Sonntag, 16. Juni 2019

IKB-Prozess Verteidiger fordert Freispruch für Ortseifen

Ex-IKB-Chef Stefan Ortseifen: "Heute sind wir alle viel, viel schlauer"

Vor dem Urteil gegen Ex-IKB-Chef Stefan Ortseifen fordert sein Anwalt einen Freispruch. Der Banker habe den drohenden Zusammenbruch des Instituts 2007 nicht absehen können - und sich daher nicht der Kursmanipulation schuldig gemacht.

Düsseldorf - Am Mittwoch wird das Urteil im spektakulären Prozess gegen Stefan Ortseifen gesprochen. Der Vorwurf lautet Börsenkursmanipulation, der ehemalige Chef der Krisenbank IKB soll die Lage der des Instituts 2007 geschönt und Anleger damit wissentlich getäuscht zu haben. Ortseifen droht als erstem deutschen Topbanker in Deutschland eine Verurteilung wegen der Finanzkrise.

Seine Verteidiger haben nun einen Freispruch gefordert. Es liege nicht, wie von der Staatsanwaltschaft unterstellt, der Straftatbestand der Irreführung vor, plädierte Anwalt Rainer Hamm am Dienstag vor dem Düsseldorfer Landgericht. Beweise für Kursmanipulationen habe die Anklage nicht erbracht. Die heutigen Kenntnisse über die Ursachen und Folgen der Finanzkrise könnten nicht für Juli 2007 unterstellt werden. "Heute sind wir alle viel, viel schlauer", sagte Hamm. Auch die Ratingagenturen hätten damals die Gefahren nicht erkannt. "Man sollte Herrn Ortseifen daher nicht den Vorwurf machen, dass er keine Panik gemacht hat".

Staatsanwalt Nils Bußee hatte dem ehemaligen Bankchef Börsenkursmanipulation vorgeworfen. Ortseifen habe die Lage der IKB in einer Pressemitteilung am 20. Juli 2007 stark geschönt. Eine Woche nach der Mitteilung stand die Bank am Abgrund und musste später durch eine milliardenschwere Stützungsaktion unter Führung der Bundesregierung gerettet werden.

Ortseifen hatte im Verfahren argumentiert, die IKB sei erst durch die Deutsche Bank in die Krise gerissen worden, weil diese am 27. Juli 2007 die Kreditlinien gekündigt hatte und ihr damit irreparablen Schaden zugefügt habe. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sagte, die IKB habe damals trotz Aufforderung keine Auskunft über ihre Lage gegeben. Ende Mai sagte Richterin Brigitte Koppenhöfer, der Manager müsse nach einer vorläufigen Bewertung des Gerichts wegen Täuschung der Anleger mit einer "nicht unerheblichen Strafe" rechnen.

cte/mak/reuters/dpa

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