Sonntag, 18. August 2019

Vergleich mit SEC Goldman Sachs zahlt 550 Millionen Dollar Strafe

Verdonnert: Goldman-Chef Blankfein hatte lange alle Vorwürfe von sich gewiesen - jetzt muss er zahlen

Im Streit um das Finanzvehikel "Abacus" haben sich Goldman Sachs und die US-Börsenaufsicht SEC auf einen Vergleich geeinigt. Demnach muss die Großbank die Rekordstrafe von 550 Millionen Dollar zahlen. 150 Millionen Dollar davon gehen an die geschädigte deutsche Mittelstandsbank IKB.

New York - Im Streit um ein dubioses Finanzprodukt haben sich die US-Investmentbank Goldman Sachs und die US-Börsenaufsicht SEC auf einen Vergleich in Rekordhöhe geeinigt. Goldman Sachs werde 550 Millionen Dollar (knapp 425 Millionen Euro) zahlen, weil das Unternehmen wichtige Informationen zu Finanzprodukten falsch dargestellt und verschwiegen habe, teilte die SEC am Donnerstag in New York mit.

Die SEC hatte eine Zivilklage wegen Betrugs gegen das Unternehmen angestrengt. Die in der Kritik der Behörde stehende Anlage namens "Abacus" basierte auf faulen Krediten, die für den Beginn der Finanzkrise in den USA und der darauf folgenden weltweiten Wirtschaftskrise verantwortlich gemacht werden. Die Börsenaufsicht wirft Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen vor, das kritisierte Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann. Goldman Sachs habe dabei verschwiegen, dass einer ihrer wichtigsten Kunden, der Investmentfonds Paulson, auf die Schaffung des Produktes gedrungen habe und gleichzeitig auf den Verfall der Papiere wettete.

Hinter dem Finanzprodukt standen laut SEC sogenannte forderungsbesicherte Wertpapiere (CDOs). Diese gelten als ein Auslöser der Finanzkrise. In ihnen sind viele Kredite gebündelt, wodurch sich theoretisch die Gefahr von Zahlungsausfällen verringern soll. Die Kreditbündel wurden weltweit gehandelt. Da die Banken vor allem in den USA vor der Krise aber viele faule Kredite vergaben, bei denen die Kreditnehmer ihre Schulden nicht mehr begleichen konnten, verloren auch die CDOs massiv an Wert.

Den Anlegern habe Goldman Sachs zugesichert, die Anlagen hinter dem Finanzprodukt seien von einem unabhängigen Dritten ausgewählt worden, erklärte die SEC. Tatsächlich sei das Portfolio aber von Paulson beeinflusst worden. Der Fonds habe zudem gleichzeitig begonnen, auf einen Absturz des Marktes zu wetten. Paulson zahlte Goldman Sachs für die Schaffung des Finanzproduktes laut SEC 15 Millionen Dollar. Die Anleger des Produktes verloren laut SEC insgesamt mehr als eine Milliarde Dollar. Unter den Betroffenen waren auch die beinahe Pleite gegangene deutsche Mittelstandsbank IKB und die britische Royal Bank of Scotland (RBS). Von der Rekordstrafe gehen 250 Millionen Dollar an die Geschädigten, der Rest fließt in die Staatskasse. Die IKB bekommt 150 Millionen Dollar von dem Geld.

Die Vereinbarung sei eine Mahnung an die Wall Street, dass "kein Produkt zu komplex und kein Investor zu raffiniert" sei, um einer Bestrafung zu entgehen, "wenn eine Firma die grundlegenden Prinzipien der ehrlichen Behandlung" verletzt, erklärte Robert Khuzami von der SEC. Eine halbe Milliarde Dollar seien der höchste Vergleich in der Geschichte der SEC. Goldman Sachs hatte den Vorwurf des Betrugs zurückgewiesen. Allerdings seien die Werbematerialien für das Produkt "unvollständig" gewesen, räumte das Unternehmen am Donnerstag ein.

Goldman Sachs hatte die Vorwürfe der SEC zunächst als "vollkommen unbegründet" zurückgewiesen und angekündigt, sich gegen die Vorwürfe "tatkräftig" zu wehren. Bis kommenden Montag hätte das Unternehmen Zeit gehabt, zu den im April erhobenen Vorwürfen der SEC Stellung zu nehmen.

Der Vergleich muss nun noch von einem New Yorker Bundesrichter genehmigt werden. Die SEC-Klage gegen den parallel beschuldigten französischen Goldman-Banker Fabrice Tourre laufe dessen ungeachtet weiter, teilte die Behörde mit.

cr/afp/dpa-afx

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