Ölpest BP sucht weißen Ritter

Um eine feindliche Übernahme zu verhindern, sucht BP offenbar nach einem strategischen Investor. Staatsfonds aus Abu Dhabi, Katar und Singapur sollen dafür im Gespräch sein. Die britische Regierung bereitet sich indes auf ein mögliches Auseinanderbrechen des Ölkonzerns vor.   
Warnung: BP bekommt die Ölpest im Golf von Mexiko nach wie vor nicht in den Griff

Warnung: BP bekommt die Ölpest im Golf von Mexiko nach wie vor nicht in den Griff

Foto: dpa

Hamburg - Der angeschlagene Energiekonzern BP hat Kreisen zufolge auf der Suche nach einem strategischen Investor Kontakt mit mehreren Staatsfonds im Nahen Osten und Asien aufgenommen. BP-Führungskräfte hätten Gespräche mit Vertretern von Staatsfonds in Abu Dhabi, Kuwait, Katar und Singapur geführt, sagte eine hochrangige Person aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, die nicht genannt werden wollte, am Dienstag zu Reuters. "BP sucht einen strategischen Partner, damit es nicht von anderen großen Ölgesellschaften wie Exxon und Total übernommen wird", sagte die Person weiter.

Bereits am Wochenende hieß es in Medienberichten, der britische Energieriese suche nach neuen Großinvestoren, um potenzielle Übernahmeversuche abwehren zu können. Die BP-Aktie war daraufhin so gefragt wie selten in den vergangenen Wochen und lag auch am Dienstag Vormittag mit über 3 Prozent im Plus.

Der Konzern, dessen Marktwert sich seit Beginn der Ölpest etwa halbiert hat, hat bereits erklärt, durch den Verkauf von Geschäftsteilen in diesem Jahr zehn Milliarden Dollar einnehmen zu wollen.

Angesichts der Kosten für die Ölkatastrophe bereitet sich die britische Regierung unterdessen nach Informationen der "Times" auf ein Auseinanderbrechen von BP vor. Es würden Krisenpläne für den Fall eines Zusammenbruchs oder einer Zerschlagung des Konzerns ausgearbeitet, berichtete die Zeitung am Dienstag ohne genaue Quellenangabe.

Falls das ehemals größte britische Unternehmen die Krise nicht überleben sollte, betreffe dies nach Auffassung der Regierung unmittelbar britische Interessen. So gehöre BP der größte Teil der britischen Energieinfrastruktur, unter anderem ein Leitungssystem, das über 50 Öl- und Gasfelder in der Nordsee verbinde.

Von einem etwaigen Zusammenbruch wären auch viele britische Rentenfonds betroffen, die in BP-Aktien investiert haben. Wie die Zeitung weiter berichtet, will der britische Premierminister David Cameron die Zukunft von BP während eines Besuchs in Washington am 20. Juli mit Vertretern der US-Regierung besprechen. Die BP-Aktie hat durch die Ölkatastrophe schon mehr als die Hälfte ihres Werts verloren. Das Unternehmen muss viele Milliarden an Wiedergutmachung aufbringen.

cr/dpa/reuters
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