Dienstag, 23. Juli 2019

Nach BP-Desaster Vier Ölriesen planen Notfallsystem

Ölbranche: Wer den Markt kontrolliert
dpa

Die vier größten Ölkonzerne der Welt wollen gemeinsam eine Milliarde Dollar für ein technisches Notfallsystem bereitstellen, um eine Ölkatastrophe wie die im Golf von Mexiko in Zukunft zu vermeiden.  Unterdessen wurden wegen Sturmgefahr die Entlastungsbohrungen dort gestoppt.

Washington - Vier der größten Ölkonzerne der Welt haben sich zusammengeschlossen, um künftige Ölkatastrophen im Golf von Mexiko besser zu bekämpfen. Die Firmen Exxon Mobil , Chevron, ConocoPhillips und Royal Dutch Shell kündigten an, sie würden zusammen eine Milliarde Dollar (780 Millionen Euro) bereitstellen, um ein System zu Auffangen von Öl aus lecken Bohrstellen zu schaffen. Ziel der Initiative sei eine Technik, mit der nur kurze Zeit nach einem Austritt 100.000 Barrel Öl täglich in maximal 3000 Metern Meerestiefe aufgefangen werden könnten.

Für das Vorhaben, das mit der US-Regierung abgestimmt ist, gründeten die Konzerne die Organisation Marine Well Containment Company. Das Notfallsystem soll aus mehreren Spezialschiffen und Unterwassergerät zur Verschließung von Ölquellen bestehen. Es orientiert sich an der Technik, die durch den britischen Ölkonzern BP zum Kampf gegen das Ölleck nach der Explosion der Plattform "Deepwater Horizon" im April eingesetzt wird. Einsatzbereit soll das System binnen 18 Monaten sein.

Der demokratische Kongressabgeordnete Ed Markey bezeichnete den Plan als unzureichend. Das neue System könne zwar dazu führen, dass künftig schneller auf Ölaustritte reagiert werden könne, sagte er. Die Ölkonzerne müsste aber den Anspruch haben, bessere Technik als die von BP bisher verwendete einzusetzen. Sie müssten insbesondere in Technologie investieren, "die verhängnisvolle Austritte von Anfang an verhindert".

Entlastungsbohrungen wegen Sturmgefahr vorübergehend gestoppt

Unterdessen hat der Ölkonzern BP die Entlastungsbohrungen zur Sicherung seines Bohrlochs im Golf von Mexiko wegen Sturmgefahr vorübergehend gestoppt. Das Wetter werde sehr genau beobachtet, sagte BP-Vize-Präsident Kent Wells vor Journalisten in Buras im US-Bundesstaat Louisiana. Notfalls müssten auch die Schiffe über der Stelle, wo die Entlastungsbohrungen stattfinden, in Sicherheit gebracht werden. Das US-Hurrikan-Zentrum hatte zuvor vor einem möglichen tropischen Wirbelsturm in den kommenden zwei Tagen gewarnt.

Für diesen Fall schützte BP das seit vergangener Woche mit einer Abdeckhaube verschlossene Bohrloch am Mittwoch mit einer zusätzlichen Sicherung. Der sogenannte Sturmverpacker sei "eine weitere Barriere, damit nichts hinein- oder herausfließen kann", sagte Wells. Wenn BP die gesamte Region evakuieren müsse, könne das den Zeitplan um "zehn bis 14 Tage" zurückwerfen, sagte der für die Bekämpfung der Ölkatastrophe zuständige US-Admiral Thad Allen.

sk/afp

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