könnten nur über mögliche Rechtsverstöße mit Transaktionen von an US-Börsen notierten Unternehmen oder sonstigen US-Wertpapieren entscheiden, hatte der oberste Gerichtshof in den USA Ende Juni entschieden. Weder die Aktien von VW noch von Porsche  sind in den USA notiert, was die Klagemöglichkeiten von Anlegern gegen das Stuttgarter Unternehmen im Zuge des jüngsten Grundsatzurteils in den USA einschränkt.

Als Reaktion auf dieses Urteil des obersten Gerichtshof machen einige der klagenden Fondsgesellschaften nun erstmals geltend, dass sie auch durch in den USA getätigte Swap-Geschäfte auf VW-Aktien finanzielle Einbußen erlitten hätten. Einige Kläger haben zudem ihre auf US-Börsenrecht gestützten Ansprüche ganz fallengelassen und erheben nun allgemeine Betrugsvorwürfe.

35 Kläger fordern zwei Milliarden Dollar

Insgesamt verlangen die verbliebenen 35 Kläger in ihrer jüngsten Klageschrift Schadenersatz für Vermögensverluste von mehr als zwei Milliarden Dollar (umgerechnet mehr als 1,6 Milliarden Euro). Porsche habe durch Falschinformationen und Marktpreismanipulationen den Kurs der VW-Aktien  in die Höhe getrieben, lautet der Vorwurf. Die Fonds hatten auf fallende Kurse gesetzt, was ihnen im Herbst 2008 bei einem kurzzeitigen Kurssprung der VW-Aktien auf mehr als 1000 Euro herbe Verluste einbrachte.

Porsche bekräftigte am Donnerstag, die Klage der Anleger in den USA sei unzulässig und unbegründet. "Auch die von den Klägern vorgebrachten neuen Behauptungen fallen nicht in den Anwendungsbereich des US-Börsenrechts", sagte ein Sprecher. Porsche werde sich weiter entschieden gegen die Klage zur Wehr setzen.

Für Porsche könnte eine Verurteilung zu milliardenschwerem Schadenersatz in den USA eine existenzbedrohende Krise auslösen, da die Porsche Holding hoch verschuldet ist und die ursprünglich geplante Übernahme von Mitte vergangenen Jahres daher abblasen musste. Statt dessen will VW nun Porsche im kommenden Jahr ganz schlucken.

Porsche-Chef: "Umsatz im zweistelligen Prozentbereich gesteigert"

Operativ fährt der Sportwagenbauer allerdings immer schneller aus der Krise. "Wir haben den Umsatz im Geschäftsjahr 2009/10 im zweistelligen Prozentbereich gesteigert", sagte Porsche-Chef Michael Macht in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Wir hatten im Mai und im Juni die höchsten Auftragseingänge, die Porsche seit 60 Jahren hatte." Der Absatz werde im Ende Juli endenden Geschäftsjahr deutlich über dem des Vorjahres liegen. Im Geschäftsjahr 2008/09 hatten die Stuttgarter 6,6 Milliarden Euro erlöst und 75.238 Sport- und Geländewagen verkauft.

Die Entwicklung des Autogeschäftes sei jedoch sehr unterschiedlich verlaufen. "Wir haben die Situation, dass sich die Sportwagensegmente noch nicht wieder vollständig erholt haben", erklärte Macht. "Wir haben in den tradierten Märkten noch nicht wieder die Stückzahlen erreicht, die wir vor der Krise hatten." Das gelte besonders für Europa und die USA. "Ich denke, dass sich das spätestens 2011 ändern wird. Ab 2012 dürften wir dann auch im Sportwagenbereich wieder ordentliche Stückzahlen erreichen."

In China, Südamerika und im Mittleren Osten sei das Wachstum dagegen sehr stark, sagte der Manager. "Das sind aber alles keine Märkte, in denen in erster Linie Sportwagen, sondern eher Panamera und Cayenne nachgefragt werden. Das ist ein Markt, in dem man, wenn man Geld hat, ein großes Fahrzeug kauft, den Luxus zeigt und sich fahren lässt." Nach Einschätzung von Macht wird sich China in den nächsten fünf bis sechs Jahren weiter mit deutlichen Volumensteigerungen für Porsche entwickeln.

Macht wird ab Oktober vom Porsche-Chefsessel als Produktionsvorstand in den VW-Konzern wechseln. "Verantwortlich zu sein für die Produktion und die Logistik aller Marken und damit über 60 Werke weltweit, das ist eine große Herausforderung, und ich bin stolz darauf, dass man mir das zutraut", betonte der Manager, der vor einem Jahr Wendelin Wiedeking nach dem verlorenen Übernahmekampf mit VW an der Porsche-Spitze beerbt hatte.

cr/reuters/dpa
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